
Das traditionsreiche Modeunternehmen WARTH aus Biberach an der Riß hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Modehaus Keller-Warth GmbH beantragte beim Amtsgericht Ravensburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen. Alle 14 Stores bleiben geöffnet. Betroffen sind knapp 90 Beschäftigte. Der Insolvenzantrag von Modehaus WARTH bedeutet zudem noch nicht, dass das Insolvenzverfahren bereits eröffnet worden ist.
Das Amtsgericht Ravensburg ordnete am 29. September 2026 um 15.30 Uhr vorläufige Sicherungsmaßnahmen an. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen 107 IN 704/26 geführt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Michael Winterhoff aus Ulm bestellt. Die gerichtliche Bekanntmachung erfolgte am 2. Oktober.
Damit befindet sich die Modehaus Keller-Warth GmbH zunächst in einem vorläufigen Verfahren. Eine Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens war bis Dienstag, 6. Oktober, nicht bekanntgemacht worden. Das Gericht hat unter anderem angeordnet, dass Verfügungen des Unternehmens über Vermögensgegenstände grundsätzlich der Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters bedürfen. Für Bankkonten und Außenstände gelten weitergehende Befugnisse des Verwalters.
Zu seinen Aufgaben gehört außerdem die Prüfung, ob ein Insolvenzgrund vorliegt, ob das vorhandene Vermögen die Verfahrenskosten decken kann und welche Aussichten für eine Fortführung des Unternehmens bestehen. Über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens entscheidet das Gericht erst nach dieser Prüfung.
Für Kundinnen und Kunden ändert sich zunächst wenig. Nach Angaben des Unternehmens werden sämtliche 14 WARTH Stores weiterbetrieben. Das aktuelle Filialnetz verteilt sich auf sieben Standorte in Süddeutschland. Geschäfte bestehen in Biberach, Ravensburg, Laupheim, Riedlingen, Oberjoch, Überlingen und Freiburg.
Das Unternehmen beschäftigt knapp 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Welche Folgen das Verfahren langfristig für einzelne Standorte oder Arbeitsplätze haben könnte, war zunächst offen. Im Rahmen der Sanierung sollen sowohl die wirtschaftlichen Strukturen als auch das Filialnetz überprüft werden. Als Ziel nennt das Unternehmen eine Fortführung von WARTH und den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Konkrete Schließungen wurden bislang nicht angekündigt.
Damit unterscheidet sich die aktuelle Situation von einer sofortigen Betriebseinstellung. Der laufende Verkauf kann im vorläufigen Verfahren fortgesetzt werden, während die wirtschaftliche Lage geprüft und eine mögliche Sanierung vorbereitet wird.
WARTH führt seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf mehrere Entwicklungen zurück. Das Unternehmen nennt die Nachwirkungen der Schließungen während der Corona-Pandemie, geringere Besucherzahlen in Innenstädten, eine zurückhaltende Konsumnachfrage sowie gestiegene Kosten. Zudem seien über viele Jahre aufgebaute Strukturen unter den heutigen Marktbedingungen nicht mehr in allen Bereichen tragfähig.
Diese Angaben stammen vom Unternehmen selbst. Zu Umsatzentwicklung, Verbindlichkeiten oder Höhe eines möglichen Finanzierungsbedarfs wurden zunächst keine belastbaren Zahlen veröffentlicht. Auch über mögliche Investoren, einen Verkauf von Unternehmensteilen oder bereits festgelegte Sanierungsmaßnahmen gab es zunächst keine gesicherten Angaben.
Die schwierigen Rahmenbedingungen beschränken sich allerdings nicht auf WARTH. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen für den deutschen Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren zu Beginn des Jahres 2026 eine schwächere Entwicklung. Von Januar bis April lagen die realen Umsätze in diesem Bereich 1,8 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Internet- und Versandhandel legte im selben Zeitraum real um 3,6 Prozent zu. Die Zahlen beschreiben die Entwicklung der Branche insgesamt und lassen keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Ursachen der wirtschaftlichen Situation eines einzelnen Unternehmens zu.
WARTH gehört zu den traditionsreichen Modehändlern im Süden Deutschlands. Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1864 zurück. Damals eröffnete Fritz Keller in Biberach ein Geschäft für Mode und Weißwaren. Das Stammhaus am Marktplatz besteht bis heute. Die Modehaus Keller-Warth GmbH wird mittlerweile in fünfter Generation geführt.
Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt betrieb das Unternehmen zahlreiche Geschäfte in der Region. Im Jahr 2013 zeichnete das Land Baden-Württemberg Keller-Warth mit dem Zukunftspreis Handel aus. Damals wurden 15 Geschäfte und rund 100 Beschäftigte angegeben. In den folgenden Jahren wurde das Netz weiter verändert und um unterschiedliche Ladenkonzepte ergänzt. Aktuell nennt das Unternehmen 14 Stores an sieben Standorten.
Wie das Filialnetz nach Abschluss der wirtschaftlichen Prüfung aussehen wird, ist noch nicht entschieden. Zunächst stehen die Fortführung des laufenden Betriebs und die Prüfung einer Sanierung im Mittelpunkt. Das Amtsgericht beziehungsweise der vorläufige Insolvenzverwalter müssen nun insbesondere feststellen, ob die Voraussetzungen für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen und welche Fortführungsmöglichkeiten bestehen.
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