Infantino gerät während der WM 2026 in Erklärungsnot

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Beschwerde gegen FIFA-Präsident erhält politische Unterstützung

FIFA-Präsident Gianni Infantino steht während der laufenden Weltmeisterschaft 2026 erneut im Fokus. Der aktuelle Anlass ist die Unterstützung von 50 Mitgliedern des Europäischen Parlaments für eine Beschwerde gegen ihn bei der FIFA-Ethikkommission. Die Organisation FairSquare hatte die Beschwerde bereits im Dezember 2025 eingereicht. Sie richtet sich gegen die Vergabe des neu geschaffenen FIFA-Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump und gegen öffentliche Aussagen Infantinos im politischen Umfeld. Die Abgeordneten fordern die Ethikkommission auf, die Vorwürfe zügig zu prüfen. Eine unabhängige Entscheidung der FIFA-Ethikkommission lag zunächst nicht vor.

Friedenspreis für Trump bleibt der Kern der Kritik

Offiziell bestätigt ist, dass Infantino Donald Trump den ersten FIFA Peace Prize, Football Unites the World am 5. Dezember 2025 bei der Auslosung zur WM 2026 in Washington überreichte. Die FIFA begründete die Auszeichnung mit Trumps angeblichen Beiträgen zu Frieden und Einheit. Kritiker sehen darin eine politische Positionierung des Weltverbands. Die norwegische Fußballverbandspräsidentin Lise Klaveness forderte bereits im Frühjahr, die FIFA solle den Preis abschaffen. Sie verwies darauf, dass Auszeichnungen dieser Art politisch sensibel seien und klare unabhängige Verfahren bräuchten.

Norwegen unterstützt die Beschwerde offiziell

Der Norwegische Fußballverband stellte sich im Juni offiziell hinter die FairSquare-Beschwerde. Nach Angaben von Verbandspräsidentin Klaveness wurde ein entsprechendes Schreiben an die FIFA übermittelt. Darin geht es um die Frage, ob Infantino durch die Preisvergabe und begleitende Handlungen gegen Regeln zur politischen Neutralität verstoßen haben könnte. Reuters berichtete, dass die FIFA um eine Stellungnahme gebeten wurde. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass die Beschwerde existiert und von weiteren Akteuren unterstützt wird. Ob die Ethikkommission daraus ein formelles Verfahren mit Ergebnis ableitet, blieb zunächst offen.

Ticketpreise sorgen zusätzlich für Unmut

Parallel zur Governance-Debatte wächst die Kritik an der Preisgestaltung der WM 2026. Football Supporters Europe sprach bereits Ende 2025 von historisch hohen Preisen und rechnete vor, dass das Begleiten einer Mannschaft vom ersten Spiel bis ins Finale über Verbandskontingente mindestens 6.900 US-Dollar kosten könne. Der Verband kritisierte zudem, dass die günstigste Kategorie nicht in gleicher Weise über nationale Verbände verfügbar sei. Während der laufenden WM meldete Reuters, dass Tickets für das Achtelfinalspiel Mexiko gegen England auf der offiziellen FIFA-Resale-Plattform für Tausende Pfund wieder angeboten wurden. Die englische Football Supporters Association kritisierte dabei auch die Gebührenstruktur des Wiederverkaufs. FIFA verteidigte variable Preise zuvor mit marktüblichen Verfahren und dem Ziel, Nachfrage und Auslastung abzubilden.

Reiseplan des Präsidenten wird zur Umweltfrage

Auch Infantinos Reiseprogramm während der WM sorgt für Diskussionen. Die WM 2026 findet in den USA, Kanada und Mexiko statt, erstmals mit 48 Mannschaften und einem deutlich erweiterten Format. FIFA-Informationen zufolge umfasst das Turnier 12 Gruppen mit insgesamt 72 Gruppenspielen, danach folgt eine erweiterte K.o.-Phase. Der Guardian berichtete, Infantino habe versucht, möglichst häufig zwei Spiele pro Tag zu besuchen, und dafür Zugriff auf ein Privatflugzeug aus einer Qatar-Airways-Vereinbarung gehabt. Die WM erstreckt sich über große Entfernungen, vier Zeitzonen und 16 Stadien. Genau diese Dimension macht Reisen, Ticketkosten und Organisation zu zentralen Streitpunkten dieser Endrunde.

Infantino prägt die FIFA seit zehn Jahren

Infantino wurde am 26. Februar 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt und führt den Weltverband inzwischen seit mehr als zehn Jahren. Unter ihm wurden Turniere ausgeweitet, Einnahmemodelle verändert und neue Formate eingeführt. Die WM 2026 ist dabei ein Schlüsselprojekt seiner Präsidentschaft: größer, kommerzieller und geografisch breiter angelegt als frühere Endrunden. Gerade deshalb fallen die aktuellen Vorwürfe in eine sensible Phase. Sie betreffen nicht nur einzelne Entscheidungen, sondern die Frage, wie die FIFA unter Infantino politische Distanz, wirtschaftliche Interessen, Nachhaltigkeitsziele und die Rolle der Fans miteinander vereinbart.

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