
Der Airbus A350 bleibt für die Luftfahrtbranche eines der wichtigsten Langstreckenflugzeuge. Doch ausgerechnet bei einem besonders ambitionierten Projekt gibt es nun erneut Verzögerungen. Die australische Fluggesellschaft Qantas erwartet den ersten speziell angepassten Airbus A350 für ihr Ultra-Langstreckenprogramm Project Sunrise nicht mehr Ende 2026, sondern erst im April 2027.
Damit verschiebt sich ein zentraler Schritt für eines der spektakulärsten Vorhaben im internationalen Linienverkehr. Qantas will mit dem A350 künftig besonders lange Direktflüge von Australien nach Europa und Nordamerika anbieten, darunter Verbindungen von Sydney nach London und New York.
Offiziell bestätigt ist zunächst, dass Qantas die erste Maschine nun für April 2027 erwartet. Auf der Flottenseite der Airline wird dieser Zeitpunkt inzwischen für die erste Auslieferung genannt. Zuvor hatte Qantas mit einer Übergabe Ende 2026 gerechnet.
Für das Projekt ist der Termin wichtig, weil Qantas für den regelmäßigen Betrieb mehrere Maschinen benötigt. Unklar blieb zunächst, ob sich dadurch auch der Start einzelner Strecken konkret verschiebt. Qantas hält an dem Projekt fest und spricht von einer Zeitersparnis von bis zu vier Stunden gegenüber Routen mit Zwischenstopp.
Die Verzögerung passt zu einem größeren Bild in der Flugzeugindustrie. Airbus kämpft weiterhin mit Engpässen in der Lieferkette. Nach Reuters Informationen wurden einige Kunden über weitere Verzögerungen bei A350 Auslieferungen später in diesem Jahrzehnt informiert. Als wichtiger Faktor gelten Probleme mit Bauteilen aus dem früheren Spirit AeroSystems Werk in Kinston im US-Bundesstaat North Carolina.
Dort werden unter anderem Komponenten für den A350 gefertigt. Airbus kommentierte konkrete Liefertermine laut dem Bericht nicht. Zugleich erklärte das Unternehmen, der erste Flug des A350F im laufenden Jahr und die erste Auslieferung 2027 lägen weiter im Plan. Kein bestätigter Sicherheitsvorfall — sondern industrielle Verzögerungen.
Der Airbus A350 gehört zu den wichtigsten Langstreckenprogrammen des europäischen Herstellers. Nach Airbus Angaben lagen Ende April 2026 mehr als 1.550 Festbestellungen von mehr als 65 Kunden für die A350 Familie vor. Im Mai meldete Airbus eine feste Bestellung der Lufthansa Group über zehn weitere A350 900.
Für Airbus ist der A350 damit nicht nur ein Prestigeprodukt, sondern ein zentraler Baustein im Wettbewerb mit Boeing auf der Langstrecke. Wenn sich Auslieferungen verschieben, kann das Auswirkungen auf Flugpläne, Marketing und Investitionsentscheidungen haben.
Qantas verbindet mit Project Sunrise eine strategische Neuausrichtung auf der Ultra-Langstrecke. Die Airline will Passagiere direkt von Australiens Ostküste zu weit entfernten Metropolen bringen. Der Airbus A350 spielt dabei die Schlüsselrolle. Außerdem setzt die Airline auf ein Kabinenkonzept, das auf sehr lange Flugzeiten ausgelegt ist.
Für Reisende könnte das Projekt den Langstreckenmarkt verändern. Für Airbus ist es zugleich ein Schaufenster für die Leistungsfähigkeit des A350. Gerade deshalb ist die erneute Verzögerung mehr als eine interne Produktionsmeldung. Kein Sicherheitsproblem — wohl aber ein Zeichen, wie stark selbst große Hersteller noch immer von stabilen Lieferketten abhängig sind.
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