Ifo-Umfrage: Jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland sieht seine Existenz bedroht

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Das ifo Institut hat am 11. Mai 2026 eine alarmierende Zahl veröffentlicht: 8,1 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sehen ihre wirtschaftliche Existenz als bedroht an. Umgerechnet ist das jedes zwölfte Unternehmen im Land. Die Zahlen stammen aus der monatlichen ifo-Konjunkturumfrage für April 2026 und zeigen eine Wirtschaft unter gewaltigem Druck. Deutschland steht vor einer stillen Insolvenzwelle – und kaum jemand spricht offen darüber.

Gastronomie und Handel besonders hart betroffen

Die Existenzangst trifft nicht alle Branchen gleich hart. Im Hotel- und Gaststättengewerbe sehen sich fast 20 Prozent der Unternehmen in ihrer Existenz bedroht – ein erschreckend hoher Wert. Noch dramatischer ist die Lage im Einzelhandel: Dort melden 17,4 Prozent der Betriebe eine existenzielle Gefährdung, ein neuer Rekordwert. Im Dienstleistungsbereich liegt die Quote bei 7,6 Prozent, in der Industrie bei 7,5 Prozent.

Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, warnt angesichts dieser Zahlen: Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten dürften die Insolvenzzahlen in den kommenden Monaten auf hohem Niveau bleiben. Die Mischung aus schwacher Nachfrage, hohen Betriebskosten und überbordender Bürokratie lasse vielen Betrieben kaum Luft zum Atmen. Besonders kleine und mittelständische Betriebe, die keine großen Reserven aufgebaut haben, stehen unter extremem Druck.

Drei Hauptprobleme belasten deutsche Unternehmen

Über alle Branchen hinweg klagen Unternehmen vor allem über drei Faktoren: erstens fehlende Aufträge und eine schwache Nachfrage, zweitens gestiegene Betriebskosten inklusive Energie und Personal, und drittens zunehmende bürokratische Belastungen. Diese Kombination drückt besonders auf die Ertragskraft kleiner und mittelständischer Betriebe.

Deutschland kämpft seit Jahren mit einer strukturellen Wachstumsschwäche. Die Nachwehen der Energiekrise, geopolitische Spannungen – besonders der Konflikt um den Iran und die damit verbundene Kerosinverknappung – sowie anhaltend hohe Zinsen belasten die Geschäftsmodelle vieler Firmen. Wer in den vergangenen Jahren nicht konsequent restrukturiert hat, steht nun mit dem Rücken zur Wand. Einige Sektoren sind dabei besonders exponiert: Der Einzelhandel leidet unter dem anhaltenden Trend zum Online-Shopping, und die Gastronomie kämpft seit der Pandemie mit gestiegenen Personalkosten und veränderten Konsumgewohnheiten.

Die ifo-Zahlen spiegeln auch wider, was viele Verbraucher im Alltag bemerken: Die Zahl der Leerstände in deutschen Innenstädten steigt, traditionsreiche Geschäfte schließen, und Gastrobetriebe, die jahrzehntelang Bestand hatten, geben auf. Hinter jeder dieser Schließungen stehen Unternehmer, die nach Jahren des Kampfes die Entscheidung treffen mussten, aufzugeben.

Wirtschaftliche Parallelen und Aussichten

Die ifo-Zahlen fügen sich in ein düsteres Gesamtbild: Laut Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) brechen die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen 2026 um mehr als 17 Milliarden Euro ein. Gleichzeitig steigt die Schuldenquote auf voraussichtlich 66,5 Prozent des BIP. Für Arbeitnehmer sind die ifo-Zahlen ebenfalls besorgniserregend: Wenn fast jedes zwölfte Unternehmen ums Überleben kämpft, steigt das Risiko von Entlassungen und Standortschließungen. Bereits in anderen Sektoren waren in jüngster Zeit massive Stellenabbau-Ankündigungen zu verzeichnen.

Wer in einem Unternehmen arbeitet, das sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet, sollte aufmerksam sein: Anzeichen wie ausbleibende Lohnerhöhungen, Kurzarbeitsankündigungen oder der Rückzug aus Märkten können frühe Warnsignale sein. Das ifo Institut gilt als einer der renommiertesten Wirtschaftsforschungsstandorte in Deutschland. Seine monatlichen Konjunkturumfragen gelten als zuverlässiger Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Die aktuelle Umfrage vom 11. Mai 2026 dürfte Politik und Wirtschaft gleichermaßen zum Handeln zwingen.

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