
Der Online-Modehändler Zalando hat im dritten Quartal 2026 mehr Umsatz erzielt und sein bereinigtes operatives Ergebnis verbessert. Dennoch reagierte die Börse am Dienstag, 3. November, zunächst mit deutlichen Kursverlusten. Während das Geschäft mit Dienstleistungen für andere Unternehmen kräftig wächst, steht im klassischen Endkundengeschäft ein geringeres operatives Ergebnis. Zudem weist der Berliner Konzern unter dem Strich einen Nettoverlust aus.
Der Konzernumsatz erhöhte sich im Zeitraum von Juli bis September gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,1 Prozent auf 3,1747 Milliarden Euro. Im dritten Quartal 2025 hatte Zalando noch 3,0206 Milliarden Euro umgesetzt. Das Bruttowarenvolumen, das den Wert der über die Plattformen gehandelten Waren abbildet, legte um 7,5 Prozent auf rund 4,54 Milliarden Euro zu.
Auch beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern, dem EBIT, verzeichnete Zalando eine Verbesserung. Der Wert stieg um 10,6 Prozent von 96,3 auf 106,5 Millionen Euro. Die entsprechende operative Marge erhöhte sich von 3,2 auf 3,4 Prozent.
Trotz der positiven Entwicklung beim bereinigten Betriebsergebnis verzeichnete der Konzern einen Nettoverlust von 18 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte Zalando noch einen Überschuss von 12,5 Millionen Euro ausgewiesen. Damit unterscheiden sich die Entwicklung des bereinigten operativen Ergebnisses und das Ergebnis nach Berücksichtigung weiterer Aufwendungen deutlich.
An der Börse wurden die Geschäftszahlen zunächst negativ aufgenommen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa-AFX vom 3. November 2026 um 8.52 Uhr fiel die Zalando-Aktie im vorbörslichen Handel auf Tradegate auf 25,15 Euro. Gegenüber dem Xetra-Schlusskurs des Vortags entsprach dies einem Rückgang um 6,8 Prozent.
Ein wesentlicher Kritikpunkt in ersten Analysteneinschätzungen war die Bruttomarge. Diese lag im dritten Quartal bei 38,7 Prozent und blieb damit hinter den Markterwartungen zurück. Analysten von Jefferies und JPMorgan verwiesen unter anderem auf Investitionen als Belastungsfaktor.
Dabei hatte Zalando die Umsatzerwartungen leicht übertroffen. Nach einer von Reuters angeführten Analystenumfrage des Finanzdatenanbieters LSEG war mit Erlösen von rund 3,15 Milliarden Euro gerechnet worden.
Zusätzlich verwiesen Marktbeobachter auf die vorausgegangene Kursentwicklung. Im Oktober hatten Zalando-Aktien rund 18 Prozent an Wert gewonnen. Damit könnten auch Gewinnmitnahmen eine Rolle gespielt haben. Die einzelnen Ursachen des Kursrückgangs lassen sich allerdings nicht eindeutig voneinander trennen.
Ein wichtiger Wachstumstreiber ist das Geschäft mit Dienstleistungen für andere Unternehmen. In diesem sogenannten B2B-Segment erzielte Zalando einen Umsatz von 354,4 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 277,1 Millionen Euro gewesen. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 28 Prozent.
Das bereinigte operative Ergebnis in diesem Bereich erhöhte sich von 19,6 auf 42,2 Millionen Euro. Die Marge verbesserte sich gleichzeitig von 7,1 auf 11,9 Prozent.
Zum B2B-Geschäft gehören unter anderem Logistikdienstleistungen, technische Lösungen für Onlineshops und die Anbindung von Marken an verschiedene Vertriebskanäle. Mit diesen Angeboten will Zalando stärker an den Geschäften anderer Händler verdienen.
Im klassischen Endkundengeschäft verlief die Ergebnisentwicklung dagegen schwächer. Zwar erhöhte sich der Umsatz auf rund 2,83 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT sank jedoch von 76,6 auf 64,4 Millionen Euro.
Während Zalando im dritten Quartal insgesamt mehr Bestellungen verzeichnete, entwickelte sich die operative Profitabilität somit in den beiden Geschäftsbereichen unterschiedlich.
Die Entwicklung des Konzerns steht weiterhin im Zeichen der Integration des übernommenen Modehändlers About You. Dessen Geschäft wird seit dem 11. Juli 2025 in den Konzernzahlen berücksichtigt. Die unterschiedlichen Konsolidierungszeiträume beeinflussen daher auch den Vergleich mit dem Vorjahresquartal.
Nach Angaben von Zalando erreichten die Einsparungen und zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteile aus der Integration im dritten Quartal einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Dazu kamen geringere Kosten für die Bestellabwicklung.
Die Zahl der aktiven Kunden erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent auf 63,2 Millionen. Zugleich stieg die Zahl der Bestellungen von 68,5 auf 73,8 Millionen.
Darüber hinaus stellte das Unternehmen eine Erweiterung seines Geschäftsmodells mit künstlicher Intelligenz vor. Unter der Bezeichnung Zalando Extended sollen künftig auch Waren anderer Onlineshops zugänglich werden, die Zalando selbst nicht im Sortiment führt.
Den Bestellvorgang soll dabei ein KI-System übernehmen. Als ersten Partner für das Vorhaben nennt Zalando den Einrichtungshändler Westwing. Ab 2027 soll es möglich sein, dessen Produkte über die Zalando-App durch den KI-Agenten kaufen zu lassen.
Die geplante Erweiterung ist Teil des zunehmenden Wettbewerbs um KI-gestützte Einkaufsangebote. Solche Systeme können Produkte vergleichen, Empfehlungen erstellen und perspektivisch Bestellungen eigenständig ausführen. Für Handelsplattformen entstehen dadurch neue technische Möglichkeiten, zugleich aber auch Veränderungen bei der Vermittlung von Kunden und Produkten.
Trotz der unterschiedlichen Entwicklung seiner Geschäftsbereiche hält Zalando am bisherigen Jahresausblick fest. Der Vorstand erwartet weiterhin, dass Umsatz und Bruttowarenvolumen auf ausgewiesener Basis in der unteren Hälfte einer Wachstumsspanne von 12 bis 17 Prozent zulegen werden.
Beim bereinigten operativen Ergebnis rechnet das Unternehmen für das gesamte Jahr 2026 mit 680 bis 720 Millionen Euro. Die geplanten Investitionen liegen weiterhin zwischen 240 und 300 Millionen Euro.
Die Prognose war bereits im August konkretisiert worden und wurde mit der Vorlage der neuen Quartalszahlen bestätigt.
Für die weitere Geschäftsentwicklung ist insbesondere entscheidend, wie sich das profitable Firmenkundengeschäft und der klassische Onlinehandel entwickeln. Gleichzeitig setzt Zalando auf zusätzliche Dienstleistungen und den Ausbau seiner Plattform.
Die nächsten vollständigen Jahresergebnisse will das Unternehmen am 11. März 2027 veröffentlichen.
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