
Papst Leo XIV. nimmt heute in Barcelona an einem der wichtigsten Termine seiner Spanienreise teil. In der Basilika Sagrada Família feiert er am Abend eine Messe zum 100. Todestag von Antoni Gaudí. Im Anschluss ist die Segnung und Einweihung des Turms Jesu Christi vorgesehen. Der zentrale Turm ist der höchste Punkt der Basilika und markiert einen wichtigen Schritt in der langen Baugeschichte des weltberühmten Gotteshauses.
Der Termin verbindet zwei Ebenen. Einerseits erinnert Barcelona an Gaudí, der am 10. Juni 1926 starb. Andererseits erhält die Sagrada Família mit dem fertigen Außenteil ihres zentralen Turms ihre endgültige Silhouette. Für die Stadt ist das ein religiöses, architektonisches und touristisches Ereignis von internationaler Bedeutung.
Der Turm Jesu Christi erreicht eine Höhe von 172,5 Metern. Damit ist die Sagrada Família höher als das Ulmer Münster, dessen Turm 161,53 Meter misst und lange als höchster Kirchturm der Welt galt. Bereits im Oktober 2025 hatte die Sagrada Família mit einem Zwischenstand von 162,91 Metern den bisherigen Rekord übertroffen. Mit dem fertig aufgesetzten Kreuz ist nun die vorgesehene Endhöhe erreicht.
Die Höhe folgt einer bewussten architektonischen Idee. Gaudí plante den höchsten Turm niedriger als den nahe gelegenen Berg Montjuïc. Der Mensch solle nach dieser Deutung nicht höher bauen als Gottes Schöpfung. Der Turm ist Christus gewidmet und steht im Zentrum des Bauwerks. Insgesamt sah Gaudís Entwurf 18 Türme vor, die unter anderem Christus, Maria, den Evangelisten und den Aposteln zugeordnet sind.
Antoni Gaudí übernahm die Arbeit an der Sagrada Família in den 1880er-Jahren und widmete dem Bau einen großen Teil seines Lebens. Er starb 1926 nach einem Straßenbahnunfall in Barcelona. Zu diesem Zeitpunkt war die Basilika weit von ihrer Vollendung entfernt. Dennoch prägten seine Pläne, Modelle und Ideen die weitere Entwicklung des Bauwerks.
Die Sagrada Família gilt heute als eines der bekanntesten Beispiele sakraler Architektur weltweit. Gaudí verband gotische Einflüsse, organische Formen, religiöse Symbolik und statische Experimente zu einer eigenen Architektursprache. Fassaden, Türme, Lichtführung und Innenraum sind nicht nur dekorativ gedacht, sondern als religiöse Erzählung in Stein, Glas und Licht angelegt.
Der heutige Termin bedeutet nicht, dass die Sagrada Família vollständig fertiggestellt ist. Die äußeren Arbeiten am zentralen Turm wurden im Februar 2026 abgeschlossen. Im Inneren des Turms sollen Arbeiten nach Angaben von Vatican News noch 2027 und 2028 weitergehen. Auch an anderen Teilen des Gesamtprojekts bleibt Arbeit offen.
Besonders die Glorienfassade und städtebauliche Fragen rund um den Haupteingang gelten weiterhin als große Aufgaben. In Berichten wird für die vollständige Fertigstellung inzwischen eher ein Zeitraum bis in die 2030er-Jahre genannt. Belastbar ist deshalb: Der Jesusturm ist fertiggestellt und eingeweiht, die Basilika als Gesamtprojekt aber noch nicht abgeschlossen.
Für Barcelona ist die Sagrada Família längst mehr als ein Kirchenbau. Sie gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt und zieht jährlich Millionen Besucher an. Die Associated Press nennt mehr als fünf Millionen Besucher pro Jahr. Damit ist die Basilika zugleich ein religiöser Ort, ein architektonisches Weltprojekt und ein zentraler Faktor für den Tourismus.
Der Papstbesuch fällt in eine Zeit, in der Barcelona intensiv über Tourismus, Wohnraum und öffentliche Räume diskutiert. Die Sagrada Família steht dabei exemplarisch für die Chancen und Spannungen einer Stadt, deren berühmteste Bauwerke weltweit Aufmerksamkeit erhalten. Mit dem Jesusturm verändert sich nun auch die Skyline Barcelonas endgültig.
Papst Leo XIV. befindet sich seit dem 6. Juni auf Apostolischer Reise in Spanien. Nach Stationen in Madrid und Barcelona führt das Programm weiter auf die Kanarischen Inseln. Der Besuch in der Sagrada Família ist einer der symbolisch stärksten Termine der Reise. Er verbindet Gaudís 100. Todestag mit einem Meilenstein am Bauwerk, das wie kaum ein anderes für Barcelona steht.
Für die katholische Kirche ist die Feier zugleich eine Würdigung Gaudís als Architekt eines außergewöhnlichen Glaubenszeugnisses. Für Barcelona ist sie ein historischer Moment in der 144-jährigen Baugeschichte der Basilika. Der Rekord als höchste Kirche der Welt macht das Ereignis auch über Spanien hinaus relevant.
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