US-Renditen steigen deutlich und erhöhen den Druck auf Aktien

Deutschland Steuerlast OECD Platz 2 Steuerkeil
Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

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Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist am Freitag zeitweise auf 4,727 Prozent gestiegen. Das waren 6,35 Basispunkte mehr als am Vortag und der höchste Stand seit Januar 2025. Auslöser waren neue Forderungen mehrerer Vertreter der US-Notenbank nach höheren Leitzinsen. Der Renditeanstieg verschärft den Druck auf hoch bewertete Aktien und verteuert tendenziell Kredite. Zugleich werden festverzinsliche Anlagen für Sparer und institutionelle Investoren interessanter.

Drei Fed-Vertreter fordern höhere Zinsen

Die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, Beth Hammack, der Präsident der Minneapolis Fed, Neel Kashkari, und die Präsidentin der Dallas Fed, Lorie Logan, sprachen sich am Freitag, 31. Juli, öffentlich für eine straffere Geldpolitik aus. Alle drei hatten bereits bei der Fed-Sitzung am Mittwoch gegen den Mehrheitsbeschluss gestimmt und eine Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte verlangt.

Hammack erklärte, die aktuelle Geldpolitik sei aus ihrer Sicht nicht ausreichend restriktiv, um den Preisauftrieb verlässlich zu bremsen. Kashkari hielt sogar eine Reihe kleiner Zinsschritte für möglich, falls die Inflation erhöht bleibt. Logan argumentierte, eine moderate Straffung in naher Zukunft könne das Risiko deutlich stärkerer Eingriffe zu einem späteren Zeitpunkt verringern.

Fed hält Leitzins vorerst unverändert

Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve hatte den Zielkorridor für den Tagesgeldsatz am 29. Juli mit neun zu drei Stimmen bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Die Notenbank verwies auf eine weiterhin solide wirtschaftliche Entwicklung und einen stabilen Arbeitsmarkt. Gleichzeitig liege die Inflation noch immer oberhalb des langfristigen Ziels von zwei Prozent. Zusätzlichen Preisdruck erzeugen unter anderem höhere Energiekosten und weitere Angebotsstörungen.

Die nächste reguläre Sitzung der Fed findet am 15. und 16. September 2026 statt. Nach den Äußerungen der drei abweichenden Notenbanker stieg die an den Terminmärkten ablesbare Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf rund 69 Prozent. Damit rechnet eine deutliche Mehrheit der Marktteilnehmer inzwischen mit einer erneuten Straffung.

Bundesanleihen bieten deutlich niedrigere Rendite

Auch am deutschen Anleihemarkt zogen die Renditen an, blieben aber deutlich unter dem amerikanischen Niveau. Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe lag am Freitag je nach Handelszeitpunkt bei rund 3,21 bis 3,23 Prozent. Der Abstand zur vergleichbaren US-Staatsanleihe betrug damit ungefähr 1,5 Prozentpunkte.

Die Differenz spiegelt unter anderem die unterschiedlichen Erwartungen an Inflation, Konjunktur und Geldpolitik wider. Während die Europäische Zentralbank ihren Einlagensatz zuletzt bei 2,40 Prozent hielt, diskutieren Anleger in den Vereinigten Staaten bereits wieder über weitere Zinserhöhungen. US-Anleihen bieten deshalb eine höhere laufende Verzinsung. Für internationale Anleger hängt ihre tatsächliche Rendite allerdings zusätzlich von der Entwicklung des Dollar-Wechselkurses ab.

Warum Anleihekurse bei steigenden Renditen fallen

Anleihekurse und Renditen bewegen sich grundsätzlich in entgegengesetzte Richtungen. Eine bereits ausgegebene Anleihe zahlt einen festgelegten Zins. Steigen die allgemeinen Marktzinsen, werden neu ausgegebene Papiere mit höherer Verzinsung attraktiver. Ältere Anleihen müssen deshalb im Kurs fallen, bis ihre effektive Rendite wieder mit dem aktuellen Marktniveau konkurrieren kann.

Ein vereinfachtes Beispiel: Eine Anleihe zahlt jährlich vier Euro Zinsen und kostet ursprünglich 100 Euro. Ihre laufende Verzinsung beträgt vier Prozent. Fällt ihr Börsenkurs auf 90 Euro, bleiben die jährlichen vier Euro unverändert. Bezogen auf den niedrigeren Kaufpreis steigt die Rendite jedoch auf rund 4,44 Prozent. Umgekehrt sinkt die Rendite, wenn der Kurs der Anleihe steigt.

Höhere Renditen belasten vor allem Wachstumsaktien

Steigende Anleiherenditen können Aktien aus zwei Gründen unter Druck setzen. Erstens erhalten Anleger mit Staatsanleihen eine vergleichsweise sichere Alternative, die wieder attraktive Erträge bietet. Zweitens steigt der Zinssatz, mit dem zukünftige Unternehmensgewinne auf ihren heutigen Wert abgezinst werden. Je höher dieser sogenannte Diskontsatz ausfällt, desto niedriger ist rechnerisch der heutige Wert weit in der Zukunft erwarteter Gewinne.

Besonders empfindlich reagieren deshalb Technologieunternehmen und andere Wachstumswerte mit hohen Bewertungen. Ihre Börsenkurse beruhen häufig stärker auf erwarteten Gewinnen der kommenden Jahre als auf aktuellen Erträgen. Unternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf müssen zudem höhere Zinskosten einkalkulieren, wenn sie neue Anleihen ausgeben oder Kredite aufnehmen.

Immobilienkredite und Sparzinsen reagieren unterschiedlich

Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen beeinflusst auch längerfristige Finanzierungskosten. In den Vereinigten Staaten orientieren sich Hypothekenzinsen stark an den Renditen länger laufender Staatsanleihen. Bleiben diese hoch, werden Hauskäufe und Anschlussfinanzierungen teurer. Das kann die Nachfrage nach Immobilien bremsen und die Belastung für Kreditnehmer erhöhen.

Auch in Deutschland wirken steigende Kapitalmarktzinsen mit Verzögerung auf Baufinanzierungen. Banken refinanzieren langfristige Immobilienkredite unter anderem über Pfandbriefe, deren Konditionen eng mit dem Anleihemarkt verbunden sind. Für Sparer können höhere Marktzinsen dagegen bessere Angebote bei Tagesgeld, Festgeld oder neu ausgegebenen Anleihen ermöglichen. Wie schnell Banken diese Entwicklung weitergeben, hängt jedoch vom Wettbewerb und ihrem eigenen Finanzierungsbedarf ab.

Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Renditen, Zinserwartungen und andere Marktdaten sind Momentaufnahmen und können sich kurzfristig deutlich verändern.

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