
Bei der Warsteiner Brauerei stehen zwei bekannte Partnerschaften mit der deutschen Hotellerie auf dem Prüfstand. Die erst 2024 gestartete Zusammenarbeit mit Motel One soll bereits wieder beendet worden sein. Gleichzeitig wird im traditionsreichen Sauerland-Stern in Willingen der Bier-Etat neu vergeben. Dort ist allerdings noch keine Entscheidung über einen neuen Lieferanten gefallen. Der Fall Warsteiner Motel One zeigt damit, wie schnell sich Partnerschaften in der Hotelgastronomie ändern können.
Die Haus Cramer Gruppe, zu der Warsteiner gehört, war zum 1. Juli 2024 deutschlandweiter Bierpartner von Motel One geworden. Damals war angekündigt worden, 65 deutsche Hotelstandorte mit Produkten der Marken Warsteiner, König Ludwig und Oberbräu zu beliefern. Die Kooperation sollte die Präsenz der Marken in der Hotelgastronomie ausbauen.
Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ hat Warsteiner diese Partnerschaft inzwischen wieder beendet. Das Magazin nennt wirtschaftliche Gründe. Eine öffentliche Bestätigung von Warsteiner oder Motel One für das Ende der Zusammenarbeit lag zunächst nicht vor. Motel One reagierte dem Bericht zufolge nicht auf eine Anfrage. Warsteiner äußerte sich zu den konkreten Angaben ebenfalls nicht.
Dass die Produkte bislang Teil des Motel-One-Angebots waren, lässt sich dagegen belegen. In einer zuletzt verfügbaren Getränkekarte der Hotelgruppe werden Warsteiner Pilsener, Oberbräu Hell und König Ludwig Weißbier geführt.
Auch beim Sauerland-Stern in Willingen könnte sich für Warsteiner etwas ändern. Das Hotel gehört mit mehr als 500 Zimmern, zahlreichen Konferenzräumen und mehreren gastronomischen Bereichen zu den großen Hotel- und Kongressbetrieben der Region. Auf der aktuellen Internetseite werden 506 Hotelzimmer und 36 Konferenzräume angegeben.
Warsteiner wird dort seit Jahrzehnten ausgeschenkt. Noch in einer Getränkekarte des Hotels aus dem vergangenen Jahr sind Warsteiner Pils, Oberbräu Hell und alkoholfreies Warsteiner aufgeführt.
Die künftige Besetzung ist allerdings noch offen. Nach Angaben eines Krombacher-Sprechers gegenüber der „WirtschaftsWoche“ ist der Bier-Etat des Sauerland-Sterns derzeit ausgeschrieben. Krombacher bewerbe sich gemeinsam mit weiteren Wettbewerbern. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. Damit ist bislang nicht bestätigt, dass Warsteiner den Auftrag tatsächlich verliert oder Krombacher künftig zum Zuge kommt.
Die Entwicklungen treffen auf einen für die gesamte deutsche Brauwirtschaft schwierigen Markt. Der Bierabsatz in Deutschland sank 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 6,0 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der entsprechenden Zeitreihe im Jahr 1993. Alkoholfreie Biere sind in dieser Statistik nicht enthalten.
Die Haus Cramer Gruppe hatte für 2025 einen Absatzrückgang von 1,9 Prozent gemeldet und sich damit besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Gleichzeitig sprach das Unternehmen von einem außergewöhnlich schwierigen Jahr für die Branche. Besonders alkoholfreie Produkte und Oberbräu Hell verzeichneten nach Unternehmensangaben Zuwächse.
Zusätzlich wurde im Sommer 2026 bekannt, dass Eigentümerin Catharina Cramer die Gruppe finanziell unterstützt. Aus dem veröffentlichten Jahresabschluss für 2024 geht eine Unterstützung über 20 Millionen Euro sowie eine bis September 2027 geltende Patronats- und Rangrücktrittserklärung hervor. Im Juli übernahm zudem Bodo-Joachim Wendenburg die Führung der Gruppe. Auf der Warsteiner-Webseite wird er inzwischen als Geschäftsführer geführt.
Der mögliche Abschied von Motel One und die Neuausschreibung im Sauerland-Stern sind deshalb vor allem für die Präsenz der Warsteiner-Marken in der Gastronomie bedeutsam. Wie groß die wirtschaftlichen Auswirkungen tatsächlich sind, ist bislang nicht bekannt.
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