
Microsoft könnte den Umbau seiner Xbox-Sparte bereits in dieser Woche mit weiteren Stellenstreichungen und organisatorischen Veränderungen fortsetzen. Nach einem Bericht des US-Branchendienstes The Information sollen Hunderte Beschäftigte betroffen sein. Außerdem sei vorgesehen, mehrere Spielestudios zusammenzulegen. Microsoft hatte die neuen Angaben bis Dienstagmorgen nicht offiziell bestätigt. Offen ist zudem, ob der gemeldete Stellenabbau bei Xbox über die bereits im Juli angekündigten Kürzungen hinausgeht.
The Information beruft sich bei den Angaben auf eine mit den Planungen vertraute Person. Demnach könnte die nächste größere Kürzungsrunde noch in dieser Woche erfolgen. Eine konkrete Zahl der betroffenen Arbeitsplätze wurde zunächst nicht genannt. Ebenso blieb offen, welche Studios zusammengelegt werden sollen und wie diese Neuordnung im Einzelnen aussehen könnte.
Eine unabhängige Bestätigung der neuen Angaben lag zunächst nicht vor. Auch aus dem Bericht ergibt sich nicht, ob bei der geplanten Zusammenlegung Studios geschlossen werden sollen oder ob Microsoft vor allem Führungsstrukturen, Entwicklungsabteilungen oder andere Funktionen bündeln will. Zu möglichen Auswirkungen auf einzelne Spieleprojekte gab es zunächst ebenfalls keine gesicherten Angaben.
Die Unterscheidung ist auch bei der Zahl der Stellen entscheidend. Microsoft hatte Anfang Juli bereits einen umfangreichen Personalabbau bei Xbox angekündigt. Damals erklärte das Unternehmen, im Verlauf des Geschäftsjahres 2027 insgesamt rund 3.200 Stellen in seiner Spielesparte abzubauen. Etwa 1.600 Arbeitsplätze sollten unmittelbar wegfallen, weitere rund 1.600 im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres.
Xbox-Chefin Asha Sharma bezeichnete die Veränderungen Anfang Juli als die umfassendste Restrukturierung in der Geschichte der Sparte. Neben den Stellenstreichungen kündigte Microsoft Veränderungen bei mehreren Entwicklerstudios an. Compulsion Games und Double Fine Productions sollten wieder unabhängig werden und ihre Marken sowie Spielekataloge behalten. Für Ninja Theory und Undead Labs wurden Vereinbarungen über neue Eigentümer angekündigt.
Bei Arkane in Frankreich begann nach Angaben von Microsoft ein gesetzlich vorgeschriebener Konsultationsprozess über mögliche strategische Optionen. Kürzungen wurden zudem für verschiedene Bereiche der großen Spieleorganisation angekündigt, darunter Activision, Bethesda und ZeniMax, Blizzard, King, Mojang sowie die Xbox Game Studios.
Microsoft erklärte im Juli zugleich, dass im Zusammenhang mit dieser damaligen Kürzungsrunde keine bereits öffentlich angekündigten eigenen Spiele eingestellt würden. Ob diese Aussage auch für die nun von The Information beschriebenen Veränderungen gilt, war zunächst nicht bekannt.
Der Umbau findet in einer Phase rückläufiger Xbox-Umsätze statt. Im Ende Juni abgeschlossenen Microsoft-Geschäftsjahr 2026 erwirtschaftete der Bereich rund 21,8 Milliarden US-Dollar. Das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Die Erlöse mit Xbox-Inhalten und Diensten gingen um fünf Prozent zurück. Dazu zählen unter anderem Spiele, digitale Inhalte, der Game Pass und Cloud-Angebote.
Deutlich stärker fiel der Rückgang beim Konsolengeschäft aus. Microsoft meldete für Xbox-Hardware im Geschäftsjahr 2026 ein Umsatzminus von 29 Prozent, das das Unternehmen mit geringeren Verkaufszahlen begründete. Im vierten Geschäftsquartal von April bis Juni lagen auch die Erlöse mit Xbox-Inhalten und Diensten zehn Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Der gesamte Microsoft-Konzern entwickelte sich im selben Geschäftsjahr dagegen deutlich stärker. Die Konzernerlöse stiegen um 18 Prozent auf 331,8 Milliarden Dollar. Damit steht die Entwicklung der Spielesparte im Kontrast zum kräftigen Wachstum insbesondere des Cloud-Geschäfts.
Der Umbau fällt in die ersten Monate unter der neuen Xbox-Führung. Asha Sharma übernahm die Leitung der Spielesparte im Februar 2026, nachdem der langjährige Xbox-Chef Phil Spencer seinen Rückzug angekündigt hatte. Seitdem wurden Organisationsstrukturen verändert und Investitionen stärker auf ausgewählte Geschäftsbereiche und Spielemarken ausgerichtet.
Microsoft besitzt nach mehreren großen Übernahmen eine der umfangreichsten Spieleorganisationen der Branche. Zum Konzern gehören unter anderem Activision Blizzard, Bethesda und zahlreiche weitere Entwicklerteams sowie bekannte Marken wie Call of Duty, Minecraft, Fallout, The Elder Scrolls, Halo und Forza. Die Größe des Portfolios hat gleichzeitig die Zahl der Studios, Managementebenen und parallel laufenden Entwicklungsprojekte deutlich erhöht.
Welche Einheiten von den nun gemeldeten Veränderungen konkret betroffen sein könnten, blieb zunächst offen. The Information nannte weder einzelne Studios noch Standorte. Auch eine genaue Zahl der Arbeitsplätze, die in dieser Woche wegfallen könnten, wurde nicht veröffentlicht.
Damit ist ebenfalls nicht geklärt, ob es sich um zusätzliche Kürzungen handelt oder um einen Teil der bereits im Juli angekündigten zweiten Phase des Personalabbaus. Microsoft hatte damals ausdrücklich angekündigt, dass nach den ersten rund 1.600 Stellen weitere Arbeitsplätze im Verlauf des Geschäftsjahres entfallen würden. Bis zu einer offiziellen Mitteilung bleibt daher offen, wie groß die neue Kürzungsrunde tatsächlich ausfällt und welche Studios von der geplanten Neuordnung betroffen sind.
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