Mähfreier Mai erreicht Münster: Warum der Rasen im Mai öfter stehen bleiben soll

Mähfreier Mai erreicht Münster: Warum der Rasen im Mai öfter stehen bleiben soll
Foto: Caroline Muffert

Teilen:

Münster. Der Rasenmäher soll im Mai möglichst Pause machen, dafür werben Naturschutzverbände unter dem Schlagwort „Mähfreier Mai“. Auch in Münster spielt die Idee inzwischen eine Rolle, denn die Bezirksvertretung Münster-Mitte hat bereits beschlossen, dass auf städtischen Flächen im Bezirk künftig weniger gemäht werden soll.

Hinter der Aktion steht ein einfacher Gedanke: Wo Rasen nicht ständig kurz gehalten wird, können Wildkräuter blühen. Dadurch entstehen Nahrungsquellen für Insekten, außerdem profitieren Vögel und andere Tiere von mehr Struktur im Garten. Der NABU Niedersachsen ruft Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer deshalb dazu auf, ihre Rasenmäher im Mai ruhen zu lassen.

Münster-Mitte beschloss Mähpause auf städtischen Flächen bereits 2025

In Münster hat die Idee inzwischen auch die Kommunalpolitik erreicht. Die Bezirksvertretung Münster-Mitte beschloss den „Mähfreien Mai in Mitte“ am 10. September 2025 auf Antrag von Grünen und Volt. Nach Angaben der Grünen Münster soll das Grünflächenamt ab 2026 im Mai auf städtischen Flächen nicht mehr mähen beziehungsweise auf bestimmten Flächen ganzjährig seltener mähen.

Der Beschluss ist in ein größeres Grünflächenkonzept eingebettet. Mittelfristig soll geprüft werden, welche städtischen Flächen nur noch einmal im Jahr gemäht werden können. Ziel sind mehr Biodiversität und bessere Klimaanpassung. Denn höheres Grün kann nicht nur Lebensraum bieten, sondern auch Böden schützen und bei Hitze zur Abkühlung beitragen.

NABU wirbt für mehr Natur im Garten

Der NABU Niedersachsen macht mit seiner Empfehlung deutlich, dass es beim Mähfreien Mai nicht um ungepflegte Gärten geht. Vielmehr soll der Blick auf den ökologischen Wert von Flächen gelenkt werden, die sonst häufig auf wenige Zentimeter heruntergeschnitten werden. Gerade in Städten und Gemeinden gehen durch Bebauung und versiegelte Flächen viele natürliche Lebensräume verloren. Deshalb können auch private Gärten eine wichtige Rolle spielen.

Nach Einschätzung des NABU bieten naturnah gestaltete Gärten deutlich mehr Nahrung für Insekten als klassische Zierrasenflächen. Wenn im Mai nicht gemäht wird, können Pflanzen zur Blüte kommen, die sonst kaum sichtbar werden. Dazu zählen etwa Wildblumen und heimische Wildkräuter. Sie liefern Nektar, Pollen und später auch Samen, die wiederum für Vögel in der Brutzeit wichtig sein können.

Der Verband verweist außerdem darauf, dass viele private Gärten zusammen einen großen Teil des städtischen Grüns ausmachen. Deshalb zählt nicht nur die große Wiese, sondern auch der kleine Vorgarten. Wenn mehrere Flächen im Mai ungemäht bleiben, können sie zu kleinen Rückzugsräumen für Tiere werden. So entstehen ökologische Inseln, die Insekten und anderen Arten im verdichteten Siedlungsraum helfen können.

Was hinter „No Mow May“ steckt

Der Mähfreie Mai ist von der britischen Kampagne „No Mow May“ inspiriert. Übersetzt bedeutet der Begriff schlicht: im Mai nicht mähen. Die Aktion wurde in Großbritannien durch die Naturschutzorganisation Plantlife bekannt. Ihr Ziel ist es, Menschen dazu zu bewegen, Rasenflächen zumindest zeitweise wachsen zu lassen, damit Wildblumen blühen und Insekten Nahrung finden.

