Rund 40 Arztstellen sollen wegfallen: Streit um Regensburger Uniklinik

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Symbolbild: Evan Wise

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Am Universitätsklinikum Regensburg sollen nach derzeitiger Planung rund 40 ärztliche Vollzeitstellen wegfallen. Gegen die Pläne regt sich inzwischen Widerstand von Medizinstudierenden und Ärzteverbänden. Die Klinikleitung begründet die Personalmaßnahmen mit der wirtschaftlichen Lage des Hauses. Das UKR schloss das Jahr 2025 nach eigenen Angaben mit einem Defizit von 13,7 Millionen Euro ab und arbeitet an einem Konsolidierungskonzept.

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Der Stellenabbau am Universitätsklinikum Regensburg ist damit Teil einer größeren Debatte über die Finanzierung deutscher Krankenhäuser und insbesondere der Universitätsmedizin. Das UKR betont, Versorgung, Forschung und Lehre langfristig sichern zu wollen. Studierende und Berufsverbände befürchten dagegen, dass weniger ärztliches Personal gerade diese Aufgaben belasten könnte.

UKR korrigiert Zahl von 64 Stellen

Für Verwirrung hatte zunächst die Zahl von 64 ärztlichen Vollzeitstellen gesorgt. Das bayerische Wissenschaftsministerium hatte in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage darauf hingewiesen, dass das UKR sein ärztliches Personal seit 2019 um etwa 64 Vollzeitäquivalente ausgeweitet habe. Die erwartete entsprechende Ausweitung der Leistungen sei jedoch ausgeblieben, weshalb dieser Personalaufbau nicht ausreichend refinanziert werde. Das Ministerium bezeichnete eine Reduzierung des Personals deshalb als erforderlich.

Das UKR stellte anschließend klar, dass die 64 zusätzlichen Vollzeitstellen seit 2019 nicht mit der Zahl der nun wegfallenden Stellen gleichgesetzt werden dürften. Bei einer Pressekonferenz am 25. Juni nannte der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktor Oliver Kölbl eine Größenordnung von ungefähr 40 ärztlichen Vollzeitstellen. Nach seiner Darstellung beruhte diese Größenordnung auf Leistungsbemessungen in den einzelnen Bereichen.

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Die Anpassungen sollen laut UKR nach Möglichkeit über natürliche Fluktuation, auslaufende befristete Beschäftigungsverhältnisse und eine zurückhaltendere Nachbesetzung erfolgen. Seit 2019 sei die Gesamtzahl der Beschäftigten um mehr als 400 Vollkräfte gestiegen. Welche Kliniken, Institute oder Fachrichtungen letztlich in welchem Umfang betroffen sein werden, war zunächst nicht abschließend ausgewiesen.

Medizinstudierende warnen vor Folgen für die Ausbildung

Ende Juli wandten sich die Fachschaft Humanmedizin Regensburg und die Fachschaft Medizincampus Niederbayern mit einem offenen Brief an Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume und Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Sie fordern einen Stopp des Stellenabbaus und eine verbindliche Sicherung der Ausbildungsqualität. Nach Darstellung der Studierenden fehlt Ärztinnen und Ärzten bereits heute häufig Zeit für praktische Anleitung und individuelle Betreuung. Weniger Personal könne diese Situation weiter verschärfen.

Besondere Bedeutung erhält die Kritik durch den Ausbau des Medizinstudiums. Mit dem Medizincampus Niederbayern entstehen insgesamt 110 zusätzliche Studienplätze in der Humanmedizin. Die Universität Regensburg hatte bereits bei der Entscheidung für das Projekt darauf hingewiesen, dass dadurch die Zahl der jährlichen Studienplätze von rund 200 auf mehr als 300 steigt und zusätzliche Ressourcen erforderlich sind.

Die Fachschaften rechnen deshalb im kommenden klinischen Studienabschnitt mit rund 100 zusätzlichen Studierenden, die betreut werden müssen. Der Hartmannbund Bayern schloss sich am 11. August den Forderungen der Studierenden an. Der Verband sieht einen Widerspruch darin, zusätzliche Medizinstudierende auszubilden und gleichzeitig die Zahl ärztlicher Stellen zu reduzieren.

