Die Amazon- und Apple-Aktien nach den Quartalszahlen haben am Freitag gezeigt, wie unterschiedlich Anleger derzeit auf die Bilanzen großer Technologiekonzerne reagieren. Amazon überzeugte mit einem überraschend starken Wachstum seiner Cloud-Sparte AWS und legte an der Börse zeitweise zweistellig zu. Apple meldete zwar höhere Umsätze und Gewinne, geriet aber wegen eines vorsichtigen Ausblicks, Lieferengpässen und einer schwächeren Entwicklung im Dienstleistungsgeschäft deutlich unter Druck.
Amazon steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn erhöhte sich von 18,2 Milliarden auf 62,6 Milliarden Dollar. Das Ergebnis wurde allerdings stark durch einen nicht operativen Vorsteuergewinn von 53,4 Milliarden Dollar beeinflusst, der vor allem auf die Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic zurückging.
Das operative Ergebnis, das die laufende Geschäftsentwicklung besser abbildet, stieg um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar. Besonders stark entwickelte sich erneut Amazon Web Services. Der Umsatz der Cloud-Sparte wuchs um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar. Es war das höchste Wachstum von AWS seit 18 Quartalen und lag deutlich über der von Analysten erwarteten Steigerung von rund 31 Prozent.
AWS erzielte einen operativen Gewinn von 16,6 Milliarden Dollar nach 10,2 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Damit lieferte die Sparte erneut den größten Beitrag zum operativen Ergebnis des Gesamtkonzerns. Der Auftragsbestand von AWS erhöhte sich innerhalb eines Quartals von 364 Milliarden auf 496 Milliarden Dollar.
Amazon-Chef Andy Jassy erklärte, das AWS-Geschäft entwickele sich außerordentlich stark. Sowohl das Geschäft mit KI-Anwendungen als auch Amazons Geschäft mit eigenen Chips hätten inzwischen jeweils einen annualisierten Umsatz von mehr als 25 Milliarden Dollar erreicht.
Trotz der massiven Investitionen könne Amazon derzeit nicht genügend Rechenkapazität bereitstellen, um die gesamte Nachfrage zu bedienen. Der Konzern erhöhte deshalb seine Prognose für die Investitionsausgaben im Gesamtjahr um zehn Prozent auf rund 220 Milliarden Dollar. Nach Angaben Jassys ist ein großer Teil der für 2027 geplanten AWS-Kapazitäten bereits von Kunden reserviert. Auch für 2028 bestehen demnach erste längerfristige Buchungen.
Die Amazon-Aktie hatte bereits am Donnerstag im regulären Handel um 3,9 Prozent zugelegt. Nach Vorlage der Zahlen stieg sie nachbörslich um knapp neun Prozent. Am Freitag beschleunigte sich die Bewegung. Gegen 18.45 Uhr deutscher Zeit notierte das Papier bei rund 270,71 Dollar und damit etwa 15 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages.
Apple erzielte im dritten Geschäftsquartal, das am 27. Juni endete, einen Umsatz von 109,4 Milliarden Dollar. Das entsprach einem Anstieg von 16 Prozent. Der Nettogewinn erhöhte sich um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie erreichte 2,02 Dollar und lag damit ebenfalls über den Markterwartungen.
Konzernchef Tim Cook sprach vom stärksten Juni-Quartal in der Geschichte des Unternehmens. Apple verzeichnete nach eigenen Angaben zweistellige Zuwächse bei iPhone, Mac und Dienstleistungen sowie in allen geografischen Regionen. Der Umsatz mit Dienstleistungen erreichte mit 30,74 Milliarden Dollar einen Rekord für ein Juni-Quartal. Analysten hatten jedoch mit etwa 31,22 Milliarden Dollar gerechnet.
Gerade diese Abweichung fiel an der Börse stark ins Gewicht. Das Servicegeschäft mit App Store, iCloud, Apple Music, Apple TV und weiteren Abonnements gilt als besonders profitabel und verlässlich. Eine Verlangsamung in diesem Bereich kann deshalb trotz steigender Hardwareverkäufe Zweifel an der weiteren Ergebnisdynamik auslösen.
Für das laufende September-Quartal stellte Apple ein Umsatzwachstum von neun bis elf Prozent in Aussicht. Analysten hatten mit ungefähr zwölf Prozent gerechnet. Apple verwies unter anderem auf Wechselkurseffekte und erhebliche Engpässe bei Speicherchips und Prozessoren.
Cook bezeichnete die Lieferprobleme als sehr bedeutend und räumte ein, dass die Möglichkeiten zur kurzfristigen Entlastung begrenzt seien. Der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren erhöht die Nachfrage nach leistungsfähigen Chips und Speicherkomponenten. Dadurch steigen Preise und Lieferzeiten auch für Hersteller von Smartphones und Computern.
Die Apple-Aktie verlor nachbörslich zeitweise mehr als acht Prozent. Am Freitag lag sie gegen 18.45 Uhr deutscher Zeit bei etwa 300,47 Dollar. Das entsprach einem Tagesverlust von rund 9,9 Prozent. Analysten bewerteten vor allem die Kombination aus Lieferengpässen, dem langsameren Servicewachstum und bislang schwer messbaren Erlösen aus Apples KI-Angeboten kritisch. Mehrere Häuser senkten ihre Kursziele, während andere die starke Nachfrage nach iPhones und Macs weiterhin positiv bewerteten.
Der Gegensatz zwischen beiden Kursreaktionen verdeutlicht einen Wandel am Markt. Hohe Investitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur werden nicht mehr allein wegen langfristiger Wachstumsversprechen honoriert. Anleger erwarten zunehmend konkrete Belege, dass die Ausgaben zusätzliche Umsätze, Aufträge und Gewinne erzeugen.
Amazon konnte diese Verbindung mit dem beschleunigten AWS-Wachstum, steigenden Cloud-Gewinnen und einem stark gewachsenen Auftragsbestand herstellen. Bei Apple blieb dagegen offen, wie schnell neue KI-Funktionen zu zusätzlichen Geräteverkäufen oder Serviceerlösen führen. Starke Quartalszahlen allein reichten deshalb nicht aus, um den vorsichtigeren Ausblick auszugleichen.
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