BASF Coatings in Münster-Hiltrup vor neuer Unternehmensphase

BASF verkauft seine Lacke-Sparte an Carlyle. Was das Milliarden-Geschäft für den Standort Münster-Hiltrup bedeutet.
Stahlkocher, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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Münster. Der bevorstehende Eigentümerwechsel bei BASF Coatings Münster-Hiltrup rückt näher. Nach der Freigabe durch die EU-Kommission kann BASF den Verkauf der Mehrheit an seiner Coatings-Sparte an den US-Finanzinvestor Carlyle weiter abschließen. Für Münster ist der Vorgang besonders relevant, weil der Standort in Hiltrup nicht nur Produktionsort ist, sondern auch Hauptsitz des Coatings-Geschäfts der BASF.

Münster-Hiltrup bleibt zentraler Standort für Lacke und Entwicklung

BASF Coatings Münster-Hiltrup ist einer der wichtigsten Industriestandorte der Region. Das Unternehmen bezeichnet Münster als weltweit größten zusammenhängenden Lackstandort und als Hauptsitz des Unternehmensbereichs Coatings. Dort werden Fahrzeugserienlacke und Autoreparaturlacke entwickelt, produziert und vermarktet. Auch Forschung, Entwicklung, Vertrieb und Marketing sind am Standort gebündelt.

Nach Unternehmensangaben umfasst das Gelände rund 427.000 Quadratmeter. Rund 2.300 Mitarbeitende aus mehr als 40 Nationen arbeiten dort. Hinzu kommen etwa 140 Auszubildende. Damit hat der angekündigte Verkauf nicht nur konzernstrategische Bedeutung, sondern auch unmittelbaren lokalen Nachrichtenwert für Münster und das Münsterland.

Carlyle übernimmt Mehrheit, BASF bleibt beteiligt

BASF hatte den Verkauf im Oktober 2025 angekündigt. Carlyle übernimmt die Coatings-Geschäfte gemeinsam mit der Qatar Investment Authority. Betroffen sind Fahrzeugserienlacke, Autoreparaturlacke und Oberflächentechnik. Der Unternehmenswert der Transaktion liegt bei 7,7 Milliarden Euro. BASF soll beim Abschluss rund 5,8 Milliarden Euro vor Steuern in bar erhalten.

Der Chemiekonzern zieht sich jedoch nicht vollständig zurück. BASF will mit 40 Prozent an dem künftigen Coatings-Unternehmen beteiligt bleiben. Die Transaktion ist damit kein kompletter Abschied, sondern eine neue Eigentümerstruktur. Carlyle erhält die Mehrheit, während BASF weiter an der Entwicklung des Geschäfts beteiligt bleibt.

EU-Auflage betrifft Spezialmarkt für Polysulfide

Die EU-Kommission hat den Verkauf unter Auflagen genehmigt. Carlyle muss sich vom weltweiten Polysulfid-Geschäft des Unternehmens Nouryon trennen. Hintergrund ist ein spezieller Markt für Ausgangsstoffe, die unter anderem für Dichtstoffe in der Luft- und Raumfahrtindustrie benötigt werden.

Die Wettbewerbshüter sahen ein Risiko, weil Nouryon bereits zu Carlyles Portfolio gehört und BASF Coatings ebenfalls in diesem Bereich aktiv ist. Die Auflage soll verhindern, dass Carlyle nach der Übernahme zu starke Kontrolle über diesen Spezialmarkt erhält. Erst mit vollständiger Erfüllung der Zusagen ist die Freigabe der EU-Kommission wirksam.

Neue Anlage stärkt den Standort vor dem Eigentümerwechsel

Der Standort Münster-Hiltrup geht nicht ohne jüngere Investitionen in die neue Unternehmensphase. BASF Coatings hat dort im November 2025 eine neue Produktionsanlage für Fahrzeugserienlacke in Betrieb genommen. Die Anlage ist auf sogenannte High-Runner-Produkte ausgelegt. Gemeint sind Farben, die besonders stark nachgefragt werden.

Nach Unternehmensangaben soll die Anlage eine gleichbleibend hohe Produktqualität sichern und den Produktionsprozess effizienter machen. Sie zählt zu den bedeutenden Investitionen der vergangenen Jahre bei BASF Coatings. Für Münster ist das ein wichtiges Signal, weil der Standort damit nicht nur Verwaltungssitz, sondern weiterhin ein moderner Produktions- und Entwicklungsstandort bleibt.

Neuer Name und Führungswechsel stehen noch aus

Mit dem Abschluss der Transaktion soll BASF Coatings zu einem eigenständigen Coatings-Unternehmen werden. Der künftige Name und das neue Logo sind bislang nicht öffentlich bekannt. Klar ist nur, dass der bisherige Name BASF Coatings nach dem Eigentümerwechsel ersetzt werden soll.

Auch die Führung wird neu geordnet. Jens Lühring soll nach Abschluss der Transaktion Chief Executive Officer werden. Dr. Uta Holzenkamp, die BASF Coatings seit 2022 führt, bleibt bis zum Closing im Amt und soll anschließend den Übergang unterstützen. Damit sind zentrale Weichen gestellt. Offen bleibt, wann BASF und Carlyle den Vollzug melden und unter welchem Namen der Standort Münster-Hiltrup künftig weltweit auftreten wird.

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