Led Zeppelin IV wird 55: Wie acht Songs Rockgeschichte schrieben

Symbolbild: Mikrofon auf einer Bühne
Lestat (Jan Mehlich), CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

Teilen:

Vor 55 Jahren veröffentlichte die britische Rockband Led Zeppelin ihr viertes Studioalbum. Am 8. November 1971 erschien die Platte in den USA auf dem Label Atlantic Records. Unter dem heute geläufigen Namen Led Zeppelin IV entwickelte sie sich zu einem der kommerziell erfolgreichsten Rockalben der Musikgeschichte. Acht Stücke, darunter Stairway to Heaven, Black Dog und Rock and Roll, gehören bis heute zu den bekanntesten Aufnahmen der Band.

Anzeige

Eine Besonderheit war bereits die Veröffentlichung selbst. Die Schallplatte trug ursprünglich weder einen offiziellen Albumtitel noch den Bandnamen auf dem Umschlag. Stattdessen verwendeten die Musiker vier persönliche Symbole. Auch beim Erscheinungsdatum gibt es eine Besonderheit: Während die offizielle Bandchronik den 8. November 1971 nennt, datiert Gitarrist Jimmy Page die britische Veröffentlichung auf den 12. November 1971.

Led Zeppelin IV entstand in London und einem englischen Landhaus

Die Entstehung des Albums begann Ende 1970. Nach den ersten drei Studioalben arbeiteten Led Zeppelin an neuem Material, das unterschiedliche musikalische Richtungen miteinander verbinden sollte. Neben kraftvollem Hardrock entstanden akustische Stücke und Kompositionen mit Einflüssen aus Folk und Blues.

Zur Besetzung gehörten Sänger Robert Plant, Gitarrist Jimmy Page, Bassist und Keyboarder John Paul Jones sowie Schlagzeuger John Bonham. Page übernahm zusätzlich die Produktion. Als Toningenieur arbeitete Andy Johns an den Aufnahmen mit.

Anzeige

Die ersten dokumentierten Studiositzungen fanden bereits im November 1970 in den Island Studios in London statt. Anfang 1971 zog die Band für weitere Aufnahmen nach Headley Grange, einem abgelegenen Landhaus in der südenglischen Grafschaft Hampshire.

Dort nutzten die Musiker ein mobiles Tonstudio der Rolling Stones. Die Räumlichkeiten ermöglichten Aufnahmen außerhalb eines herkömmlichen Studiokomplexes. Besonders die Akustik des Gebäudes beeinflusste den Klang einzelner Stücke.

Die Arbeiten erstreckten sich bis Februar 1971. Anschließend folgten weitere Produktionsschritte. Jimmy Page und Andy Johns arbeiteten auch in den Sunset Sound Studios in Los Angeles an der Abmischung. Von den dort entstandenen Mischungen wurde schließlich nur die Fassung von When the Levee Breaks für das ursprüngliche Album übernommen.

Acht Songs zwischen Hardrock, Folk und Blues

Mit Black Dog beginnt das Album mit einem markanten Gitarrenriff und dem Wechsel zwischen Robert Plants Gesang und den Instrumentalpassagen der Band. Darauf folgt Rock and Roll, ein Stück, das musikalisch an die frühen Formen des Rock’n’Roll anknüpft.

Die erste Plattenseite enthält außerdem The Battle of Evermore. Auf dieser Aufnahme ist neben Plant die britische Sängerin Sandy Denny zu hören, die durch ihre Arbeit mit Fairport Convention bekannt geworden war. Akustische Instrumente und der gemeinsame Gesang unterscheiden das Stück deutlich von den beiden eröffnenden Rocksongs.

Den Abschluss der ersten Seite bildet Stairway to Heaven. Die knapp acht Minuten lange Komposition beginnt zurückhaltend mit akustischen Instrumenten und entwickelt sich schrittweise zu einem elektrisch verstärkten Rockstück. Jimmy Pages Gitarrensolo bildet einen zentralen Teil des musikalischen Aufbaus.

Die zweite Plattenseite eröffnet Misty Mountain Hop. Es folgen Four Sticks und Going to California, bevor When the Levee Breaks das Album abschließt.

Besonders die Schlagzeugaufnahme des letzten Stücks ist ein charakteristisches Beispiel für die Produktionsweise der Band. John Bonhams Schlagzeug wurde in den weitläufigen Räumen von Headley Grange aufgenommen. Das Ergebnis ist ein räumlicher, von starkem Nachhall geprägter Klang.

Die acht Titel zeigen, dass Led Zeppelin ihre musikalische Identität nicht ausschließlich über harte Gitarren definierten. Elektrische und akustische Instrumente, unterschiedliche Rhythmen und wechselnde Arrangements standen gleichberechtigt nebeneinander.

Warum das Albumcover bis heute ungewöhnlich ist

Auch gestalterisch unterschied sich die vierte Led-Zeppelin-Platte von vielen anderen Veröffentlichungen ihrer Zeit. Auf dem ursprünglichen äußeren Umschlag fehlten sowohl der Name der Gruppe als auch ein Albumtitel.

Die Vorderseite zeigt ein gerahmtes historisches Bild eines älteren Mannes, der ein großes Bündel Holz auf dem Rücken trägt. Das Bild hängt an einer beschädigten, tapezierten Wand. Auf der Rückseite wird eine städtische Bebauung sichtbar.

