
China hat seine Position im weltweiten Maschinenbau in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Deutschland, über Jahrzehnte einer der dominierenden Lieferanten von Maschinen und Anlagen auf den Weltmärkten, liegt beim globalen Export inzwischen deutlich hinter der Volksrepublik. Der Branchenverband VDMA drängt deshalb auf einen entschlosseneren europäischen Umgang mit Wettbewerbsverzerrungen und fordert unter bestimmten Voraussetzungen Ausgleichszölle für ganze Warengruppen.
Der Vorstoß ist Teil einer verschärften China-Position des Verbandes. Am Montag, 24. August 2026, rückte die Forderung erneut in den Mittelpunkt. Der VDMA verlangt insbesondere, dass die Europäische Union schneller gegen nachgewiesene Subventionen oder Dumping vorgehen kann. Dabei geht es nicht um pauschale Zölle auf Maschinen aus China, sondern um handelspolitische Maßnahmen für betroffene Produktgruppen, wenn ausreichende Hinweise auf Wettbewerbsverzerrungen vorliegen.
Der Machtwechsel an der Spitze des Maschinenexports ist allerdings keine neue Entwicklung des Jahres 2026. China als Maschinenbauexporteur überholte Deutschland bereits 2020. Damals entfielen nach Berechnungen des VDMA 15,8 Prozent des weltweiten Maschinenaußenhandels auf China und 15,5 Prozent auf Deutschland. Seitdem hat sich der Abstand vergrößert.
Für 2023 weist der VDMA bei den 51 wichtigsten Maschinenexportländern einen weltweiten Maschinenhandel von rund 1,45 Billionen Euro aus. China kam dabei auf einen Anteil von 18,0 Prozent. Deutschland folgte mit 14,5 Prozent. Dahinter lagen die USA mit 8,8 Prozent, Japan mit 7,2 Prozent und Italien mit 6,7 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass Deutschland weiterhin zu den größten Maschinenexporteuren der Welt gehört, die frühere Spitzenposition aber verloren hat.
Auch bei der Produktion ist China inzwischen erheblich größer. Weltweit wurden 2024 nach VDMA-Schätzungen Maschinen und Anlagen im Wert von rund 3,26 Billionen Euro hergestellt. Etwa ein Drittel davon kam aus China. Die gesamte EU erreichte einen Anteil von rund 27 Prozent. Im Vergleich einzelner Staaten lag Deutschland bei der Maschinenproduktion hinter China und den USA auf Rang drei.
Die verschiedenen Prozentwerte dürfen dabei nicht miteinander verwechselt werden. Der Anteil am weltweiten Maschinenexport beschreibt den internationalen Handel. Der Anteil an der Produktion erfasst dagegen den Wert der hergestellten Maschinen unabhängig davon, ob diese exportiert oder im jeweiligen Heimatmarkt verkauft werden.
Für Deutschland ist die Verschiebung besonders relevant, weil der Maschinenbau stark vom Auslandsgeschäft lebt. Der VDMA beziffert die Exportquote der Branche mit rund 83 Prozent und das jährliche Exportvolumen zuletzt auf etwa 200 Milliarden Euro. 2024 entfiel gut ein Drittel aller Maschinenexporte der EU auf Deutschland.
Die jüngsten Zahlen für 2026 zeigen allerdings ein sehr unterschiedliches Bild zwischen den Absatzregionen. Im ersten Halbjahr exportierten Unternehmen aus Deutschland Maschinen und Anlagen im Wert von 99,3 Milliarden Euro. Nominal waren das 0,8 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Preisbereinigt betrug das Minus 2,5 Prozent. Ein kräftiges Exportwachstum im Juni verhinderte einen stärkeren Rückgang.
Besonders schwach entwickelte sich das Geschäft mit China. Die deutschen Maschinenexporte in die Volksrepublik sanken von Januar bis Juni 2026 um fast 14 Prozent auf gut sieben Milliarden Euro. In die USA wurden dagegen Maschinen im Wert von knapp 13 Milliarden Euro geliefert. Das entsprach einem leichten Plus von 0,5 Prozent. Die Ausfuhren in die übrigen EU-Staaten legten um 1,3 Prozent zu.
