
Die ARD stellt ihre Nahost-Berichterstattung personell neu auf: Sophie von der Tann verlässt Ende Juli 2026 das ARD-Studio Tel Aviv und kehrt nach Deutschland zurück. Die prominente Auslandskorrespondentin nimmt jedoch keinen Abschied von der ARD. Vielmehr endet ihre auf fünf Jahre angelegte Entsendung turnusgemäß. Bei ihrem Heimatsender, dem Bayerischen Rundfunk, soll sie künftig neue multimediale Formate zu internationalen Themen entwickeln. Ihre Nachfolge in Tel Aviv übernimmt Pia Steckelbach.
Sophie von der Tann hatte ihre Arbeit als Korrespondentin im ARD-Studio Tel Aviv im August 2021 aufgenommen. Ihr Berichtsgebiet umfasste Israel sowie die palästinensischen Gebiete mit dem Westjordanland und dem Gazastreifen. Nach fünf Jahren endet dieser Auslandsaufenthalt planmäßig zum Ende Juli 2026.
Anzeichen für einen erzwungenen Rückzug, einen Wechsel zu einem anderen Sender, private Rückzugsgründe oder einen Abschied aus dem Journalismus gibt es nicht. Damit ist auch die mögliche Schlagzeile „ARD-Korrespondentin verlässt die ARD“ irreführend. Von der Tann verlässt ihren bisherigen Auslandsposten, bleibt aber Mitarbeiterin des Bayerischen Rundfunks und damit Teil des öffentlich-rechtlichen Senderverbunds.
Der Bayerische Rundfunk plant bereits ihre nächste Aufgabe. Neue Auslandsformate mit Sophie von der Tann befinden sich in der Planungs- und Entwicklungsphase. Die Journalistin soll weiterhin internationale Themen erklären und dabei verstärkt digitale Angebote und soziale Netzwerke nutzen. Ihr Instagram-Kanal, auf dem sie Einblicke in die Arbeit einer Auslandskorrespondentin gibt, hat nach Angaben des Senders inzwischen mehr als 200.000 Abonnenten.
Besonders bekannt wurde Sophie von der Tann durch ihre Berichterstattung nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und während des anschließenden Krieges im Gazastreifen. Für ihre Arbeit erhielt sie mehrere wichtige Auszeichnungen. 2024 wurde sie mit dem Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises und dem Blauen Panther geehrt. Im Jahr 2025 folgte der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis.
Von der Tann verwies anlässlich ihres Abschieds besonders auf die Bedeutung der lokalen Mitarbeiter im ARD-Studio. Ohne deren Kenntnisse, Kontakte und Arbeit sei eine Berichterstattung aus Israel, dem Westjordanland und dem Gazastreifen nicht möglich. Zugleich erklärte sie, dass sie sich auf neue multimediale Formate zu Auslandsthemen freue. Spekulationen über einen unfreiwilligen Abschied oder einen Zusammenhang mit Kritik an ihrer Berichterstattung wurden vom BR nicht bestätigt. Offiziell handelt es sich ausschließlich um einen turnusmäßigen Personalwechsel.
Sophie von der Tann studierte Theologie, Orientalistik und Politikwissenschaft in Bonn und Jerusalem. Bevor sie nach Tel Aviv wechselte, arbeitete sie unter anderem für das Bayerische Fernsehen und die „News-WG“ von funk. Ihr Wechsel ins ARD-Studio Tel Aviv im Sommer 2021 markierte den Sprung in eine der anspruchsvollsten Auslandspositionen der ARD.
Die Nachfolge im ARD-Studio Tel Aviv ist bereits geregelt. Pia Steckelbach übernimmt die Korrespondentenstelle zum 1. September 2026. Eine längere Einarbeitung ist nicht erforderlich, denn Steckelbach arbeitet bereits seit Herbst 2023 für das Studio. Sie übernahm dort Recherchen, Interviews, eigene Beiträge und Live-Schalten für unterschiedliche ARD-Formate.
Steckelbach lebt seit mehr als sechs Jahren in Israel und spricht nach Angaben des BR fließend Hebräisch und Arabisch. Vor ihrem Wechsel zur ARD arbeitete sie zwei Jahre lang als Korrespondentin für den internationalen Nachrichtensender i24NEWS in Tel Aviv. Sie studierte Geschichte sowie Jiddische Kultur, Sprache und Literatur in Düsseldorf. Anschließend absolvierte sie ein Studium der Middle Eastern Studies in Tel Aviv. 2025 wurde sie vom Medium Magazin in die Auswahl der Top 30 Nachwuchsjournalisten unter 30 Jahren aufgenommen.
Steckelbach bringt aus Sicht des Bayerischen Rundfunks mit ihrer Erfahrung, ihren Sprachkenntnissen und ihrer bisherigen Arbeit im Studio alle Voraussetzungen für die anspruchsvolle Aufgabe mit. Der Wechsel markiert deshalb keinen vollständigen Bruch, sondern eine geplante Übergabe innerhalb des bestehenden Teams.
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