
SAP hat mit seinen Zahlen für das zweite Quartal 2026 eine deutliche Reaktion an der Börse ausgelöst. Besonders der überraschend kräftige Anstieg des Cloud-Auftragsbestands sorgte am Freitag, 24. Juli, für Nachfrage nach der Aktie. Das Papier des Walldorfer Softwarekonzerns gewann im Xetra-Handel mehr als neun Prozent und war damit der mit Abstand stärkste Wert im DAX.
Die am späten Donnerstagabend veröffentlichten SAP-Quartalszahlen 2026 zeigen steigende Erlöse, ein wachsendes Cloud-Geschäft und einen höheren Gewinn. Gleichzeitig passte der Konzern sein Ziel für das bereinigte Betriebsergebnis leicht nach unten an. Grund dafür sind nach Unternehmensangaben Belastungen durch zwei Übernahmen.
SAP veröffentlichte die Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 am Donnerstag, 23. Juli, nach dem europäischen Börsenschluss. Der Berichtszeitraum endete am 30. Juni 2026.
Der Konzernumsatz erreichte im zweiten Quartal 9,878 Milliarden Euro. Das waren neun Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Wechselkurseffekte betrug das Wachstum elf Prozent. Im zweiten Quartal 2025 hatte SAP Erlöse von 9,027 Milliarden Euro ausgewiesen.
Das Geschäft mit klassischen Softwarelizenzen verlor weiter an Bedeutung. Die entsprechenden Erlöse lagen mit 2,439 Milliarden Euro acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Diese Entwicklung spiegelt den langfristigen Wechsel der Kunden von lokal betriebenen Programmen zu Cloud-Abonnements wider.
Der Cloud-Umsatz erhöhte sich um 22 Prozent auf 6,281 Milliarden Euro. Bei konstanten Wechselkursen erreichte SAP ein Plus von 24 Prozent. Der Umsatz der sogenannten Cloud ERP Suite wuchs um 25 Prozent auf 5,525 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt lag das Wachstum bei 27 Prozent.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der aktuelle Cloud-Auftragsbestand. Diese Kennzahl umfasst vertraglich zugesicherte Cloud-Erlöse, die SAP nach eigenen Angaben innerhalb der kommenden zwölf Monate erwartet. Der Bestand stieg von 18,052 Milliarden Euro auf 22,929 Milliarden Euro. Das entsprach einem nominalen Wachstum von 27 Prozent und einem wechselkursbereinigten Plus von 26 Prozent.
Das Wachstum fiel damit stärker aus, als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Vor der Veröffentlichung hatten Analystenschätzungen für den währungsbereinigten Wert ein Wachstum von rund 24 Prozent vorgesehen. Die Zahlen signalisierten daher, dass die Nachfrage nach den Cloud-Angeboten trotz eines wirtschaftlich und geopolitisch schwierigen Umfelds hoch blieb.
Das nach internationalen Rechnungslegungsregeln ausgewiesene Betriebsergebnis stieg um acht Prozent auf 2,643 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal waren es 2,456 Milliarden Euro gewesen. Die operative Marge sank allerdings leicht von 27,2 auf 26,8 Prozent.
Auf bereinigter Basis erreichte SAP ein Betriebsergebnis von 2,743 Milliarden Euro. Das waren sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor und neun Prozent mehr bei konstanten Wechselkursen. Das Ergebnis lag damit unter einigen Markterwartungen, während Umsatz und Cloud-Auftragsbestand positiv überraschten.
Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich kräftiger. Er stieg um 26 Prozent von 1,749 Milliarden Euro auf 2,209 Milliarden Euro. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie verbesserte sich von 1,45 Euro auf 1,89 Euro. Bereinigt lag der Quartalsgewinn bei 1,828 Milliarden Euro und damit fünf Prozent über dem Vorjahreswert. Auch der freie Mittelzufluss nahm um 27 Prozent auf rund 3,0 Milliarden Euro zu.
Die Börse konzentrierte sich vor allem auf den kräftigen Cloud-Auftragsbestand. Die SAP-Aktie stieg am Freitag zeitweise um rund zehn Prozent. Zum Xetra-Handelsschluss belief sich der Tagesgewinn auf gut neun Prozent. Damit machte das Papier einen Teil der deutlichen Verluste wett, die es seit Jahresbeginn angesammelt hatte.
Der Kursanstieg wirkte sich wegen des hohen Gewichts von SAP unmittelbar auf den deutschen Leitindex aus. Der DAX legte am Freitag deutlich zu. SAP war der stärkste Einzelwert und lieferte einen wesentlichen Beitrag zur Erholung des Index. Auch der europäische Technologiesektor profitierte von der Kursbewegung und gewann rund 1,7 Prozent.
SAP gehört zu den größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Entsprechend stark können größere Bewegungen der Aktie den DAX beeinflussen. Ein Kursplus von rund zehn Prozent bei einem Schwergewicht hat für den Index eine deutlich größere Bedeutung als eine vergleichbare Bewegung bei einem kleineren Mitglied.
SAP hält an den wichtigsten Umsatzzielen für das Gesamtjahr 2026 fest. Der Cloud-Umsatz soll bei konstanten Wechselkursen zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro erreichen. Das entspräche einem Wachstum von 23 bis 25 Prozent. Für den gemeinsamen Umsatz aus Cloud und Software erwartet der Konzern weiterhin 36,3 bis 36,8 Milliarden Euro.
Beim bereinigten Betriebsergebnis nahm SAP eine leichte Korrektur vor. Erwartet werden nun 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Spanne bei 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro gelegen. SAP begründete die Anpassung mit den im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs. Diese sollen das Ergebnis im laufenden Jahr mit mehr als 100 Millionen Euro belasten.
Der erwartete Free Cashflow bleibt bei etwa zehn Milliarden Euro. Beim wechselkursbereinigten Wachstum des aktuellen Cloud-Auftragsbestands rechnet SAP im Jahresverlauf weiterhin mit einer leichten Verlangsamung. Die Prognose beruht außerdem auf der Annahme, dass sich der Konflikt im Nahen Osten kurzfristig abschwächt.
Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle. SAP integriert KI-Funktionen direkt in Unternehmensanwendungen für Finanzen, Personal, Einkauf und Lieferketten. Nach Medienberichten enthielten im zweiten Quartal mehr als 90 Prozent der 50 größten abgeschlossenen Verträge Komponenten aus dem Bereich Business AI. SAP positioniert seine KI-Angebote damit nicht als separates Verbraucherprodukt, sondern als Bestandteil seiner Cloud-Plattform und bestehender Geschäftsprozesse.
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