Klinikleitung verweist auf Defizit von 13,7 Millionen Euro

Das UKR begründet die Konsolidierung mit seiner finanziellen Entwicklung. Nach vier Jahren mit positiven Jahresergebnissen entstand 2025 nach Angaben des Klinikums ein Fehlbetrag von 13,7 Millionen Euro. Die Klinik spricht von erheblich schwierigeren gesundheitspolitischen und finanziellen Rahmenbedingungen und arbeitet gemeinsam mit externen Partnern an einem Konsolidierungskonzept. Ziel sei es, Erlöse sowie Personal- und Sachaufwendungen wieder in ein tragfähiges Verhältnis zu bringen.

Das Wissenschaftsministerium hatte zuvor ebenfalls auf ein für 2026 erwartetes negatives Ergebnis verwiesen. Es geht nach seiner bisherigen Darstellung davon aus, dass die Personalreduzierung ohne Einschränkungen bei der medizinischen Qualität und Forschung umgesetzt werden kann. Diese Einschätzung wird von ärztlichen Berufsverbänden bestritten. Der Marburger Bund Bayern warnt vor höherer Arbeitsverdichtung sowie möglichen Folgen für Patientenversorgung, Forschung, Lehre und ärztliche Weiterbildung.

Auch die SPD Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann kritisierte die Pläne nach ihren parlamentarischen Anfragen. Sie bezweifelt insbesondere die Einschätzung, dass ein Personalabbau dieser Größenordnung ohne Auswirkungen auf Versorgung und Forschung bleiben könne.

Zu einer detaillierten eigenen Position der Personalvertretung des UKR zur nun genannten Größenordnung von rund 40 Arztstellen lagen zunächst keine belastbaren öffentlich dokumentierten Angaben vor.

Wirtschaftlicher Druck betrifft Kliniken bundesweit

Die Probleme in Regensburg stehen nicht isoliert. Nach dem Krankenhaus Konjunkturbarometer des Deutschen Krankenhausinstituts und der Deutschen Krankenhausgesellschaft bewerteten im zweiten Quartal 2026 lediglich 14 Prozent der deutschen Krankenhäuser ihre wirtschaftliche Lage als gut, 58 Prozent bezeichneten sie als unbefriedigend. Bei großen Kliniken mit mehr als 600 Betten lag dieser Anteil bei 77 Prozent. Für das zweite Halbjahr erwarteten 61 Prozent der befragten Häuser eine weitere Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation.

Universitätskliniken stehen dabei vor besonderen Aufgaben. Neben der Krankenversorgung finanzieren und organisieren sie Forschung, Lehre, die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses und zahlreiche hoch spezialisierte Behandlungen. Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands bezifferte das derzeitige aggregierte Defizit seiner Häuser im Frühjahr 2026 auf mehr als 800 Millionen Euro. Anfang Juli warnte der Verband, weitere gesetzliche Einsparungen könnten das Gesamtdefizit der Universitätskliniken 2027 auf zwei Milliarden Euro erhöhen. Diese Zahlen sind eine Verbandsprognose und keine staatliche Haushaltsprognose.

Grundsätzlich werden Krankenhäuser in Deutschland dual finanziert. Die Krankenkassen tragen vor allem die laufenden Behandlungskosten, während die Länder für Investitionen zuständig sind. Gleichzeitig befindet sich die Krankenhausfinanzierung durch die laufende Strukturreform in einem grundlegenden Umbau.

Für Regensburg bleibt deshalb vor allem entscheidend, wie das angekündigte Konsolidierungskonzept konkret umgesetzt wird. Bestätigt ist bislang eine Planungsgröße von ungefähr 40 ärztlichen Vollzeitstellen. Welche Bereiche davon letztlich betroffen sein werden und in welchem Zeitraum die Anpassungen vollständig umgesetzt werden sollen, war zunächst nicht abschließend festgelegt.

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