Ether durchbricht wichtige Marken und setzt sich über 2.000 Dollar fest

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Ethereum hat seine jüngste Erholung deutlich ausgeweitet. Am Donnerstagabend gegen 19 Uhr deutscher Zeit notierte Ether laut MarketWatch bei rund 2.275 Dollar. Gegenüber dem dort ausgewiesenen Vergleichswert entsprach das einem Tagesplus von etwa 2,7 Prozent. Auf 24-Stunden-Basis fiel der Anstieg bei anderen Datenanbietern zeitweise deutlich größer aus, weil der kräftige Kursschub bereits am Mittwoch begonnen hatte. Damit hat Ethereum am 20. August 2026 nicht nur die psychologisch wichtige Marke von 2.000 Dollar zurückerobert, sondern sich auch über mehrere langfristige technische Durchschnittslinien geschoben.

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Für Ether ist das bemerkenswert, weil die Kryptowährung noch Anfang August im Bereich von etwa 1.900 Dollar gehandelt wurde. Die Bewegung verlief zugleich deutlich dynamischer als bei Bitcoin. Der Marktführer blieb zwar der wichtigste Vergleichsmaßstab für den gesamten Kryptosektor, Ether gewann während der jüngsten Aufwärtsbewegung zeitweise jedoch stärker hinzu.

Ether steigt über die 200-Tage-EMA

Neben der Marke von 2.000 Dollar rückte vor allem die langfristige technische Trendlinie in den Mittelpunkt. Die exponentielle 200-Tage-Linie, kurz 200-Tage-EMA, lag am Donnerstag bei ungefähr 2.125 Dollar. Ether handelte damit klar darüber. Noch am 19. August war diese Zone als wichtiger Widerstand angesehen worden.

Auch beim einfachen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt hatte Ether zuletzt eine langfristig relevante Schwelle erreicht. Je nach Berechnungsmethode und Datenanbieter unterscheiden sich die Werte etwas. Deshalb ist die präzisere Aussage, dass ETH seine 200-Tage-EMA durchbrochen hat und auch oberhalb der zuletzt ausgewiesenen einfachen 200-Tage-Linie gehandelt wurde.

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Solche Durchschnittswerte werden von Marktteilnehmern genutzt, um längerfristige Trends zu beurteilen. Ein Überschreiten garantiert jedoch keine weitere Aufwärtsbewegung. Kryptowährungen bleiben stark schwankungsanfällig, und technische Signale können sich innerhalb kurzer Zeit wieder umkehren.

Short-Liquidationen verstärkten die Bewegung

Zur Geschwindigkeit des Anstiegs trugen auch die Terminmärkte bei. Während der starken Bewegung wurden in großem Umfang Positionen von Händlern automatisch geschlossen, die auf fallende Kryptokurse gesetzt hatten.

Bei gehebelten Short-Positionen hinterlegen Händler nur einen Teil des Positionswertes als Sicherheit. Steigt der Kurs stark genug gegen sie, können Handelsplattformen die Position zwangsweise schließen. Dafür muss die entsprechende Kryptowährung beziehungsweise der zugehörige Kontrakt zurückgekauft werden. Eine größere Zahl solcher Liquidationen kann eine bereits laufende Kursbewegung zusätzlich beschleunigen.

Die verfügbaren CoinGlass-Daten zeigten für den Gesamtmarkt innerhalb von 24 Stunden Liquidationen in Milliardenhöhe, wobei Short-Positionen den überwiegenden Anteil ausmachten. Ethereum gehörte neben Bitcoin zu den wichtigsten Märkten dieser Bewegung. Die Angaben zum exakten nur auf Ether entfallenden Liquidationsvolumen unterschieden sich allerdings je nach Erhebungszeitpunkt und Datenquelle. Deshalb lässt sich der gesamte ETH-Anstieg nicht seriös allein mit einem Short Squeeze erklären.

Ethereum-Spot-ETFs verzeichnen kräftige Zuflüsse

Parallel dazu nahm die Nachfrage nach börsengehandelten Ethereum-Produkten in den USA zu. Die US-Spot-Ethereum-ETFs verbuchten am Mittwoch, 19. August, netto rund 186,8 Millionen Dollar an Zuflüssen. BlackRocks ETHA war mit 122,1 Millionen Dollar der größte Einzelposten.

Bereits am Montag waren netto 30,9 Millionen Dollar und am Dienstag weitere 71,4 Millionen Dollar in die Produkte geflossen. Für die ersten drei Handelstage der Woche ergibt sich damit ein Nettozufluss von rund 289 Millionen Dollar.

