
Der frühere Mossad-Chef Yossi Cohen hat neue Angaben zur Atomanlage Fordo im Iran gemacht und dabei auch die Bedeutung des iranischen Uranbestands für ein mögliches Atomwaffenprogramm bewertet. Cohen sagte am Dienstag, 11. August 2026, bei der Galilee Conference im israelischen Safed, der israelische Geheimdienst habe Fordo in der Vergangenheit mehrfach genau untersucht. Unabhängig bestätigt ist seine Darstellung nicht. Die Internationale Atomenergie-Organisation kann ihrerseits derzeit weder den aktuellen Zustand aller iranischen Anreicherungsanlagen noch Größe und Aufenthaltsort des gesamten angereicherten Uranbestands verifizieren.
Cohen erklärte bei der Konferenz, man habe die Anlage Fordo „viele Male“ untersucht, um sie zu verstehen. Israel Hayom, die Times of Israel und die Jerusalem Post gaben die Aussage übereinstimmend wieder. Cohen erläuterte allerdings nicht, wann diese Vorgänge stattgefunden haben sollen und wer daran beteiligt gewesen sei. Auch blieb offen, ob er tatsächlich von israelischen Agenten innerhalb der unterirdischen Anlage sprach oder den Begriff weiter fasste und damit nachrichtendienstliche Überwachung meinte. Eine unabhängige Bestätigung für physische Mossad-Einsätze in Fordo lag zunächst nicht vor.
Über den US-Angriff auf Fordo im Juni 2025 äußerte sich Cohen ausgesprochen positiv und bezeichnete die Bombardierung sinngemäß als Erfüllung eines lange verfolgten Ziels. Einen neuen technischen Schadensbericht zu Fordo legte er bei dem Auftritt dagegen nicht vor. Bereits im September 2025 hatte Cohen in einem eigenen Beitrag die Einschätzung vertreten, die iranischen Anreicherungskapazitäten seien durch die damaligen Angriffe weitgehend ausgeschaltet worden. Auch diese Bewertung war eine persönliche Einschätzung des ehemaligen Geheimdienstchefs und keine Feststellung der IAEA.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt eine weitere Aussage Cohens. Uran mit einem Anreicherungsgrad von 60 Prozent sei seiner Ansicht nach noch weit von einer fertigen Atombombe entfernt. Technisch ist dabei zwischen angereichertem Uran und einer einsatzfähigen Kernwaffe zu unterscheiden. Für eine Atomwaffe wären neben einer weiteren Anreicherung des Materials weitere technische Schritte erforderlich. Die IAEA stellt jedoch zugleich heraus, dass Iran als einziger Nichtkernwaffenstaat des Atomwaffensperrvertrags Uran bis auf 60 Prozent U-235 angereichert und in erheblicher Menge angesammelt hatte.
Nach dem IAEA-Bericht vom Juni 2026 hatte Iran vor den Angriffen im Juni 2025 insgesamt 440,9 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von bis zu 60 Prozent angesammelt. 432,9 Kilogramm davon hatte die Behörde damals verifizieren können. Die IAEA bezeichnet den langen fehlenden Zugang zu diesem Material ausdrücklich als Problem für die Nichtverbreitung von Kernwaffen. Cohens Formulierung darf deshalb nicht mit einer Entwarnung der Atomenergiebehörde gleichgesetzt werden.
Die entscheidende Unsicherheit betrifft den aktuellen Zustand der Anlage und des dort beziehungsweise an anderen Standorten gelagerten Materials. Die IAEA erklärte in ihrem Bericht vom 4. Juni 2026, sie habe abgesehen vom Kernkraftwerk Buschehr keinen ausreichenden Zugang zu den betroffenen iranischen Nuklearanlagen erhalten. Deshalb könne sie weder bestätigen, ob Iran sämtliche Anreicherungsaktivitäten eingestellt habe, noch die aktuelle Größe des Uranbestands oder den Bestand an Zentrifugen bestimmen.
Die letzte belastbare Gesamtberechnung der IAEA beruhte daher weiterhin auf Informationen und Inspektionen aus der Zeit vor den Angriffen im Juni 2025. Zum 13. Juni 2025 schätzte die Behörde Irans gesamten Bestand an angereichertem Uran auf 9.874,9 Kilogramm. Darunter befanden sich die 440,9 Kilogramm mit einem Anreicherungsgrad von bis zu 60 Prozent. Wo sich das gesamte Material heute befindet und in welchem Zustand es ist, konnte die Behörde in ihrem jüngsten umfassenden Bericht nicht feststellen.
Die USA hatten Fordo am 22. Juni 2025 zusammen mit Natanz und Isfahan angegriffen. Dabei kamen gegen besonders stark geschützte Ziele unter anderem schwere GBU-57-Bunkerbrecher zum Einsatz. Das Pentagon erklärte anschließend, die drei Anlagen hätten extrem schwere Schäden erlitten. Später bezeichnete das US-Verteidigungsministerium die betroffenen Einrichtungen als weitgehend zerstört und verwies auf Geheimdienstinformationen. Zugleich machten US-Verteidigungsvertreter deutlich, dass eine genaue Bewertung der Wirkung und insbesondere des Zustands des Nuklearmaterials Aufgabe der Nachrichtendienste sei.
Iran stellte die Folgen anders dar. Behrouz Kamalvandi von der iranischen Atomenergieorganisation erklärte nach dem damaligen Angriff, in Fordo seien nur begrenzte Schäden entstanden. Nach iranischer Darstellung seien zudem bereits zuvor Teile von Ausrüstung und Material entfernt worden. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Die IAEA bestätigte zwar, dass Fordo getroffen worden war, konnte aber keine vollständige Inspektion des unterirdischen Komplexes vornehmen und damit keine abschließende eigene Schadensbilanz vorlegen.
Fordo ist eine Urananreicherungsanlage südlich von Teheran in der Nähe der Stadt Qom. Der eigentliche Anlagenbereich liegt tief in einem Berg. Diese Konstruktion soll die Zentrifugen und andere zentrale Einrichtungen gegen Luftangriffe schützen. Konventionelle Bomben können solche unterirdischen Anlagen nur schwer erreichen, weshalb die USA beim Angriff 2025 speziell für stark befestigte und tief liegende Ziele entwickelte GBU-57-Bomben einsetzten.
Vor den Angriffen gehörte Fordo zu den wichtigsten iranischen Standorten für die Anreicherung auf hohe Werte. Die IAEA bezeichnete Fordo 2025 als Irans zentralen Standort für die Produktion von auf 60 Prozent angereichertem Uran. Gerade die Kombination aus hoher Anreicherungsleistung und der geschützten Lage machte die Anlage sowohl für die internationale Überwachung als auch für militärische Planungen besonders bedeutsam.
Auch 2026 stehen Inspektionen und der Verbleib des angereicherten Urans im Mittelpunkt der Diplomatie. Nach einer vorläufigen Vereinbarung zwischen den USA und Iran erklärte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi im Juni, die Atomenergiebehörde müsse wieder Zugang erhalten, um die Einhaltung einer Vereinbarung kontrollieren zu können. Als erste Aufgabe nannte er unter anderem die Überprüfung früherer Siegel und die Feststellung, ob Kernmaterial fehle. Iran machte den Zugang zu besonders sensiblen Anlagen zeitweise von einer umfassenderen politischen Vereinbarung und Sanktionserleichterungen abhängig.
Anfang August erklärte das iranische Außenministerium allerdings, es gebe zu diesem Zeitpunkt keine direkten Verhandlungen mit den USA. Parallel liefen Gespräche mit Oman, die vor allem die Straße von Hormus und eine breitere Deeskalation betrafen. US-Präsident Donald Trump sprach dagegen weiterhin von Kontakten und der Aussicht auf eine umfassendere Einigung. Damit blieb auch der diplomatische Status widersprüchlich. Für eine belastbare Kontrolle des iranischen Atomprogramms hält die IAEA vollständigen Zugang zu den Nuklearanlagen und den deklarierten Uranbeständen weiterhin für unverzichtbar.






Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu