
Die Lufthansa Quartalszahlen 2026 haben am Dienstag einen deutlichen Kursrückgang ausgelöst. Obwohl Europas größter Luftfahrtkonzern seinen Umsatz im zweiten Quartal um acht Prozent steigerte, brach das bereinigte operative Ergebnis um 56 Prozent ein. Höhere Treibstoffkosten, Streiks und Flugausfälle belasteten vor allem das Passagiergeschäft. Die Lufthansa-Aktie beendete den Xetra-Handel mit einem Minus von 8,21 Prozent bei 8,48 Euro.
Der Konzernumsatz erhöhte sich von April bis Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 10,32 Milliarden auf 11,14 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern, Adjusted EBIT, sank dagegen von 870 Millionen auf 383 Millionen Euro. Damit blieb Lufthansa auch unter dem vom Unternehmen zusammengestellten Analystenkonsens von 401 Millionen Euro.
Noch stärker fiel der Rückgang beim Nettogewinn aus. Unter dem Strich verblieben 123 Millionen Euro nach 1,01 Milliarden Euro im zweiten Quartal 2025. Der Rückgang um 88 Prozent wurde neben dem schwächeren operativen Geschäft auch durch außergewöhnlich günstige Steuereffekte im Vorjahr beeinflusst.
Im ersten Halbjahr schrieb der Konzern insgesamt rote Zahlen. Bei einem Umsatz von 19,89 Milliarden Euro entstand ein Nettoverlust von 542 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT belief sich auf minus 229 Millionen Euro, nachdem Lufthansa im Vorjahreszeitraum noch 149 Millionen Euro erzielt hatte.
Die Airlines des Konzerns beförderten im zweiten Quartal 35,59 Millionen Fluggäste. Das waren vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Flüge ging um sechs Prozent auf rund 262.000 zurück. Gründe waren unter anderem Arbeitskämpfe und die Verringerung des Flugangebots infolge der angespannten Lage im Nahen Osten.
Trotz der geringeren Kapazität verbesserte sich die Auslastung. Der Sitzladefaktor stieg um 0,6 Prozentpunkte auf 82,5 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr reisten 60,69 Millionen Passagiere mit den Gesellschaften des Konzerns. Das waren ein Prozent weniger als im Vorjahr, während die Auslastung um 1,9 Prozentpunkte auf 82,4 Prozent zunahm.
Höhere Ticketpreise sorgten dafür, dass die Verkehrserlöse im Passagiergeschäft dennoch stiegen. Besonders stark entwickelten sich Verbindungen nach Asien und Afrika. Auf Strecken in den Nahen Osten musste Lufthansa dagegen zeitweise Flüge streichen oder umplanen.
Die Treibstoffkosten erhöhten sich im ersten Halbjahr um 18 Prozent auf 4,18 Milliarden Euro. Das waren 640 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Preissteigerungen belasteten die Rechnung dabei mit 27 Prozent. Ein stärkerer Euro und ein um drei Prozent geringerer Verbrauch begrenzten den Anstieg.
Der durchschnittliche Kerosinpreis lag im ersten Halbjahr mit 1.133,90 Dollar je Tonne rund 60 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders stark verteuerte sich die Differenz zwischen Rohöl und Flugtreibstoff. Diese sogenannte Raffineriemarge für Kerosin verdreifachte sich nahezu.
Rund 86 Prozent des für 2026 benötigten Treibstoffvolumens sind nach Konzernangaben abgesichert. Trotzdem erwartet Lufthansa für das Gesamtjahr inzwischen Treibstoffkosten von etwa 8,66 Milliarden Euro. Zur Verbrauchssenkung werden ältere Flugzeuge früher ausgemustert. Dazu gehören Airbus A340-600. Zwei Boeing 747-400 sollen mit Beginn des Winterflugplans vorübergehend stillgelegt werden.
Besonders schwach entwickelte sich die deutsche Kerngesellschaft Lufthansa Airlines. Ihr Umsatz stieg im ersten Halbjahr nur um ein Prozent auf 8,06 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT verschlechterte sich von minus 307 Millionen auf minus 480 Millionen Euro. Neben höheren Kerosinpreisen belasteten Streiks und die geringere Zahl angebotener Flüge.
Die Swiss erzielte dagegen ein bereinigtes EBIT von 213 Millionen Euro und damit vier Prozent mehr als im Vorjahr. Ihr Umsatz wuchs um neun Prozent auf 3,35 Milliarden Euro. Die Fluggesellschaft profitierte von einer höheren Auslastung und gestiegenen Durchschnittserlösen.
