
Der US-amerikanische Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger William D. Nordhaus ist tot. Der langjährige Professor der Yale University starb am Freitag, 30. Oktober 2026, im Alter von 85 Jahren. Das bestätigte die amerikanische Universität in einem Nachruf. Nordhaus gehörte zu den einflussreichsten Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Klimaökonomie. Seine Forschung lieferte wichtige Grundlagen dafür, die wirtschaftlichen Schäden des Klimawandels zu berechnen und den Ausstoß von Kohlendioxid mit einem Preis zu versehen.
Nach Angaben der Yale University starb Nordhaus nach einer Erkrankung an einem Glioblastom, einem aggressiven Hirntumor. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte seine wissenschaftliche Laufbahn nahezu vollständig an der renommierten Universität im US-Bundesstaat Connecticut verbracht. Seit 2024 war er emeritiert.
Nordhaus beschäftigte sich bereits in den 1970er-Jahren mit den wirtschaftlichen Folgen der Erderwärmung. Zu dieser Zeit spielte der Klimawandel in der Volkswirtschaftslehre noch eine vergleichsweise geringe Rolle. Seine Arbeiten trugen später dazu bei, Klimaschäden und die Kosten ihrer Vermeidung systematisch miteinander zu vergleichen.
Im Jahr 2018 erhielt Nordhaus den Wirtschaftsnobelpreis für seine Forschung zur Einbeziehung des Klimawandels in langfristige gesamtwirtschaftliche Analysen. Die Auszeichnung teilte er sich mit dem US-Ökonomen Paul Romer, der für seine Arbeiten über den Einfluss technologischer Innovationen auf langfristiges Wirtschaftswachstum geehrt wurde.
Besonders bekannt wurde Nordhaus durch das sogenannte DICE-Modell. Die Abkürzung steht für Dynamic Integrated Climate-Economy. Das Modell verbindet wirtschaftliche Entwicklungen, Treibhausgasemissionen und Veränderungen des Klimas. Damit lässt sich untersuchen, welche volkswirtschaftlichen Schäden durch eine fortschreitende Erwärmung entstehen können und welche Kosten Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen verursachen.
Die Grundidee bestand darin, Klimapolitik nicht getrennt von wirtschaftlichen Entscheidungen zu betrachten. Vielmehr sollten die langfristigen Folgen des Klimawandels ebenso in Berechnungen einfließen wie Investitionen, Produktion und Konsum.
Ein zentrales Ergebnis seiner Forschung war die wirtschaftliche Begründung für einen CO₂-Preis. Nordhaus argumentierte, dass Unternehmen und Verbraucher bei der Nutzung fossiler Energieträger nicht automatisch sämtliche gesellschaftlichen Schäden berücksichtigen, die durch Treibhausgasemissionen entstehen.
Eine Abgabe auf Kohlendioxid soll diese Kosten stärker in wirtschaftliche Entscheidungen einbeziehen. Dadurch entstehen Anreize, Emissionen zu vermeiden, klimafreundlichere Technologien einzusetzen und den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu senken.
Nordhaus entwickelte dafür Methoden zur Berechnung der gesellschaftlichen Kosten zusätzlicher CO₂-Emissionen. Seine Modelle wurden zu einer wichtigen Grundlage der internationalen Diskussion über CO₂-Steuern und andere Instrumente zur Bepreisung von Treibhausgasen.
Wie hoch ein wirtschaftlich angemessener CO₂-Preis ausfallen sollte, hängt allerdings von Annahmen über künftige Klimaschäden, wirtschaftliche Entwicklungen und die Bewertung langfristiger Folgen ab. Die Ergebnisse solcher Modellrechnungen sind deshalb nicht mit einer unumstrittenen politischen Zielvorgabe gleichzusetzen.
Auch nach seiner Auszeichnung mit dem Nobelpreis arbeitete Nordhaus weiter an der Verbindung von Klimaforschung und Wirtschaftswissenschaft. Gemeinsam mit der Ökonomin Lint Barrage veröffentlichte er 2024 neue Ergebnisse auf Grundlage einer aktualisierten Fassung seines DICE-Modells.
Die Untersuchung befasste sich unter anderem mit den wirtschaftlichen Folgen unterschiedlicher Klimaschutzstrategien und den Anforderungen an eine international koordinierte CO₂-Bepreisung. Nordhaus vertrat dabei die Auffassung, dass die bestehenden klimapolitischen Maßnahmen nicht ausreichten, um die langfristigen internationalen Temperaturziele zu erreichen.
Damit beschäftigte er sich bis in seine letzten wissenschaftlich aktiven Jahre mit der Frage, wie sich die Begrenzung des Klimawandels wirtschaftlich organisieren lässt.
William Dawbney Nordhaus wurde am 31. Mai 1941 in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico geboren. Er studierte an der Yale University und promovierte 1967 am Massachusetts Institute of Technology. Noch im selben Jahr begann seine akademische Tätigkeit in Yale, wo er später Professor für Volkswirtschaftslehre wurde.
Neben seiner Forschung über den Klimawandel beschäftigte sich Nordhaus mit wirtschaftlichem Wachstum, Energieverbrauch, technologischem Fortschritt und der Messung wirtschaftlichen Wohlstands. Von 1977 bis 1979 gehörte er dem wirtschaftspolitischen Beratergremium des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter an.
Zwischen 1986 und 1988 war Nordhaus zudem Provost der Yale University und damit einer der wichtigsten akademischen Verwaltungsverantwortlichen der Hochschule. Außerdem wirkte er als Mitautor an dem bekannten wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbuch „Economics“ von Paul Samuelson mit.
Nach Angaben der Universität hinterlässt Nordhaus seine Ehefrau, drei Kinder und drei Enkelkinder. Die Trauerfeierlichkeiten sollen im privaten Rahmen stattfinden. Eine spätere öffentliche Gedenkveranstaltung ist vorgesehen.
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