
Die Bundesregierung will den schleppenden Ausbau intelligenter Stromzähler beschleunigen. Haushalte, für die bislang keine gesetzliche Smart-Meter-Pflicht gilt, sollen laut Beschluss des Koalitionsausschusses künftig ein kostengünstiges „Smart Meter Light“ erhalten können. Die neue Variante soll Verbrauchsdaten digital übertragen und den Zugang zu dynamischen Stromtarifen erleichtern. Viele technische, rechtliche und finanzielle Einzelheiten sind noch offen.
Der aktuelle Anlass ist ein Beschluss des Koalitionsausschusses von CDU, CSU und SPD vom 2. Juli 2026. Darin kündigt die Koalition ein Verteilnetzpaket an, das bis Ende 2026 auf den Weg gebracht werden soll. Neben schnelleren Genehmigungsverfahren und einer stärkeren Digitalisierung der Stromnetze enthält das Papier auch neue Ziele für den Einbau intelligenter Messsysteme.
Bis Ende 2030 sollen laut Koalitionsbeschluss mehr als 90 Prozent der relevanten Messstellen ausgestattet sein. Für Kunden, die nicht unter den verpflichtenden Rollout fallen, soll ein kostengünstiges und cybersicheres Smart Meter Light geschaffen werden. Einen konkreten Einführungstermin nennt das Papier laut Bundesregierung.de nicht.
Eine verbindliche technische oder gesetzliche Definition gibt es bislang nicht. „Smart Meter Light“ ist derzeit vor allem ein politischer Arbeitsbegriff für einen einfacheren, günstigeren Zähler, der Verbrauchsdaten digital übertragen kann. Denkbar ist ein Gerät mit reduziertem Funktionsumfang gegenüber einem vollständigen intelligenten Messsystem.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur greift die Einbaupflicht bislang unter anderem bei Haushalten mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden, bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen oder Wallboxen sowie bei Betreibern von Erneuerbaren-Energien- und KWK-Anlagen mit mehr als sieben Kilowatt Leistung. Bei kleineren Anlagen und Haushalten unter 6.000 Kilowattstunden ist der Einbau eines vollständigen Systems bisher grundsätzlich optional. Noch nicht geregelt ist, ob das Smart Meter Light flächendeckend eingebaut, nur auf Kundenwunsch angeboten oder den Messstellenbetreibern freigestellt wird.
Deutschland verfügt zwar bereits über viele digitale Stromzähler, diese sind aber häufig nicht mit einem Kommunikationsmodul verbunden. Ende 2025 waren nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 30,39 Millionen moderne Messeinrichtungen installiert. Das entsprach 53,8 Prozent aller Messstellen. Vollständige intelligente Messsysteme waren dagegen deutlich seltener verbaut. Ein einfacheres Smart Meter Light könnte laut Koalitionsbeschluss den Zugang zu dynamischen Stromtarifen für mehr Haushalte öffnen.
Die Bundesregierung verlangt ausdrücklich, dass das Smart Meter Light cybersicher sein muss. Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) warnt jedoch, dass auch eine Light-Variante standardisiert, geprüft und in bestehende Marktprozesse integriert werden müsste. Bleibt die bestehende Smart-Meter-Gateway-Architektur erhalten, bleiben laut FfE bewährte Sicherheitsmechanismen weitgehend erhalten. Wird dagegen ein System ohne Gateway zugelassen, müssten neue verbindliche Sicherheitsprofile und Zugriffsregeln geschaffen werden.
Fest steht bislang nur die Richtung: Haushalte ohne gesetzliche Einbaupflicht sollen eine einfachere und günstigere Möglichkeit erhalten, Verbrauchsdaten digital zu übertragen und dynamische Stromtarife zu nutzen. Festgelegt sind weder das konkrete Gerät noch der Preis oder ein Starttermin. Entscheidend wird sein, ob die Bundesregierung eine neue Zählerarchitektur zulässt oder die bestehende Technik durch gemeinsam genutzte Smart Meter Gateways günstiger macht.
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