
Schlaf rückt erneut in den Mittelpunkt der internationalen Gesundheitsforschung. Eine große Studie im Fachjournal Nature kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen mittleren und höheren Alters bei einer Schlafdauer von etwa sechseinhalb bis knapp acht Stunden die niedrigsten biologischen Alterswerte zeigten. Die Analyse stützt sich auf Daten der UK Biobank und untersuchte biologische Alterungsmarker in mehreren Körpersystemen. Zugleich zeigen weitere aktuelle Untersuchungen, dass Schlafmangel nicht nur ein individuelles Alltagsproblem ist, sondern auch Jugendliche, Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften betrifft.
Die im Mai 2026 veröffentlichte Nature-Studie wertete selbst berichtete Schlafdauer und 23 biologische Alterungsuhren aus. Diese berücksichtigten unter anderem Bildgebungsdaten, Proteomik und Stoffwechseldaten. Besonders günstige Werte zeigten sich in der untersuchten Stichprobe bei einer Schlafdauer zwischen 6,4 und 7,8 Stunden. Menschen mit weniger als sechs Stunden Schlaf oder mehr als acht Stunden Schlaf lagen dagegen häufiger in Bereichen, die mit erhöhten Krankheitsrisiken und höherer Sterblichkeit verbunden waren.
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass für jeden Menschen exakt dieselbe Schlafdauer optimal ist. Die Studie beschreibt statistische Zusammenhänge in einer großen Bevölkerungsgruppe. Sie belegt keine einfache Ursache-Wirkung-Kette. Auch längerer Schlaf kann ein Hinweis auf bereits bestehende gesundheitliche Belastungen sein. Dennoch stützen die Daten die seit Jahren vertretene Einschätzung, dass dauerhaft sehr kurzer Schlaf gesundheitlich ungünstig sein kann.
Besonders deutlich zeigt sich das Problem bei Jugendlichen. Eine im Mai 2026 vorgestellte Untersuchung der University of Minnesota nutzte Daten von mehr als 400.000 Schülerinnen und Schülern aus den Jahren 1991 bis 2023. Danach ist der Anteil der Jugendlichen mit ausreichendem Schlaf in den USA über Jahrzehnte gesunken. Bei älteren Jugendlichen berichteten zuletzt nur 22 Prozent, mindestens sieben Stunden pro Nacht zu schlafen.
Die Untersuchung nennt mehrere Faktoren, die Schlaf erschweren können. Dazu zählen schulische Anforderungen, soziale Verpflichtungen, Nebenjobs, Bildschirmzeit und gesellschaftliche Belastungen. Besonders betroffen waren ältere Jugendliche sowie Gruppen, bei denen soziale Unterschiede eine Rolle spielen. Die Forschenden verweisen deshalb auf strukturelle Lösungen wie spätere Schulanfangszeiten, weil Jugendliche biologisch häufig später müde werden und früher Schulbeginn mit ihrem Schlafrhythmus kollidieren kann.
Auch in Europa werden Schlafprobleme zunehmend als Gesundheits- und Wirtschaftsfaktor betrachtet. Eine Veröffentlichung im Rahmen des COIN-EU-Projekts der European Academy of Neurology bezifferte die jährlichen Kosten großer Schlafstörungen in Europa auf knapp 423 Milliarden Euro in kaufkraftbereinigten Werten von 2019. Berücksichtigt wurden unter anderem Insomnie, obstruktive Schlafapnoe, Narkolepsie, Restless-Legs-Syndrom und REM-Schlaf-Verhaltensstörung.
Die Kosten entstehen laut der Analyse durch Gesundheitsausgaben, Produktivitätsverluste und informelle Pflege. Besonders hohe Gesamtkosten entfallen auf die obstruktive Schlafapnoe. Schlafstörungen stehen außerdem mit Erkrankungen wie Depression, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall und Demenz in Verbindung. Die Zahlen zeigen, dass Schlafmedizin nicht nur eine Frage persönlicher Lebensführung ist, sondern auch Prävention und Versorgungssysteme betrifft.
Für Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren nennt die National Sleep Foundation sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht als Empfehlung. Je nach Person können auch sechs bis zehn Stunden noch im normalen Bereich liegen. Bei älteren Menschen ab 65 Jahren liegt der empfohlene Bereich niedriger. Entscheidend ist neben der Dauer auch die Erholsamkeit des Schlafs. Wer morgens regelmäßig erschöpft aufwacht, Konzentrationsprobleme hat oder dauerhaft tagsüber müde ist, sollte Schlafqualität und mögliche Ursachen genauer prüfen lassen.
Die neuen Daten verändern die Grundbotschaft nicht, schärfen sie aber: Schlaf ist kein passiver Zustand, sondern ein zentraler Bestandteil körperlicher und geistiger Erholung. Er beeinflusst Aufmerksamkeit, Stimmung, Gedächtnisbildung und langfristige Gesundheitsrisiken. Gerade weil Schlafdauer und Schlafqualität durch Arbeit, Schule, digitale Nutzung und soziale Belastungen unter Druck geraten, wird ausreichende Nachtruhe zunehmend zu einer öffentlichen Gesundheitsfrage.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu