
Karls Erlebnis-Dorf treibt seine Expansion deutlich voran. Mit Oberhausen hat die Kette am 22. Juli 2026 ihr achtes Erlebnis-Dorf in Deutschland eröffnet. Karls neue Erlebnis-Dörfer sollen in den kommenden Jahren unter anderem in Bispingen, Plech und Wernigerode entstehen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an einem ersten Standort in den USA. Ein weiteres Projekt auf Mallorca ist öffentlich angekündigt, aber deutlich weniger konkret. Die Pläne zeigen, wie Karls sein Konzept aus kostenfrei zugänglichem Freizeitpark, Gastronomie, Manufakturen und Einzelhandel über seine bisherigen Schwerpunkte im Norden und Osten Deutschlands hinaus ausrollen will.
Oberhausen ist der bislang sichtbarste Schritt dieser Expansion. Das Erlebnis-Dorf liegt direkt am Westfield Centro und ist nach Angaben des Unternehmens der erste Karls-Standort mitten in einer Großstadt. Der erste Bauabschnitt umfasst rund 46.000 Quadratmeter, investiert wurden rund 45 Millionen Euro. Mehr als 30 Erlebnisse gehören zum Angebot. Neben typischen Karls-Attraktionen setzt der Standort mit dem Curryversum auch auf ein eigenes Ruhrgebiets-Thema. Der Zugang zum Gelände ist kostenlos. Wer bestimmte Fahrgeschäfte nutzen möchte, zahlt einzeln oder kauft eine Tages- beziehungsweise Jahreskarte.
Mit Oberhausen betreibt Karls derzeit acht klassische Erlebnis-Dörfer: Rövershagen, Elstal, Döbeln, Loxstedt, Koserow, Zirkow, Warnsdorf und Oberhausen. Hinzu kommen weitere Karls-Angebote wie das PopUp Festival in Wernigerode, das Rittergut in Loburg und PIER7 in Warnemünde. Diese kleineren oder anders ausgerichteten Angebote sind nicht mit einem vollwertigen Erlebnis-Dorf gleichzusetzen.
Bispingen in der Lüneburger Heide ist als nächster neuer Standort besonders weit vorbereitet. Karls bestätigt das Vorhaben auf seiner eigenen Website und bezeichnet das Projekt weiterhin als in der Planungsphase. Die Gemeinde hat die planungsrechtlichen Grundlagen für einen Freizeitpark auf rund acht Hektar vorangetrieben. Vorgesehen sind unter anderem Indoor- und Outdoorangebote, Gastronomie, Manufakturen und etwa 2.500 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die örtliche Tourismusinformation nennt 2027 als voraussichtliches Eröffnungsjahr. Einen verbindlichen Eröffnungstag hat Karls bislang nicht veröffentlicht.
Auch Plech in Oberfranken ist als Karls-Standort bestätigt. Das Unternehmen will dort das Gelände des früheren Fränkischen Wunderlands neu entwickeln. Das Grundstück mit rund zehn Hektar wurde bereits 2022 erworben. Geplant sind klassische Karls-Angebote, aber auch Elemente, die an die Geschichte des früheren Freizeitparks anknüpfen. Die Bauleitplanung läuft, 2026 wurden weitere Planungsschritte und erste vorbereitende Arbeiten öffentlich. Ein belastbarer, vom Unternehmen aktuell fest zugesagter Eröffnungstermin ist für Plech jedoch nicht veröffentlicht. Frühere Zeitpläne wurden bereits verschoben, deshalb ist eine Jahresangabe hier mit Vorsicht zu behandeln.
Konkreter ist der Zeitplan für Wernigerode. Die Stadt und Karls haben den Standort am östlichen Stadtrand bestätigt. Ziel ist eine Eröffnung zum Saisonbeginn 2028. Das geplante Areal umfasst knapp 13 Hektar. Bereits seit Mai 2026 gibt es auf dem künftigen Gelände ein PopUp Festival mit mobilen Attraktionen und einem Manufakturen-Markt. Dieses Angebot ist als Vorstufe gedacht und nicht mit dem späteren dauerhaften Erlebnis-Dorf gleichzusetzen. Für den großen Park läuft das Bebauungsplanverfahren weiter.