Damit verändert sich Chinas Rolle für deutsche Hersteller. Das Land bleibt ein bedeutender Absatzmarkt, ist gleichzeitig aber ein immer stärkerer Konkurrent. Chinesische Unternehmen verkaufen ihre Maschinen nicht nur im großen Heimatmarkt, sondern treten zunehmend auch auf europäischen und anderen internationalen Märkten gegen Hersteller aus Deutschland, Italien, Japan oder den USA an.
Der VDMA hat seine Forderungen gegenüber der Europäischen Union deshalb verschärft. Nach dem im Sommer 2026 aktualisierten China-Positionspapier sollen mögliche Ausgleichszölle nicht nur für sehr eng definierte Einzelprodukte geprüft werden. Der Verband schlägt vor, Verfahren auf die Ebene ganzer Warengruppen ausweiten zu können, etwa bei Bau-, Kunststoff- oder anderen Maschinen, sofern hinreichende Hinweise auf unfaire Wettbewerbspraktiken bestehen.
Der Verband führt dabei insbesondere staatliche Subventionen, Dumping und Währungsfragen als Probleme an. Diese Bewertungen sind Positionen des VDMA. Ob in einer konkreten Produktgruppe tatsächlich eine unzulässige Subventionierung oder schädigendes Dumping vorliegt, muss in einem handelspolitischen Verfahren festgestellt werden.
Nach den geltenden EU-Regeln können Ausgleichszölle nicht allein aufgrund eines allgemeinen Preisunterschieds verhängt werden. Die Europäische Kommission muss unter anderem prüfen, ob spezifische Subventionen bestehen, die europäische Industrie geschädigt wird und zwischen den subventionierten Importen und dem Schaden ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Erst danach sind Gegenmaßnahmen möglich.
Der VDMA hält die bestehenden Verfahren für zu langsam und fordert deshalb eine effizientere Anwendung der europäischen Handelsschutzinstrumente. Eine pauschale Abschottung vom chinesischen Markt verfolgt der Verband dagegen nicht. China bleibt sowohl Absatzmarkt als auch Produktionsstandort für zahlreiche deutsche Maschinenbauer.
Die Auseinandersetzung hat auch deshalb erhebliche wirtschaftspolitische Bedeutung, weil der Maschinen- und Anlagenbau zu den größten Industriebranchen Deutschlands gehört. Der VDMA beziffert die Zahl der Beschäftigten einschließlich kleinerer Unternehmen auf rund 1,2 Millionen. Damit bezeichnet der Verband den Maschinenbau als größten industriellen Arbeitgeber Deutschlands.
In amtlichen Statistiken fällt die Zahl niedriger aus, wenn nur Betriebe ab 50 Beschäftigten berücksichtigt werden. Ende 2024 waren dort rund 1,018 Millionen Menschen beschäftigt. Der Unterschied erklärt sich damit vor allem aus der jeweiligen statistischen Abgrenzung und ist angesichts der stark mittelständisch geprägten Branche erheblich.
Deutschland verfügt zugleich weiterhin über starke Positionen in spezialisierten Maschinenbaubereichen. Die europäische Industrie erreicht etwa bei Reinigungsanlagen, Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Landtechnik sowie Holzbearbeitungsmaschinen hohe Anteile am Welthandel. Der Wettbewerb verschiebt sich jedoch zunehmend auch in technologisch anspruchsvollere Segmente.
Die China-Debatte im Maschinenbau betrifft deshalb mehr als die Frage, welches Land in einer Exportstatistik auf Rang eins steht. Entscheidend für die Branche ist, ob deutsche und europäische Hersteller ihre Position bei hochwertigen Investitionsgütern behaupten können, während China seine Produktionskapazitäten, technologische Kompetenz und Präsenz auf internationalen Märkten weiter ausbaut. Zugleich bleibt der deutsche Maschinenbau auf offene Auslandsmärkte angewiesen. Die Herausforderung für die EU besteht damit darin, freien Handel zu erhalten und zugleich dort handelspolitisch einzugreifen, wo nach den geltenden Regeln tatsächlich Wettbewerbsverzerrungen nachgewiesen werden.
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