Die Entwicklung ist für Ethereum besonders relevant, weil die Spot-ETFs institutionellen und klassischen Wertpapierinvestoren einen regulierten Zugang zur Kursentwicklung von Ether ermöglichen, ohne dass diese die Kryptowährung selbst verwahren müssen. ETF-Zuflüsse sind allerdings ebenfalls kein Beleg dafür, dass der Kurs anschließend weiter steigt. Sie zeigen zunächst nur, dass in dem betrachteten Zeitraum mehr Kapital in die Fonds hinein als aus ihnen heraus floss.

Rund ein Drittel der Ether steckt im Staking

Ein weiterer Unterschied zu Bitcoin ist Ethereums Proof-of-Stake-System. Anfang August waren rund 41 Millionen Ether im Staking gebunden. Das entsprach ungefähr einem Drittel des umlaufenden Angebots.

Beim Staking hinterlegen Teilnehmer Ether, um über Validatoren an der Absicherung des Netzwerks mitzuwirken. Im Gegenzug können sie Protokollvergütungen erhalten. Ein hoher Staking-Anteil bedeutet, dass ein beträchtlicher Teil des vorhandenen ETH-Bestands nicht unmittelbar auf Handelsplätzen verfügbar ist.

Für die Bewertung des Angebots ist das relevant, sollte aber nicht mit einer dauerhaften Verknappung gleichgesetzt werden. Gestakte Ether können unter Einhaltung der Protokollregeln wieder aus dem Validatorensystem herausgeführt werden. Zudem hängt die Attraktivität des Stakings unter anderem von Vergütung, Gebühren, Liquidität und regulatorischen Rahmenbedingungen ab.

Layer-2-Netzwerke übernehmen einen großen Teil der Aktivität

Ethereum unterscheidet sich auch durch seine stark gewachsene Layer-2-Infrastruktur. Netzwerke wie Base, Arbitrum und andere Rollups führen große Mengen von Transaktionen außerhalb der eigentlichen Ethereum-Hauptkette aus und bündeln Daten anschließend auf Ethereum.

L2Beat ermittelte im August für Ethereum-Rollups ein Vielfaches der auf dem Mainnet gemessenen Nutzeroperationen. Das zeigt, dass ein großer Teil der Aktivität des Ethereum-Ökosystems inzwischen auf Skalierungsnetzwerken stattfindet.

Für Ether hat diese Entwicklung zwei Seiten. Mehr Layer-2-Nutzung kann Ethereum als Abwicklungs- und Datensicherungsschicht stärken. Gleichzeitig führen effizientere Rollups und mehr verfügbare Datenkapazität dazu, dass hohe Aktivität nicht automatisch genauso hohe Gebühren auf dem Mainnet erzeugt wie in früheren Marktphasen.

Das spielt auch für die ETH-Angebotsentwicklung eine Rolle. Seit EIP-1559 wird ein Teil der auf Ethereum gezahlten Grundgebühren vernichtet. Sind die Netzwerkgebühren niedrig, wird entsprechend weniger Ether verbrannt. Hohe L2-Aktivität ist deshalb nicht automatisch gleichbedeutend mit einer stärkeren Verringerung des ETH-Angebots.

Glamsterdam soll Ethereum weiter skalieren

Zusätzlich rückt das nächste größere Protokoll-Upgrade näher. Glamsterdam ist nach Angaben der offiziellen Ethereum-Roadmap für die zweite Hälfte des Jahres 2026 vorgesehen. Ein endgültiges Aktivierungsdatum für das Mainnet war zuletzt noch nicht festgelegt.

Zu den zentralen Vorhaben gehören die sogenannte Enshrined Proposer-Builder Separation und Block-Level Access Lists. Damit sollen Aufgaben bei der Blockerstellung stärker direkt im Protokoll getrennt und Transaktionsabhängigkeiten effizienter verarbeitet werden. Die Änderungen sollen unter anderem den Weg für mehr Kapazität auf der Ethereum-Hauptkette und langfristig höhere Gaslimits ebnen.

Damit unterscheidet sich die derzeitige Ether-Bewegung von einer reinen allgemeinen Kryptomarkt-Rally. Neben dem günstigen Marktumfeld wirken mehrere Ethereum-spezifische Faktoren gleichzeitig: steigende ETF-Zuflüsse, ein hoher Staking-Anteil, eine stark genutzte Layer-2-Infrastruktur und die Vorbereitung des nächsten großen Netzwerk-Upgrades. Kurzfristig bleibt der Kurs dennoch von hoher Volatilität und den stark gehebelten Kryptoderivatemärkten geprägt.

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