
In Griechenland nimmt die Zahl der registrierten Infektionen mit dem West-Nil-Virus im Sommer 2026 weiter zu. Nach den jüngsten Angaben der griechischen Gesundheitsbehörde EODY waren bis zum 19. August um 11 Uhr insgesamt 157 im Land erworbene Infektionen gemeldet worden. 13 Menschen mit einer Infektion und schweren neurologischen Krankheitserscheinungen waren bis zu diesem Zeitpunkt gestorben. Alle registrierten Todesfälle betrafen Menschen über 65 Jahre. Damit ist das West-Nil-Virus in Griechenland auch für Urlauber ein relevantes Gesundheitsthema, ohne dass die Behörden von einer allgemeinen Gefährdung für Reisende ausgehen.
Die Entwicklung hat sich im August deutlich beschleunigt. Im EODY-Bericht mit Datenstand 12. August waren noch 110 im Inland erworbene Fälle und neun Todesfälle registriert. Innerhalb der folgenden Woche kamen nach Angaben der Behörde 47 weitere Fälle und vier weitere Todesfälle hinzu. Von den bis zum 19. August gemeldeten 157 Infektionen verliefen 116 mit Beteiligung des zentralen Nervensystems. Dazu zählen unter anderem Enzephalitis, Meningitis und andere schwere neurologische Krankheitsbilder. 41 Fälle verliefen milder oder ohne solche neurologischen Erscheinungen.
Zusätzlich wurde ein weiterer Infektionsfall untersucht, bei dem wegen einer komplexen Reisegeschichte nicht eindeutig festgestellt werden konnte, in welchem Land die Ansteckung stattgefunden hatte. Dieser Fall wurde deshalb von EODY nicht in die Statistik der in Griechenland erworbenen Infektionen eingerechnet. Die Fallzahlen beziehen sich zudem auf diagnostizierte und gemeldete Erkrankungen. Da viele Infektionen keine oder nur leichte Beschwerden verursachen, bilden sie nicht sämtliche tatsächlichen Infektionen in der Bevölkerung ab.
Besonders stark betroffen ist weiterhin die Region Attika mit dem Großraum Athen. Bereits im Juli hatte EODY dort eine besonders intensive Viruszirkulation festgestellt. Inzwischen wurden Infektionen auch aus weiteren Teilen Griechenlands gemeldet. Neue Fälle kamen zuletzt unter anderem in zusätzlichen Gemeinden Attikas sowie in Zentralmakedonien hinzu. Die regionale Verteilung kann sich während der Mückensaison weiter verändern, da das Virus über infizierte Stechmücken übertragen wird und sein Auftreten von örtlichen Umweltbedingungen abhängt.
Das West-Nil-Virus ist in Griechenland kein neues Phänomen. Seit 2010 werden dort in den meisten Jahren Erkrankungen festgestellt. Auch in anderen Teilen Europas tritt das Virus während der warmen Jahreszeit regelmäßig auf. Nach Daten europäischer Gesundheitsbehörden gehörte Griechenland bereits Anfang August neben Italien zu den europäischen Staaten mit den meisten gemeldeten Fällen. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten erfasst betroffene Gebiete während der Übertragungssaison fortlaufend.
Die griechischen Behörden setzen auf eine Kombination aus epidemiologischer Überwachung, Untersuchung gemeldeter Fälle und Bekämpfung der Überträgermücken. EODY arbeitet dazu mit regionalen und kommunalen Behörden zusammen. In betroffenen Gebieten können Maßnahmen zur Mückenbekämpfung intensiviert und Informationskampagnen für die Bevölkerung verstärkt werden. Zusätzlich werden Mücken an verschiedenen Orten überwacht und auf das Virus untersucht. Solche Kontrollen sollen Hinweise auf eine Viruszirkulation liefern, bevor oder während menschliche Erkrankungsfälle auftreten.
Auch für die Sicherheit von Blutspenden gelten in betroffenen beziehungsweise als besonders gefährdet eingestuften Gebieten besondere Vorgaben. Die Einstufung wird anhand epidemiologischer und weiterer Überwachungsdaten regelmäßig angepasst. Bereits vor Beginn der diesjährigen Saison hatte EODY Gesundheitsbehörden und Kommunen aufgefordert, Programme zur Mückenkontrolle frühzeitig vorzubereiten und umzusetzen.
Das Auswärtige Amt weist in seinen Reisehinweisen für Griechenland darauf hin, dass es dort während der Sommermonate zu saisonalen Ausbrüchen des West-Nil-Fiebers kommen kann. Die meisten Infektionen verlaufen ohne erkennbare Beschwerden. Ein kleinerer Teil der Betroffenen entwickelt fieberhafte Symptome, selten können schwere neurologische Erkrankungen auftreten. Ein Impfstoff für Menschen gegen das West-Nil-Virus steht derzeit nicht zur Verfügung.
Als allgemeine Schutzmaßnahme empfehlen Gesundheitsbehörden deshalb vor allem die Vermeidung von Mückenstichen. Dazu gehören geeignete Insektenschutzmittel, körperbedeckende Kleidung sowie Fliegengitter oder Moskitonetze, soweit diese erforderlich und verfügbar sind. Auch stehendes Wasser in offenen Behältern sollte nach Angaben der Behörden möglichst vermieden werden, weil es Mücken als Brutstätte dienen kann.
Die aktuellen Zahlen sind kein Hinweis darauf, dass Reisen nach Griechenland generell vermieden werden müssten. Sie zeigen jedoch, dass das Virus während der diesjährigen Mückensaison in mehreren Landesteilen aktiv zirkuliert und die Zahl der diagnostizierten Fälle im August deutlich gestiegen ist. Für Reisende ist daher vor allem entscheidend, die aktuellen Hinweise der zuständigen Behörden zu beachten und den empfohlenen Schutz vor Mückenstichen ernst zu nehmen.
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