In Deutschland wurde die Idee unter anderem von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und Gartenakademien aufgegriffen. Dadurch hat sich der Begriff „Mähfreier Mai“ etabliert. Die Aktion richtet sich nicht nur an private Gartenbesitzer, sondern kann auch für Kleingärten, Schulen, Kitas, Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften und Kommunen interessant sein.

Der Ansatz ist dabei nicht zwingend radikal. Es muss nicht jeder Garten vollständig verwildern. Schon einzelne Blühinseln oder Teilbereiche, die im Mai stehen bleiben, können einen Beitrag leisten. Außerdem lassen sich Wege, Spielflächen oder stark genutzte Bereiche weiterhin pflegen. Entscheidend ist, dass nicht jede Grünfläche automatisch kurz gemäht wird, nur weil es bislang so üblich war.

Damit unterscheidet sich der Mähfreie Mai von einem Verbot. Es handelt sich um eine Empfehlung aus dem Naturschutz. Wer mitmacht, entscheidet freiwillig, welche Flächen wachsen dürfen und welche weiter genutzt werden sollen.

Warum weniger Mähen der Artenvielfalt hilft

Ein kurz geschnittener Rasen wirkt ordentlich, bietet aber vielen Arten nur wenig Nahrung. Wenn Blütenpflanzen gar nicht erst wachsen können, fehlen Pollen und Nektar für Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten. Dadurch wird auch die Nahrungskette für Vögel beeinflusst, weil diese in der Brutzeit auf Insekten und später auf Samen angewiesen sein können.

Der NABU Niedersachsen hebt deshalb den Wert heimischer Wildkräuter hervor. Pflanzen, die oft vorschnell als Unkraut bezeichnet werden, können ökologisch sehr wichtig sein. Margeriten, Klatschmohn oder andere blühende Arten sind nicht nur optisch auffällig, sondern erfüllen im Garten eine Funktion. Sie schaffen Nahrung, Struktur und Rückzugsräume.

Besonders wertvoll sind ungemähte Bereiche, wenn sie dauerhaft oder wiederkehrend entstehen. Dann können sich Pflanzen entwickeln, außerdem finden Insekten verlässliche Nischen. Auch kleine Wildblumenflächen können wie Trittsteine wirken, weil Tiere von einer Fläche zur nächsten wandern können. Das ist besonders in bebauten Gebieten wichtig, wo natürliche Lebensräume oft voneinander getrennt sind.

Für Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer ist der Einstieg einfach. Eine Fläche im Mai stehen zu lassen, kostet wenig Aufwand. Außerdem lässt sich der Garten weiterhin nutzen, wenn Sitzbereiche, Wege oder Spielbereiche gemäht bleiben. Der Mähfreie Mai setzt deshalb nicht auf Verzicht, sondern auf einen anderen Blick auf Grünflächen.

Vom gepflegten Rasen zur bewussten Gartenpflege

Der Mähfreie Mai stellt eine verbreitete Vorstellung von Ordnung im Garten infrage. Viele Rasenflächen werden regelmäßig gekürzt, weil ein gleichmäßiger grüner Teppich lange als Ideal galt. Naturschutzverbände sehen darin jedoch ein Problem, weil solche Flächen ökologisch oft arm sind. Deshalb werben sie dafür, mehr Blüten und Wildwuchs zuzulassen.

Für die Praxis bedeutet das nicht, dass Gärten ungepflegt aussehen müssen. Wer mitmachen möchte, kann einzelne Bereiche stehen lassen und andere Flächen weiter mähen. Auch Wildblumenwiesen brauchen Geduld, denn sie entwickeln sich nicht von einem Tag auf den anderen. Trotzdem können schon kleine Blühinseln wertvoll sein, wenn sie Insekten Nahrung bieten.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu