
Deutschland und die USA wollen ihre Zusammenarbeit bei Rüstungsprojekten deutlich ausweiten. Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein US-Amtskollege Pete Hegseth unterzeichneten bei einem Treffen im Pentagon in Washington eine entsprechende Absichtserklärung. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Entwicklung und Produktion sowie zusätzliche Kapazitäten für Wartung und Instandhaltung.
Die Vereinbarung ist kein Beschaffungsvertrag über ein bestimmtes Waffensystem. Sie soll vielmehr den politischen und organisatorischen Rahmen dafür schaffen, dass Unternehmen beider Länder bei künftigen Projekten enger zusammenarbeiten können. Die Rüstungskooperation zwischen Deutschland und den USA soll dadurch schneller und in größerem Umfang möglich werden.
Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums sollen durch die Vereinbarung die Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklung, Produktion und Lizenzfertigung erweitert werden. Auch Wartung, Versorgung und langfristige Unterstützung von Waffensystemen sollen stärker miteinander verzahnt werden.
Hegseth verband die Vereinbarung mit den laufenden Bemühungen innerhalb der NATO, die industrielle Basis des Bündnisses auszubauen. Die amerikanische Beschaffungsstrategie und die deutschen Maßnahmen zur Beschleunigung militärischer Beschaffung sollen dabei stärker aufeinander abgestimmt werden.
Pistorius stellte insbesondere zusätzliche Produktionsmöglichkeiten in Deutschland heraus. Hintergrund ist der hohe Bedarf an Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung in den NATO-Staaten. Auch die USA und Deutschland versuchen, ihre Bestände auszubauen und Produktionszeiten zu verkürzen. Reuters zufolge betrifft der Engpass unter anderem Luftverteidigung und weitreichende Waffensysteme.
Die engere Zusammenarbeit soll nicht allein auf Käufe deutscher Streitkräfte in den USA hinauslaufen. Deutschland bietet nach Angaben von Pistorius auch industrielle Kapazitäten für eine gemeinsame Fertigung an. Damit könnten Systeme oder Komponenten teilweise in Deutschland hergestellt werden, wenn Produktionskapazitäten in den USA nicht ausreichen.
Die Absichtserklärung legt jedoch noch keine konkreten Stückzahlen, Produktionsstandorte oder Auftragswerte fest. Welche einzelnen Projekte auf Grundlage der Vereinbarung umgesetzt werden, muss jeweils gesondert festgelegt werden.
Zu den bereits bestehenden deutsch-amerikanischen Rüstungsprojekten gehört die Beschaffung der F-35A. Die Bundeswehr hat 35 Flugzeuge dieses Typs bestellt. Die ersten Maschinen werden zunächst in den USA für die Ausbildung deutscher Piloten und Techniker genutzt. Ab Ende 2027 sollen F-35 in Büchel stationiert werden und dort schrittweise den Tornado ersetzen.
Beim Treffen im Pentagon ging es auch um den geplanten Erwerb von Tomahawk-Marschflugkörpern durch Deutschland. Das Vorhaben ist politisch vereinbart, einzelne Details des Beschaffungsverfahrens sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Pistorius erklärte nach dem Gespräch, dass weitere Schritte geklärt werden müssten.
Die Tomahawk-Beschaffung ist damit von der nun unterzeichneten allgemeinen Absichtserklärung zu unterscheiden. Diese schafft einen breiteren Rahmen für die industrielle Zusammenarbeit und regelt nicht abschließend den Kauf einzelner Waffensysteme.
Die Vereinbarung fügt sich in die neue Verteidigungsplanung der NATO ein. Die Mitgliedstaaten hatten sich beim Gipfel in Den Haag 2025 verpflichtet, ihre Verteidigungs- und sicherheitsbezogenen Investitionen bis 2035 auf insgesamt fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Mindestens 3,5 Prozent sollen auf die eigentlichen militärischen Anforderungen entfallen. Bis zu weitere 1,5 Prozent können unter anderem für Infrastruktur, Resilienz und den Ausbau der Verteidigungsindustrie eingesetzt werden.
Parallel dazu will die NATO ihre industrielle Produktionskapazität ausbauen. Hintergrund sind unter anderem höhere Anforderungen bei Luftverteidigung, Munition, gepanzerten Fahrzeugen und weitreichenden Waffensystemen. Das Bündnis hatte bereits 2025 ausdrücklich eine stärkere transatlantische Zusammenarbeit der Rüstungsindustrie vereinbart.
Die Vereinbarung von Pistorius und Hegseth setzt diesen Ansatz nun bilateral zwischen Deutschland und den USA fort. Welche konkreten Rüstungsprojekte daraus hervorgehen und in welchem Umfang Produktion nach Deutschland verlagert oder dort zusätzlich aufgebaut wird, ist in der Absichtserklärung noch nicht festgelegt.












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