Öl bleibt teuer: Hormus-Risiken treiben Preise und Inflation

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Ölpreis wegen Iran-Konflikt bleibt zum Monatsende auf einem hohen Niveau. Am Freitagnachmittag kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent rund 90,17 US-Dollar. Das waren 1,3 Prozent mehr als am Vortag. Der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate stieg um 2,8 Prozent auf etwa 85,94 Dollar. Im gesamten Juli steuerten beide Referenzsorten auf einen Zuwachs von rund 24 Prozent zu. Damit verteuerte sich Rohöl innerhalb eines Monats deutlich, obwohl es zwischenzeitlich starke Rückgänge und Hoffnungen auf eine Entspannung gegeben hatte.

Tanker ändern ihre Route an der Straße von Hormus

Auslöser des jüngsten Preisanstiegs waren neue Unsicherheiten über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Nach iranischen Angaben stoppten die Revolutionsgarden zwei Tanker. Vier weitere Schiffe änderten daraufhin ihren Kurs. Die Darstellung zu den gestoppten Tankern stammte zunächst von einer iranischen Nachrichtenagentur. Unabhängig messbar war dagegen, dass der Verkehr durch die Meerenge weiterhin ungewöhnlich dünn blieb.

Schiffsdaten zeigten zugleich, dass zwei große Öltanker die Straße von Hormus am Freitag verlassen konnten. Eine vollständige Blockade bestand somit nicht. Die Märkte reagieren dennoch empfindlich, weil bereits einzelne Zwischenfälle zu Umleitungen, höheren Versicherungsprämien und Verzögerungen führen können.

Rund ein Viertel des Seeölhandels passiert die Meerenge

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Im Jahr 2025 wurden dort täglich knapp 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte transportiert. Das entsprach etwa einem Viertel des weltweiten Ölhandels über See. Besonders abhängig sind Iran, Irak, Kuwait, Katar und Bahrain. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen zwar über alternative Pipelines, deren zusätzliche Kapazität reicht jedoch nicht aus, um sämtliche Lieferungen durch die Meerenge zu ersetzen.

Weitere Risiken bestehen am Bab al-Mandab zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Am Donnerstag passierten 29 Frachtschiffe diese Route. Saudi-Arabien bemüht sich um eine regionale Sicherheitskooperation für das Rote Meer und den Golf von Aden.

Auch der Suezkanal rückt in den Blick

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Route über den Suezkanal, nachdem bei einem Drohnenangriff Feuer auf zwei Gastankschiffen im ägyptischen Hafen Damietta ausgebrochen war. Welche langfristigen Folgen der Vorfall für die Schifffahrt hat, war zunächst offen. Die Verbindung über das Rote Meer und den Suezkanal ist für Energieexporte und den Warenverkehr zwischen Asien und Europa von großer Bedeutung.

Unabhängig vom Nahen Osten sorgten Angriffe auf russische Raffinerien für zusätzlichen Druck auf den Markt für Diesel und andere Ölprodukte. Rohöl kann zeitweise ausreichend verfügbar sein, während Raffinerieausfälle und Transportprobleme dennoch zu Engpässen bei fertigen Kraftstoffen führen.

IEA und OPEC bewerten die Marktlage unterschiedlich

Die Internationale Energieagentur erwartete in ihrem Juli-Bericht für 2026 einen Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um eine Million Barrel pro Tag. Gleichzeitig lag die globale Förderung im Juni noch rund 9,4 Millionen Barrel täglich unter dem Niveau vor Beginn des Krieges. Die Prognose der Agentur setzt voraus, dass sich die Transporte durch die Straße von Hormus schrittweise normalisieren.

Die OPEC rechnet dagegen 2026 mit einem Nachfragewachstum von etwa 800.000 Barrel pro Tag und 2027 mit einem Plus von 1,9 Millionen Barrel. Die unterschiedlichen Prognosen zeigen, wie stark der Ausblick von Annahmen über Konjunktur, Transportwege und Produktionsausfälle abhängt.

Analysten sehen hohe Risiken, aber keinen sicheren Anstieg

Eine Umfrage unter 31 Analysten und Ökonomen ergab für Brent im Gesamtjahr 2026 einen erwarteten Durchschnittspreis von 85,22 Dollar je Barrel. Im Vormonat hatte die Prognose bei 84,50 Dollar gelegen. Die Erwartung wurde somit angehoben, liegt aber unter dem aktuellen Marktpreis von rund 90 Dollar.

Ein dauerhaft höheres Niveau wäre vor allem bei längeren Unterbrechungen an der Straße von Hormus oder im Roten Meer denkbar. Eine bessere Durchfahrt und diplomatische Fortschritte könnten den Risikoaufschlag dagegen rasch verringern. Die starken Schwankungen im Juli zeigen, dass einzelne Meldungen derzeit erhebliche Preisbewegungen auslösen können.

Benzin, Diesel und Heizöl bleiben in Deutschland teuer

In Deutschland kostete Super E10 nach der jüngsten ADAC-Auswertung durchschnittlich 2,139 Euro je Liter. Diesel lag bei 2,190 Euro. Während Benzin innerhalb einer Woche 0,7 Cent günstiger wurde, verteuerte sich Diesel um 2,2 Cent. Der ADAC bewertete das Preisniveau gemessen an der zeitweisen Entspannung beim Rohöl als zu hoch.

Der bundesweite Durchschnittspreis für Heizöl lag am Freitag bei rund 134,25 Euro je 100 Liter, bezogen auf eine typische Abnahmemenge. Das waren 0,11 Prozent mehr als am Vortag. Neben dem Rohölpreis beeinflussen Raffineriekapazitäten, Transportkosten, Wechselkurs, Steuern und regionale Lieferbedingungen die Verbraucherpreise.

Höhere Energiepreise verändern die Zinserwartungen

Teures Öl verteuert unmittelbar Kraftstoffe und Heizenergie. Über Transport-, Produktions- und Logistikkosten kann es außerdem auf weitere Waren und Dienstleistungen durchschlagen. Die Inflationsrate im Euroraum stieg im Juli auf 2,9 Prozent, nach 2,8 Prozent im Juni. Die Energiepreise gehörten zu den wesentlichen Treibern.

An den Finanzmärkten verstärkte dies die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik erneut straffen könnte. Höhere Zinsen belasten besonders Unternehmen, deren Bewertung stark von künftigen Gewinnen abhängt, sowie hoch verschuldete und zinssensible Branchen. Ob aus dem Energiepreisschub ein länger anhaltender Inflationsdruck entsteht, hängt auch davon ab, ob Unternehmen höhere Kosten weitergeben und Löhne entsprechend reagieren.

Dieser Text stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rohstoffen dar. Sämtliche Preisangaben sind Momentaufnahmen und können sich während des Handels kurzfristig verändern.

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