
Ahaus. Eine FDP-Anfrage zu den Castor-Transporten nach Ahaus zeigt einen deutlichen Rückgang beim Polizeieinsatz. Nach Angaben der NRW-Landesregierung sank die Zahl der eingesetzten Kräfte von rund 2.700 im März auf etwa 400 im Juli.
Die Kleine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Marcel Hafke zielte vor allem auf die personelle Belastung der Polizei. Eine ausdrückliche Frage zur Sicherheit der Transporte stellte Hafke nicht. Die veröffentlichten Zahlen werden inzwischen jedoch von Atomkraftgegnern kritisiert. Sie befürchten, dass der geringere Personaleinsatz Risiken mit sich bringen könnte. Eine behördliche Bestätigung dafür liegt nicht vor.
Die Landesregierung nennt in ihrer Antwort Zahlen zu sechs Castor-Einsätzen. Am 24. März waren demnach etwa 2.700 Kräfte beteiligt. Beim zweiten Einsatz am 21. April waren es rund 2.200. Für den 5. Mai nennt das Innenministerium ungefähr 1.200 Kräfte, für den 20. Mai etwa 1.100. Im Juli fiel das Aufgebot nochmals kleiner aus. Am 7. Juli waren nach Angaben der Landesregierung rund 500 Kräfte eingesetzt. Einen Tag später waren es etwa 400. Damit lag die gemeldete Zahl beim sechsten aufgeführten Einsatz rund 85 Prozent unter dem Wert vom März.
Einen einzelnen Grund für diesen Rückgang nennt das Innenministerium nicht. Es erklärt jedoch, dass die Kreispolizeibehörde Münster jeden Einsatz anhand der konkreten Lage plane. Dabei würden Erfahrungen aus vorherigen Einsätzen und aktuelle Erkenntnisse berücksichtigt. Eine Prognose für den gesamten Personalbedarf der noch ausstehenden Transporte sei deshalb nicht möglich. Auch zur Zahl der bislang entstandenen Mehrarbeitsstunden macht die Landesregierung keine Angaben. Dafür wäre nach Darstellung des Ministeriums eine personenbezogene und manuelle Auswertung bei allen Kreispolizeibehörden notwendig. Diese sei innerhalb der Frist für die Beantwortung der Anfrage nicht mit vertretbarem Verwaltungsaufwand möglich gewesen.
Marcel Hafke hatte die Kleine Anfrage am 17. Juni 2026 gestellt. Als Hintergrund nannte der FDP-Abgeordnete die große Zahl eingesetzter Kräfte bei den ersten Transporten. Außerdem verwies er auf Warnungen der Gewerkschaft der Polizei vor einer erheblichen personellen Belastung und einer langfristigen Bindung von Einsatzkräften. Hafke wollte wissen, wie viele Kräfte bei den bisherigen Transporten eingesetzt wurden und wie viele Mehrarbeitsstunden anfielen. Außerdem fragte er, welcher Personalbedarf für die weiteren Fahrten erwartet wird. Ein weiterer Punkt betraf mögliche Folgen für andere Polizeiaufgaben. Hafke wollte erfahren, ob diese zurückgestellt, reduziert oder organisatorisch angepasst werden mussten.
Die konkreten finanziellen Kosten der Castor-Einsätze waren nicht Teil des Fragenkatalogs. Auch die Sicherheit der Transporte bei einem kleineren Polizeiaufgebot wurde nicht ausdrücklich abgefragt. Der Schwerpunkt lag damit auf den personellen Auswirkungen für die NRW-Polizei. Die Landesregierung antwortet auf mögliche Einschränkungen anderer Aufgaben nur allgemein. Die NRW-Polizei verfüge über die notwendigen Ressourcen und Erfahrungen, um auch komplexe Einsätze zu bewältigen. Zudem könne sie ihrem gesetzlichen Auftrag vollständig nachkommen. Welche organisatorischen Anpassungen möglicherweise vorgenommen wurden, wird in der Antwort nicht einzeln aufgeschlüsselt. Vereinzelt kamen zudem spezialisierte Kräfte der Bundespolizei zum Einsatz. Das Innenministerium spricht von einer niedrigen zweistelligen Zahl. Bei einem Transport unterstützte außerdem das Land Rheinland-Pfalz mit Kräften sowie Führungs- und Einsatzmitteln.
Die Initiative „Ausgestrahlt“ bewertet die deutliche Verringerung der Polizeikräfte kritisch. Sie bezeichnete die Reduzierung gegenüber dem Evangelischen Pressedienst als nicht vertretbar. Nach Auffassung der Initiative könnten dadurch Gefahren für Menschen entlang der Strecke entstehen. Zudem forderte sie das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung auf, weitere Transporte zunächst zu stoppen. Dabei handelt es sich um die Einschätzung und Forderung der Initiative. Die Antwort der Landesregierung enthält keine Feststellung, dass die Transporte wegen des kleineren Polizeiaufgebots unsicherer geworden seien. Sie enthält aber auch keine gesonderte Bewertung der später geäußerten Kritik. Das Innenministerium verweist lediglich darauf, dass der jeweilige Kräftebedarf anhand der konkreten Lage festgelegt werde.
Aus den Landtagsdokumenten lässt sich daher nicht ableiten, ob die geringere Zahl eingesetzter Kräfte das Sicherheitsniveau verändert. Belegt ist zunächst nur, dass der Personaleinsatz erheblich gesunken ist. Ebenso belegt ist, dass Atomkraftgegner diese Entwicklung kritisieren. Ob weitere Sicherungsmaßnahmen verändert oder verstärkt wurden, wird in der Antwort nicht ausgeführt. Insgesamt sollen 152 Castor-Behälter vom Standort Jülich in das Zwischenlager Ahaus gebracht werden. Die Transporte laufen seit März 2026. Über Zeitpunkt, Strecke und konkrete Durchführung entscheidet die Polizei.
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