
Beim ZF Stellenabbau in Koblenz zeichnet sich nach rund einem Jahr schwieriger Verhandlungen ein Kompromiss ab. Der Automobilzulieferer, die IG Metall und der Betriebsrat haben sich auf Vereinbarungen zur Zukunft des Standorts verständigt. Die Beschäftigten wurden am Montag über Eckpunkte informiert. Vollständig abgeschlossen ist das Verfahren allerdings noch nicht. Zentrale Bestandteile sollen in einem Tarifvertrag geregelt werden, über den die IG Metall Mitglieder am Mittwoch, 23. September, abstimmen sollen.
Damit endet zunächst eine Auseinandersetzung, die im September 2025 begonnen hatte. ZF hatte damals angekündigt, am Standort Koblenz mehrere Hundert Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Das Unternehmen sprach von rund 450 Stellen. Die IG Metall bezifferte die Pläne seinerzeit auf mehr als 500 Arbeitsplätze. In den folgenden Monaten wurde deshalb über den Umfang des Abbaus, die Beschäftigungssicherung und eine langfristige Perspektive für den Standort verhandelt.
Zu den bislang bekannt gewordenen Kernpunkten der Einigung gehört der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen. Unternehmen und Arbeitnehmervertreter hatten bereits Ende 2025 eine Vorvereinbarung für ein Bündnis am Standort geschlossen. Sie sollte den geplanten Umbau begleiten und Zeit schaffen, Alternativen zum ursprünglich vorgesehenen Stellenabbau zu prüfen.
Die nun erreichte Einigung geht nach den bisherigen Angaben über diese vorläufige Regelung hinaus und soll zentrale Fragen zur Standortsicherung tariflich absichern. Welche Instrumente dafür im Einzelnen genutzt werden, soll nach der Mitgliederversammlung am Mittwoch ausführlicher erläutert werden. Offen ist damit am Dienstag insbesondere, wie viele der ursprünglich vorgesehenen Stellen tatsächlich entfallen und über welchen Zeitraum der Personalabbau erfolgen soll.
Eine neue, verbindlich bestätigte Zahl für den Stellenabbau wurde bislang nicht veröffentlicht. Die zuletzt diskutierte Größenordnung von rund 500 Stellen beschreibt deshalb den Ausgangspunkt der Verhandlungen und nicht zwingend das Ergebnis des Kompromisses. Klar ist zugleich, dass ein Personalabbau am Standort während der Gespräche grundsätzlich nicht vollständig vom Tisch war.
Von den Verhandlungen über den eigentlichen Personalabbau zu unterscheiden ist der Verkauf des ZF Geschäfts mit Fahrerassistenzsystemen an Harman International. ZF hatte die Veräußerung der Geschäftseinheit Ende 2025 vereinbart. Der Unternehmenswert wurde mit 1,5 Milliarden Euro angegeben. Der Abschluss der Transaktion war für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen und von behördlichen Genehmigungen abhängig.
Auch Koblenz ist davon betroffen. Für rund 300 Beschäftigte aus dem Bereich Fahrerassistenzsysteme wurden bereits im Frühjahr Vereinbarungen zum Übergang in die neue Struktur ausgehandelt. Dabei handelt es sich nicht automatisch um 300 zusätzliche gestrichene Arbeitsplätze. Die Beschäftigten sollen vielmehr im Zuge des Verkaufs aus dem bisherigen ZF Verbund in die übernommene Geschäftseinheit wechseln. Deshalb dürfen diese Arbeitsplätze nicht einfach zu den rund 450 bis 500 Stellen aus den ursprünglichen Abbauplänen hinzugerechnet werden.
Die Koblenzer Einigung ist Teil eines wesentlich größeren Umbaus bei ZF. Der Konzern hatte bereits im Juli 2024 angekündigt, die Zahl seiner Beschäftigten in Deutschland bis Ende 2028 um 11.000 bis 14.000 zu reduzieren. Ende 2025 arbeiteten noch 49.210 Menschen für ZF in Deutschland. Ein Jahr zuvor waren es 52.027 gewesen. Weltweit sank die Beschäftigtenzahl innerhalb eines Jahres von 161.631 auf 153.153.
ZF setzt dabei nach eigenen Angaben vor allem auf Fluktuation, Abfindungsprogramme, Altersteilzeit und verkürzte Arbeitszeiten. Hinzu kommen strukturelle Veränderungen in einzelnen Geschäftsbereichen. In der Sparte für elektrifizierte Antriebstechnologien wurde mit Arbeitnehmervertretern ein eigenes Restrukturierungspaket vereinbart. Dort erwartet ZF bis 2030 einen Abbau von rund 7.600 Stellen.
Hinter dem Umbau stehen sowohl die schwierige Lage der europäischen Automobilindustrie als auch konzernspezifische finanzielle Belastungen. ZF erzielte 2025 einen Umsatz von 38,8 Milliarden Euro nach 41,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Die bereinigte operative Marge verbesserte sich zwar von 3,5 auf 4,5 Prozent. Wegen hoher Sonderbelastungen im Zusammenhang mit nicht profitablen Elektromobilitätsprojekten entstand unter dem Strich jedoch ein Verlust von rund 2,1 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung lag Ende 2025 bei rund 10,2 Milliarden Euro.
Der Stellenabbau bei ZF steht zugleich für eine Entwicklung, die weite Teile der deutschen Automobilindustrie erfasst hat. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes arbeiteten Ende des ersten Halbjahres 2026 noch rund 691.500 Menschen in der Branche. Das waren 42.300 beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Stand seit 2005.
Besonders stark fiel der Rückgang bei den klassischen Zulieferern von Fahrzeugteilen und Zubehör aus. Dort sank die Beschäftigtenzahl innerhalb eines Jahres um 7,6 Prozent auf etwa 219.500. Neben der schwächeren Fahrzeugproduktion wirken sich der technologische Wandel zur Elektromobilität, steigender internationaler Wettbewerbsdruck und Kostensenkungsprogramme großer Hersteller und Zulieferer auf die Beschäftigung aus.
Auch die Produktion liefert bislang kein Signal für eine schnelle Rückkehr zu früheren Niveaus. In den ersten acht Monaten 2026 wurden in Deutschland rund 2,65 Millionen Pkw gefertigt, vier Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Gegenüber 2019 lag die Produktion nach acht Monaten noch 16 Prozent niedriger.
Für Koblenz ist mit der Verständigung deshalb ein wichtiger Schritt erreicht, der formale Abschluss steht aber noch bevor. Die IG Metall Mitglieder sollen am Mittwoch über die tariflichen Bestandteile entscheiden. Anschließend wollen Gewerkschaft und Betriebsrat die Einzelheiten des Pakets erläutern.
Erst dann dürfte auch klarer werden, auf welche Größenordnung der ursprünglich geplante Stellenabbau reduziert wurde, welche Laufzeit die Beschäftigungssicherung hat und welche Zugeständnisse mit dem Schutz der Arbeitsplätze verbunden sind. Bis dahin bleibt die Zahl von rund 450 bis 500 Stellen die Größenordnung der ursprünglichen ZF Pläne und nicht die bestätigte Zahl der Arbeitsplätze, die nach dem jetzt gefundenen Kompromiss tatsächlich wegfallen.






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