Die internationale Expansion ist in Oxnard in Kalifornien am weitesten fortgeschritten. Karls-Gründer Robert Dahl hat ein Grundstück am Hafen der Stadt nördlich von Los Angeles als Standort benannt. Das Gelände ist rund 45.000 bis 50.000 Quadratmeter groß. Nach seinen Angaben soll dort 2028 das erste Karls Erlebnis-Dorf in den USA eröffnen. Als Ziel nennt Dahl April 2028, also wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Los Angeles. Der Termin ist als Planungsziel zu verstehen, nicht als bereits garantierter Eröffnungstag.
Deutlich offener ist die Lage auf Mallorca. Dahl hat ein Erlebnis-Dorf auf der Baleareninsel öffentlich als weiteres Expansionsprojekt genannt. Im August 2026 war jedoch noch kein Grundstücksvertrag unterschrieben. Als möglicher Bereich wurde das Umfeld von Palma und des Flughafens genannt. Solange kein konkretes Areal verbindlich feststeht und die nötigen Genehmigungen fehlen, gibt es weder einen gesicherten Standort noch einen belastbaren Eröffnungstermin.
Das Karls-Modell unterscheidet sich von klassischen Freizeitparks vor allem durch den freien Zugang. Besucher können die Erlebnis-Dörfer ohne Eintrittskarte betreten. Zahlreiche Spielangebote und einzelne Attraktionen sind ebenfalls kostenlos. Geld verdient Karls unter anderem mit kostenpflichtigen Fahrgeschäften, Tages- und Jahreskarten, Gastronomie sowie dem Verkauf von Lebensmitteln, Souvenirs und Waren aus den Schau-Manufakturen. In Planungsunterlagen für neue Standorte werden Freizeitangebote, Handel, Manufakturen und Gastronomie ausdrücklich als miteinander verbundene Säulen des Geschäftsmodells beschrieben.
Wie stark die tatsächlichen Kosten ausfallen, hängt deshalb davon ab, wie viele Bezahlangebote eine Familie nutzt. In Oberhausen lagen Tageskarten nach der Eröffnung bei Onlinebuchung je nach Auslastung zwischen 11 und 16,50 Euro, vor Ort bei 18 Euro. Einzelne kostenpflichtige Attraktionen kosteten meist zwischen 3 und 5 Euro. Die Jahreskarte wurde online für 49,90 Euro und vor Ort für 59,90 Euro angeboten. An anderen Standorten nennt Karls für Tageskarten je nach Erlebnis-Dorf Einstiegspreise zwischen 7,50 und 15 Euro.
Kritik richtet sich vor allem gegen die Kombination aus kostenpflichtigen Attraktionen, Gastronomiepreisen und der Bitte, eigene Verpflegung weitgehend zu Hause zu lassen. Karls weist auf seiner Website darauf hin, dass eine 0,5-Liter-Wasserflasche sowie Babynahrung erlaubt sind. Für Kleinkinder sind außerdem Kekse und Reiswaffeln vorgesehen. Einzelne Besucher kritisieren, dass ein Familienausflug dadurch trotz freien Eintritts schnell teuer werden könne. Andere halten das Modell für nachvollziehbar, weil der Zugang zum Gelände und zahlreiche Angebote kostenlos bleiben.
Karls selbst stellt die Regel zur Verpflegung als Bitte und nicht als pauschales Verbot dar. Geschäftsführer Robert Dahl hat zudem erklärt, dass Gäste, die wegen Unverträglichkeiten auf bestimmte Lebensmittel angewiesen sind, diese mitbringen können. Damit bleibt der zentrale Vorteil des Modells bestehen: Niemand muss allein für das Betreten des Parks bezahlen. Wer mehrere Fahrgeschäfte nutzt oder vor Ort isst und einkauft, kann allerdings deutlich höhere Ausgaben haben.
Die Expansionspläne haben damit unterschiedliche Verbindlichkeitsgrade. Oberhausen ist eröffnet, Bispingen und Wernigerode sind offiziell bestätigte Projekte mit genannten Zieljahren. Plech ist bestätigt, aber ohne derzeit belastbaren festen Eröffnungstermin. Oxnard soll 2028 folgen und ist das konkreteste Auslandsprojekt. Mallorca gehört ebenfalls zu Dahls Plänen, befindet sich aber noch in einer deutlich früheren Phase.
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