Die Rally europäischer Halbleiterwerte hat am Freitag vor allem Infineon und Aixtron kräftige Kursgewinne beschert. Die Infineon-Aktie stieg zeitweise um rund sechs Prozent, während Aixtron in der Spitze fast zehn Prozent gewann. Auch ASML, ASM International, STMicroelectronics und Soitec zogen zunächst deutlich an. Anleger setzten nach den starken Schwankungen der vergangenen Tage wieder verstärkt auf Unternehmen, die vom Ausbau von Rechenzentren, Speicherchip-Fabriken und künstlicher Intelligenz profitieren können.
Infineon erreichte im Tagesverlauf einen Höchstkurs von gut 64 Euro. Am Handelsende auf Xetra standen etwa 61,90 Euro auf der Kurstafel, ein Plus von knapp vier Prozent gegenüber dem Vortag. Die zeitweise gemeldeten Kursgewinne von rund sechs Prozent bezogen sich damit auf den Vormittag und nicht auf den Schlussstand.
Seit Jahresbeginn hat die Infineon-Aktie trotz zwischenzeitlich heftiger Rückschläge rund 64 Prozent gewonnen. Unterstützt wird die Bewertung durch die Erwartung, dass der Konzern zunehmend vom hohen Energiebedarf moderner KI-Rechenzentren profitiert. Infineon liefert Leistungshalbleiter, die den Strom von der Netzanbindung bis zu den Prozessoren und Beschleunigerchips umwandeln und steuern.
Im zweiten Geschäftsquartal erzielte Infineon einen Umsatz von 3,812 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis lag bei 653 Millionen Euro, was einer Marge von 17,1 Prozent entsprach. Für das dritte Quartal stellte der Konzern rund 4,1 Milliarden Euro Umsatz und eine Segmentergebnismarge im hohen Zehnprozentbereich in Aussicht.
Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit Stromversorgungslösungen für KI-Anwendungen. Infineon rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz aus diesem Bereich. Im folgenden Geschäftsjahr sollen daraus etwa 2,5 Milliarden Euro werden. Gleichzeitig zeigte sich auch der Auftragseingang aus der lange schwachen Automobilbranche zuletzt verbessert.
Analysten beurteilen die Aktie mehrheitlich positiv. Der veröffentlichte Durchschnitt der Kursziele liegt bei rund 87 Euro. Die Spanne ist allerdings groß und hängt wesentlich davon ab, ob sich die Erholung im Automobilgeschäft fortsetzt und die Investitionen in KI-Infrastruktur tatsächlich in der erwarteten Größenordnung umgesetzt werden.
Noch stärker fiel die Bewegung bei Aixtron aus. Die Aktie erreichte zeitweise rund 38,70 Euro und lag damit fast zehn Prozent über dem Vortagesschluss. Später wurden Gewinne abgegeben. Zum Handelsende notierte das Papier bei ungefähr 36,40 Euro, was einem Tagesplus von knapp sechs Prozent entsprach.
Im bisherigen Jahresverlauf gehört Aixtron mit einem Kursanstieg von mehr als 100 Prozent zu den stärksten deutschen Technologiewerten. Der Kurs war zuvor allerdings über mehrere Handelstage deutlich gefallen. Ein Teil des Freitagsanstiegs war deshalb eine Gegenbewegung nach dem jüngsten Ausverkauf.
Operativ fällt das Bild differenziert aus. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 174,5 Millionen Euro. Im zweiten Quartal erreichte Aixtron 115,1 Millionen Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis von 14,7 Millionen Euro. Die EBIT-Marge verbesserte sich gegenüber dem verlustreichen ersten Quartal auf 13 Prozent.
Den entscheidenden positiven Impuls liefert die Auftragslage. Aixtron verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Anlagen für Optoelektronik, darunter Produktionssysteme für Laser und andere lichtbasierte Halbleiter. Bereits im ersten Quartal war der Auftragseingang um rund 30 Prozent auf 171,4 Millionen Euro gestiegen. Mehrere Kunden bestellten dabei jeweils mehrere Anlagen.
Für 2026 erwartet Aixtron weiterhin rund 560 Millionen Euro Umsatz, wobei eine Abweichung von 30 Millionen Euro nach oben oder unten möglich ist. Die EBIT-Marge soll zwischen 17 und 20 Prozent liegen. Jefferies hatte das Kursziel zuletzt auf 35 Euro gesenkt, die Kaufempfehlung jedoch beibehalten. Nach dem starken Jahresanstieg liegt der Börsenkurs inzwischen über diesem Ziel.
ASML gewann am Vormittag zeitweise knapp drei Prozent. Im späteren Handel drehte die Aktie jedoch ins Minus und schloss in Amsterdam bei rund 1.434 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt der Kursgewinn trotz der jüngsten Schwankungen etwa 50 Prozent.
Der niederländische Konzern erzielte im zweiten Quartal 9,3 Milliarden Euro Umsatz und 2,9 Milliarden Euro Nettogewinn. Für das Gesamtjahr wurde die Umsatzprognose auf 43 bis 45 Milliarden Euro angehoben. Im dritten Quartal sollen bereits 11 bis 12 Milliarden Euro umgesetzt werden.
ASML ist der weltweit einzige Anbieter der besonders komplexen EUV-Lithografiesysteme, mit denen die leistungsfähigsten Prozessoren und Speicherchips gefertigt werden. Die hohen Investitionen in KI-Chips und High-Bandwidth-Memory erhöhen deshalb mittelbar die Nachfrage nach den Anlagen des Konzerns. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei etwa 2.000 Euro.
Auslöser der Rally war vor allem eine internationale Gegenbewegung bei Technologiewerten. Zuvor hatten Sorgen über hohe Bewertungen, chinesische Konkurrenz und die langfristige Finanzierung milliardenschwerer KI-Rechenzentren die Branche belastet. Am Freitag rückten dagegen die geplanten Investitionen großer Technologiekonzerne und der steigende Bedarf an Speicherchips wieder in den Vordergrund.
Die Entwicklung zeigt zugleich, wie unterschiedlich der aktuelle Chipzyklus verläuft. KI-Beschleuniger, moderne Speicherbausteine und Rechenzentrumstechnik wachsen stark. Klassische Industrie-, Automobil- und Konsumelektronikmärkte erholen sich dagegen teilweise nur langsam. Davon profitieren ASML, Infineon und Aixtron in unterschiedlichem Umfang.
Dieser Text stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sämtliche Kursangaben sind Momentaufnahmen vom 31. Juli 2026 und können sich jederzeit verändern.
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