
Deutschland steht möglicherweise vor einem historischen Schritt in seiner Verteidigungspolitik: Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern ArianeGroup hat bestätigt, dass er sich in Gesprächen mit der Bundesregierung über die mögliche Entwicklung ballistischer Langstreckenraketen befindet. Die angebotenen Reichweiten liegen zwischen 1.000 und über 3.000 Kilometern – eine Fähigkeit, die Deutschland bislang nicht besitzt.
Ballistische Raketen sind Flugkörper, die nach dem Start eine parabolische Bahn entlang der Schwerkraft durchlaufen, bevor sie ihr Ziel treffen. Im Gegensatz zu Marschflugkörpern fliegen sie sehr hoch und sehr schnell – das macht sie schwer abzufangen. Sie können mit konventionellen oder nuklearen Sprengköpfen bestückt werden, weshalb ihr Besitz international als starkes Abschreckungssignal gilt.
Für Deutschland wäre die Anschaffung einer solchen Fähigkeit ein Paradigmenwechsel: Bislang verfügt die Bundeswehr über keinerlei offensive Langstreckenraketen. Das Arrow-3-Raketenabwehrsystem, das im Dezember 2025 in Deutschland in Betrieb genommen wurde, dient ausschließlich der Abwehr feindlicher ballistischer Raketen – nicht dem Angriff.
ArianeGroup, die zu gleichen Teilen von Airbus und Safran gehalten wird, präsentierte ihr Konzept erstmals im Juni 2023 auf der Pariser Luftfahrtschau. Unter der Bezeichnung Missile Balistique Théâtre (MBT) wurden zwei Varianten vorgestellt: eine einstufige und eine mehrstufige Version. Beide sind so ausgelegt, dass sie konventionelle Gefechtsköpfe oder sogenannte Hyperschall-Gleitflugkörper transportieren können.
Nach Informationen aus Unternehmenskreisen prüft ArianeGroup derzeit, ob an einem deutschen Standort eine eigene Raketentreibstoffproduktion aufgebaut werden könnte. Das würde die Abhängigkeit von Importen reduzieren und gleichzeitig industrielle Kapazitäten in Deutschland schaffen – ein wichtiger Aspekt für die politische Akzeptanz des Projekts.
Allerdings ist das Vorhaben politisch komplex: Da ArianeGroup ein binational kontrolliertes Unternehmen ist, würde ein militärischer Einsatz seiner Technologie durch Deutschland die Zustimmung der französischen Regierung erfordern. Paris hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es beim Transfer sensibler Rüstungstechnologie zurückhaltend agiert.
Der Hintergrund der deutschen Überlegungen ist die veränderte Sicherheitslage in Europa seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Die NATO-Mitglieder diskutieren intensiv darüber, wie eine glaubwürdige konventionelle Abschreckung gegenüber Russland aufgebaut werden kann. Weitreichende Präzisionsraketen gelten dabei als Schlüsselinstrument.
Die Bundeswehr hat bereits im Rahmen des Programms Brave Germany ein umfassendes Verteidigungspaket für die Ukraine zusammengestellt. Parallel dazu rüstet Deutschland seine eigenen Kapazitäten aus: Neben dem Arrow-3-System werden auch US-amerikanische Mittelstreckenwaffen auf deutschem Boden stationiert. Auch in der Ostsee zeigen sich die Spannungen deutlich: Russische Kriegsschiffe, wie zuletzt der Zerstörer Severomorsk vor Fehmarn, testen regelmäßig die Grenzen des NATO-Gebiets.
Rheinmetall, der größte deutsche Rüstungskonzern, hat unterdessen ebenfalls Ambitionen im Bereich der Raketen angemeldet: In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Destinus soll noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 ein Gemeinschaftsunternehmen für fortschrittliche Raketensysteme gegründet werden. Der Markt für Präzisionswaffen in Deutschland wächst rapide.
Die Diskussion um ballistische Raketen für Deutschland ist innenpolitisch heikel. Kritiker warnen vor einer weiteren Eskalation und bezweifeln, ob offensive Langstreckenwaffen mit dem deutschen Grundgesetz und den Prinzipien der NATO-Rüstungskontrolle vereinbar wären. Befürworter halten dagegen: In einer Welt, in der Russland bereits weitreichende Präzisionsraketen in Europa einsetzt, sei konventionelle Abschreckung kein Angriff, sondern Selbstschutz.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat sich bislang nicht öffentlich zur ArianeGroup-Initiative geäußert. Aus Regierungskreisen heißt es, die Prüfungen seien noch in einem frühen Stadium. Eine endgültige Entscheidung über die Beschaffung dürfte frühestens 2027 fallen – nach weiteren Machbarkeitsstudien und Abstimmungen innerhalb der NATO.
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