
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Montag, 24. August 2026, symbolisch den Schlüssel für seinen neuen Berliner Amtssitz am Spreebogen erhalten. Das Staatsoberhaupt und die Beschäftigten des Bundespräsidialamts arbeiten dort allerdings bereits seit mehreren Wochen. Der Umzug war Anfang Juli erfolgt. Ende Juli fand in dem Neubau bereits eine erste bedeutende Amtshandlung statt, als Steinmeier Bundesminister ernannte und entließ. Die Schlüsselübergabe markiert damit vor allem den offiziellen Abschluss des Neubauprojekts.
Der Amtssitz am Spreebogen ersetzt für mehrere Jahre Schloss Bellevue und das benachbarte Bundespräsidialamt. Beide Gebäude müssen grundlegend saniert werden. Der neue Standort an der Elisabeth-Abegg-Straße 2 liegt in Berlin-Moabit zwischen dem Bundeskanzleramt und dem Hauptbahnhof und damit weiterhin mitten im politischen Zentrum der Hauptstadt.
Der sechsgeschossige Neubau wurde als Bürogebäude für Bundesbehörden errichtet und für die besonderen Anforderungen des Bundespräsidenten ausgestattet. Neben Arbeitsplätzen für das Bundespräsidialamt verfügt er über Räume, die für Empfänge, politische Termine und andere repräsentative Veranstaltungen genutzt werden können.
Das Gebäude besteht weitgehend aus vorgefertigten Holzmodulen und fällt äußerlich durch seine farbige Fassade auf. Für den Bau wurden 382 Module verwendet. Nach Angaben des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung beziehungsweise den veröffentlichten Projektkosten beliefen sich die Ausgaben auf rund 205 Millionen Euro.
Diese Summe ist von den eigentlichen Sanierungskosten für Schloss Bellevue zu unterscheiden. Der Neubau wurde nicht ausschließlich für die Jahre des Interims errichtet. Nach der Rückkehr des Bundespräsidenten an den Spreeweg soll das Gebäude dauerhaft von Bundesbehörden genutzt werden. Bereits bei der Planung war diese spätere Verwendung vorgesehen.
Der Umzug ist notwendig, weil nicht nur das historische Schloss Bellevue, sondern das gesamte Areal mit dem Verwaltungsgebäude des Bundespräsidialamts, Sicherheitsanlagen, technischer Infrastruktur und Park umfassend erneuert werden soll. Für die Arbeiten ist derzeit ein Zeitraum von rund acht Jahren vorgesehen.
Damit wird Steinmeier selbst voraussichtlich nicht mehr als Bundespräsident in das sanierte Schloss zurückkehren. Seine zweite Amtszeit endet im März 2027. Auch seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger dürfte bei planmäßigem Bauverlauf die gesamte fünfjährige Amtszeit am Spreebogen verbringen.
Der Sanierungsbedarf geht deutlich über Schönheitsreparaturen hinaus. Am historischen Schloss bestehen bauliche und technische Probleme. Dazu gehören ein undichtes Dach, teilweise nicht mehr ausreichend funktionierende Lüftungsanlagen, Risse an der Fassade und Korrosionsschäden. Zugleich müssen Sicherheitsstandards, Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit an heutige Anforderungen angepasst werden.
Auch das Ende der 1990er Jahre errichtete Verwaltungsgebäude des Bundespräsidialamts wird umfassend modernisiert. Dort sollen unter anderem Brandschutz, Gebäudetechnik, Versorgungsinfrastruktur und Notstromsysteme erneuert werden. Zudem sind eine neue Hauptwache und Technikzentrale sowie Arbeiten an der denkmalgeschützten Parkanlage vorgesehen.
Für das Gesamtprojekt auf dem Bellevue-Areal sind nach der aktuellen Planung zunächst 601 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen 146 Millionen Euro auf Schloss Bellevue selbst. Weitere 120 Millionen Euro sind für das Verwaltungsgebäude des Bundespräsidialamts eingeplant. Der Neubau von Hauptwache und Technikzentrale wird mit 173 Millionen Euro kalkuliert. Für die technische Infrastruktur und Arbeiten an den Außenanlagen sind 162 Millionen Euro vorgesehen.
Hinzu kommen finanzielle Vorsorgeposten. Für noch nicht absehbare Risiken wurden 188 Millionen Euro eingeplant. Weitere 71 Millionen Euro dienen als Vorsorge für mögliche Baupreissteigerungen. Sollte dieser gesamte Rahmen benötigt werden, würden sich die Ausgaben für die Arbeiten am Bellevue-Komplex auf bis zu 860 Millionen Euro erhöhen. Diese zusätzlichen 259 Millionen Euro sind allerdings keine bereits feststehenden Mehrkosten. Sie bilden Reserven für Risiken und Preisentwicklungen während der langen Bauzeit.
Rechnet man den rund 205 Millionen Euro teuren Neubau am Spreebogen hinzu, erreicht das mit dem Umzug und der Sanierung verbundene Bauvolumen rechnerisch mehr als eine Milliarde Euro. Eine solche Addition benötigt jedoch eine wichtige Einschränkung: Der Interimsbau bleibt dem Bund erhalten und soll anschließend dauerhaft von anderen Bundesbehörden genutzt werden. Seine Kosten können deshalb nicht vollständig als Sanierungskosten von Schloss Bellevue bezeichnet werden.
Das 1785 errichtete Schloss Bellevue dient seit 1994 als erster Amtssitz des Bundespräsidenten. Schon 2004 und 2005 wurde das Gebäude saniert. Wegen des damals engen Zeitrahmens von etwa 20 Monaten konnten jedoch nicht sämtliche notwendigen Arbeiten umgesetzt werden. Hinzu kommen mittlerweile neue technische, energetische und sicherheitsbezogene Anforderungen.
Während der kommenden Jahre verlagert sich damit ein Teil der staatlichen Repräsentation innerhalb des Berliner Regierungsviertels. Staatsgäste, Ernennungen, Empfänge und weitere Termine des Bundespräsidenten finden nun regelmäßig im modernen Neubau am Spreebogen statt. Der zweite Amtssitz des Bundespräsidenten, die Villa Hammerschmidt in Bonn, bleibt davon unberührt. Sie ist seit dem Umzug des Verfassungsorgans nach Berlin weiterhin der Bonner Amtssitz des Staatsoberhaupts.
Mit der Schlüsselübergabe am 24. August ist der Wechsel vom historischen Schloss in den Interimsbau nun auch offiziell sichtbar vollzogen. Für Schloss Bellevue beginnt dagegen ein Bauprojekt, das weit über Steinmeiers verbleibende Amtszeit hinausreichen wird und nach derzeitiger Planung erst Mitte der kommenden Dekade abgeschlossen sein dürfte.
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