Austrian Airlines weitete ihren bereinigten operativen Verlust von 43 Millionen auf 93 Millionen Euro aus. Der Umsatz stieg zwar um vier Prozent auf 1,22 Milliarden Euro, die Betriebsausgaben nahmen jedoch um sechs Prozent zu.
Auch Eurowings konnte höhere Kosten nicht vollständig über die Ticketpreise ausgleichen. Das Point-to-Point-Segment, das vor allem Eurowings und Eurowings Holidays umfasst, verbuchte im ersten Halbjahr ein bereinigtes EBIT von minus 252 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Minus bei 137 Millionen Euro gelegen. Im zweiten Quartal rutschte das Segment von einem Gewinn von 65 Millionen Euro auf einen Verlust von 37 Millionen Euro.
Die italienische Beteiligung ITA Airways trug im ersten Halbjahr einen anteiligen Verlust von 58 Millionen Euro zum Ergebnis der Netzwerk-Airlines bei. Im Vorjahr hatte Lufthansa aus der Beteiligung noch einen positiven Beitrag von 84 Millionen Euro ausgewiesen. Ein Teil des Rückgangs ging auf Wechselkurseffekte bei Leasingverbindlichkeiten zurück.
Lufthansa hält derzeit 41 Prozent an ITA und hat im Juni die Option zum Erwerb weiterer 49 Prozent ausgeübt. Für das zusätzliche Paket sollen 325 Millionen Euro gezahlt werden. Der Abschluss ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen und steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Danach würde ITA mit einem Anteil von 90 Prozent vollständig in den Konzernabschluss einbezogen.
Während das Passagiergeschäft schwächelte, legten die Fracht- und Wartungssparten zu. Lufthansa Cargo steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT verbesserte sich um 58 Prozent auf 116 Millionen Euro. Die Sparte profitierte von veränderten Handelswegen, knapperen Frachtkapazitäten und einer starken Nachfrage auf Asien-Verbindungen.
Im ersten Halbjahr erzielte die Logistiksparte ein bereinigtes EBIT von 199 Millionen Euro. Das waren 47 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Lufthansa Technik steigerte den Quartalsumsatz um elf Prozent auf 2,17 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT legte um fünf Prozent auf 157 Millionen Euro zu. Im Halbjahr erreichte die Wartungssparte 315 Millionen Euro und lag damit zwei Prozent über dem Vorjahr. Belastungen durch den schwächeren Dollar, höhere Materialkosten und US-Zölle konnten dadurch weitgehend ausgeglichen werden.
Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nun ein bereinigtes EBIT zwischen 1,7 Milliarden und 2,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte Lufthansa einen Wert deutlich oberhalb des Vorjahresergebnisses von 1,96 Milliarden Euro angekündigt. Das untere Ende der neuen Spanne würde somit einen Ergebnisrückgang bedeuten.
Auch beim Flugangebot wird Lufthansa vorsichtiger. Die Kapazität soll 2026 nur noch ungefähr auf dem Vorjahresniveau liegen. Zuvor war ein Wachstum von bis zu zwei Prozent vorgesehen. Für die Netzwerk-Airlines rechnet das Unternehmen mit einem bereinigten EBIT zwischen 750 Millionen und 1,15 Milliarden Euro. Für das Eurowings-Segment wird nun eine Spanne von minus 50 Millionen bis plus 20 Millionen Euro erwartet.
Der bereinigte freie Mittelzufluss soll rund 900 Millionen Euro erreichen. Die geplanten Nettoinvestitionen wurden wegen verzögerter Flugzeugauslieferungen von 2,9 Milliarden auf etwa 2,5 Milliarden Euro reduziert.
RBC-Analyst Ruairi Cullinane bewertete das zweite Quartal als schwächer als erwartet. Die Markterwartungen seien bereits vor der Veröffentlichung gesunken, dennoch habe Lufthansa sie verfehlt. Zudem sei die Aktie vor den Zahlen trotz der zuvor gesenkten Gewinnschätzungen deutlich gestiegen.
An der Börse fiel die Aktie im Tagesverlauf zeitweise um mehr als elf Prozent. Der Xetra-Schlusskurs lag bei 8,48 Euro und damit 8,21 Prozent unter dem Vortag. Das Tagestief wurde bei rund 8,06 Euro erreicht. Damit gab das Papier einen erheblichen Teil seiner vorangegangenen Erholung wieder ab und notierte nach dem Kursrutsch auch seit Jahresbeginn leicht im Minus.
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