Erst 2023 gelang es einem Forscher der University of the West of England, die Herkunft des historischen Motivs näher zu bestimmen. Demnach handelte es sich nicht, wie lange angenommen, ursprünglich um ein Gemälde, sondern um eine nachkolorierte Fotografie aus dem späten 19. Jahrhundert.

Die Aufnahme zeigt einen Reetdachdecker aus der englischen Grafschaft Wiltshire. Das zugrunde liegende Foto stammt nach den Forschungsergebnissen aus dem Jahr 1892 und wurde in einem historischen Fotoalbum entdeckt.

Neben dem Bildmotiv wurden vier grafische Symbole zum Erkennungszeichen des Albums. Sie standen jeweils für eines der vier Bandmitglieder und erschienen auf der Innenhülle sowie dem Plattenlabel. Jimmy Page und Robert Plant entwickelten ihre Zeichen selbst, während John Paul Jones und John Bonham Symbole auswählten.

Die ungewöhnliche Gestaltung führte dazu, dass sich verschiedene Bezeichnungen für die Veröffentlichung etablierten. Neben Led Zeppelin IV wurde das Album unter anderem als Four Symbols bekannt.

Led Zeppelin IV erreichte 24-fach Platin in den USA

Der kommerzielle Erfolg des Albums lässt sich anhand der internationalen Charts und Auszeichnungen dokumentieren.

In Großbritannien erreichte die Veröffentlichung Platz eins der offiziellen Albumcharts. Die Official Charts Company weist insgesamt zwei Wochen an der Spitze aus. Die erste Chartnotierung erfolgte in der Woche vom 27. November 1971.

In den Vereinigten Staaten erreichte Led Zeppelin IV Platz zwei der Billboard-Albumcharts. Damit gehörte die Platte auf beiden Seiten des Atlantiks zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen ihrer Zeit.

Besonders bemerkenswert ist die langfristige Entwicklung der amerikanischen Verkaufszertifizierungen. Am 8. November 2021, genau 50 Jahre nach dem ursprünglichen amerikanischen Erscheinungstag, erhielt das Album von der Recording Industry Association of America die Auszeichnung mit 24-fach Platin.

Diese Zertifizierung entspricht 24 Millionen anerkannten Albumeinheiten auf dem US-Markt. Sie erfasst die nach den jeweiligen RIAA-Regeln anrechenbaren Verkäufe beziehungsweise vergleichbaren Nutzungseinheiten und ist keine weltweite Verkaufsstatistik.

Neuauflagen und Jubiläumsprogramm halten das Album präsent

Auch Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung wurde Led Zeppelin IV wiederholt neu aufgelegt. Im Oktober 2014 erschien eine von Jimmy Page neu gemasterte Ausgabe in unterschiedlichen Formaten.

Neben der regulären Albumfassung wurde eine Deluxe-Version mit zusätzlichen Aufnahmen veröffentlicht. Diese enthielt alternative Mischungen und andere Versionen der acht Originalstücke. Ergänzend erschien eine umfangreiche Sammleredition mit CDs, Vinylplatten und weiterem Archivmaterial.

Im Oktober 2023 folgte eine Pressung auf transparentem Vinyl im Rahmen des 75-jährigen Bestehens von Atlantic Records.

Zum 55. Jubiläum widmete sich auch die amerikanische Musiksendung In the Studio with Redbeard dem Album. Am 1. November 2026 erschien eine entsprechende Jubiläumsausgabe mit Gesprächen aus dem Archiv mit Jimmy Page und Robert Plant über die Entstehung der Platte und einzelner Songs.

Ein Album als Verbindung verschiedener Rocktraditionen

Die Bedeutung von Led Zeppelin IV reicht über seinen kommerziellen Erfolg hinaus. Die Veröffentlichung verbindet Elemente des Bluesrock mit Hardrock, akustischem Folk und aufwendig arrangierten Kompositionen.

Bereits die Abfolge der acht Stücke verdeutlicht diese musikalische Bandbreite. Während Black Dog und Rock and Roll auf markante Rhythmen und elektrische Gitarren setzen, zeigen The Battle of Evermore und Going to California die akustische Seite der Gruppe.

Stairway to Heaven vereint beide Ansätze innerhalb einer einzigen Komposition. When the Levee Breaks steht dagegen beispielhaft für den experimentellen Umgang mit Raumklang und Studiotechnik.

Led Zeppelin bestanden in ihrer klassischen Besetzung von 1968 bis 1980. Nach dem Tod von Schlagzeuger John Bonham beendete die Band ihre gemeinsame Arbeit. Ihre Studioaufnahmen blieben jedoch über die folgenden Jahrzehnte hinweg erhältlich und wurden mehrfach überarbeitet und neu veröffentlicht.

55 Jahre nach der Erstveröffentlichung steht Led Zeppelin IV damit für eine Phase der Rockgeschichte, in der unterschiedliche musikalische Traditionen zu einer gemeinsamen Klangsprache verbunden wurden. Mit nur acht Titeln und einer ungewöhnlichen Gestaltung wurde die Platte zu einer der prägenden Veröffentlichungen der britischen Rockmusik.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu