
Die ZEW-Konjunkturerwartungen in Deutschland haben sich im August 2026 stärker verbessert als von Ökonomen erwartet. Der vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim ermittelte Erwartungsindikator stieg gegenüber Juli um 7,9 Punkte auf 34,2 Punkte. Im Juli hatte er bei 26,3 Punkten gelegen. Von Reuters befragte Analysten hatten für August im Mittel lediglich mit einem Anstieg auf 30,0 Punkte gerechnet. Auch eine Umfrage des Wall Street Journal hatte einen Konsenswert von 30,0 Punkten ergeben.
Mit dem August-Wert setzt sich die Erholung des Erwartungsindikators fort. Nach Angaben des ZEW legte das Barometer im Vergleich zum Vormonat von 26,3 auf 34,2 Punkte zu. Damit beträgt der monatliche Anstieg 7,9 Punkte. Grundlage der aktuellen Erhebung waren die Antworten von 185 Analysten und institutionellen Investoren. Die Befragung fand nach Angaben des ZEW zwischen dem 10. und 17. August 2026 statt und bezog sich auf die wirtschaftlichen Erwartungen für die kommenden sechs Monate.
ZEW-Präsident Achim Wambach ordnet die Verbesserung unter anderem mit Blick auf gute Unternehmensquartalszahlen und das zuletzt hohe Exportniveau ein. Zudem verweist das Institut auf die Infrastrukturprogramme des Bundes als unterstützenden Faktor. Das ZEW formuliert diese Zusammenhänge ausdrücklich als wirtschaftliche Einschätzung und nicht als bereits feststehende Wirkung auf die künftige Wirtschaftsleistung.
Nicht nur die Erwartungen haben sich aufgehellt. Auch die Einschätzung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation in Deutschland verbesserte sich im August deutlich. Der entsprechende ZEW-Lageindikator stieg nach Angaben des Instituts um 16,5 Punkte von minus 77,6 Punkten im Juli auf minus 61,1 Punkte im August 2026. Trotz der deutlichen Verbesserung liegt der Wert damit weiterhin klar im negativen Bereich.
Erwartungsindikator und Lagekomponente geben dabei unterschiedliche Informationen wieder. Während die Erwartungen auf die Einschätzung der kommenden sechs Monate zielen, beschreibt die Lagekomponente die Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Situation durch die Befragten. Ein Anstieg des Lageindikators von minus 77,6 auf minus 61,1 Punkte bedeutet deshalb, dass die gegenwärtige Situation weniger negativ beurteilt wird als im Vormonat. Er bedeutet nicht, dass die aktuelle Wirtschaftslage bereits mehrheitlich positiv eingeschätzt wird.
Der ZEW-Indikator ist kein direktes Maß für Produktion, Beschäftigung oder das Bruttoinlandsprodukt. Seit 1991 befragt das ZEW monatlich bis zu 300 Fachleute aus Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Unternehmen. Gefragt wird unter anderem nach der erwarteten Entwicklung von Konjunktur, Inflation, Zinsen, Aktienmärkten und Wechselkursen innerhalb der kommenden sechs Monate. Das Institut bezeichnet die ZEW-Konjunkturerwartungen als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.
Der eigentliche Erwartungsindex wird als Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen berechnet. Überwiegen die Befragten, die mit einer Verbesserung rechnen, gegenüber jenen, die eine Verschlechterung erwarten, liegt der Saldo im positiven Bereich. Ein Wert von 34,2 Punkten ist deshalb nicht mit einem erwarteten Wirtschaftswachstum von 34,2 Prozent oder einer anderen realwirtschaftlichen Veränderungsrate gleichzusetzen. Er bildet vielmehr die Richtung und Stärke der Stimmung unter den befragten Finanzmarktexperten ab.
Nach Angaben des ZEW haben sich die Erwartungen im August in sämtlichen untersuchten Branchen verbessert. Besonders stark fiel der Anstieg in der Fahrzeugbranche aus. Dort erhöhte sich der Erwartungssaldo gegenüber Juli um 22,2 Punkte, blieb mit minus 24,4 Punkten aber weiterhin negativ. Auch im Maschinenbau sowie in der Chemie- und Pharmaindustrie und in der Metallbranche registrierte das Institut deutliche Verbesserungen. Für Konsum und Handel stieg der Saldo um 9,0 Punkte auf minus 6,2 Punkte. Die Baubranche verbesserte sich um 1,4 Punkte auf plus 2,1 Punkte.
Auch für die Eurozone hellte sich die Stimmung auf. Der ZEW-Erwartungsindikator für den Euroraum stieg im August 2026 gegenüber Juli um 8,0 Punkte auf 31,4 Punkte. Die Lageeinschätzung verbesserte sich um 16,2 Punkte auf minus 21,5 Punkte und blieb damit ebenfalls negativ.
Der kräftige Anstieg zeigt vor allem, dass die befragten Finanzmarktexperten die Entwicklung der kommenden sechs Monate günstiger einschätzen als noch im Juli. Eine Prognose für das tatsächliche Wirtschaftswachstum lässt sich daraus allein nicht ableiten. Der ZEW-Index basiert auf Einschätzungen von Experten und reagiert deshalb auch auf neue Unternehmensdaten, politische Entwicklungen, Finanzmarktbedingungen und Erwartungen über künftige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Das ZEW selbst ordnet das Barometer als Frühindikator ein.
Zugleich verweist das Institut weiterhin auf konjunkturelle Risiken. ZEW-Präsident Wambach nannte insbesondere das Rekord-Niedrigwasser am Rhein als kurzfristiges zusätzliches Risiko für die wirtschaftliche Aktivität. Die August-Erhebung zeichnet damit ein zweigeteiltes Bild: Die Erwartungen haben sich deutlich verbessert und stärker als von Analysten prognostiziert. Gleichzeitig bleibt die Bewertung der gegenwärtigen Lage mit minus 61,1 Punkten deutlich im negativen Bereich.
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