Hitzesommer kostet Milliarden: Was hinter der Greenpeace-Schätzung steckt

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Hitze, Trockenheit, Ernteverluste und niedrige Flusspegel haben Deutschland im Sommer 2026 wirtschaftlich stark belastet. Greenpeace beziffert die volkswirtschaftlichen Folgen in einer am Montag veröffentlichten Analyse auf 36 bis 42 Milliarden Euro. Die oft genannte Untergrenze von 36 Milliarden Euro entspricht nach Berechnung der Umweltorganisation etwa 0,8 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung. Die Schäden des Hitzesommers 2026 sind allerdings keine nachträglich addierte Bilanz tatsächlich abgerechneter Verluste. Ein erheblicher Teil beruht auf Modellrechnungen, Hochrechnungen und Erfahrungswerten aus früheren Hitze- und Dürrejahren.

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Die größte Einzelposition betrifft nach der Analyse die Arbeitswelt. Hinzu kommen Schäden in Land und Forstwirtschaft, Gesundheitskosten, wirtschaftliche Folgen des Rhein-Niedrigwassers, Belastungen der Verkehrswege und langfristig angenommene Folgen für Bildung und Humankapital. Greenpeace bezeichnet die Summe ausdrücklich als Größenordnung und nicht als punktgenaue Endabrechnung. Einige Auswirkungen des Sommers sind noch gar nicht eingerechnet.

Arbeitsproduktivität bildet den größten Kostenblock

Für Produktivitätsverluste und Arbeitsausfälle setzt Greenpeace rund 10,8 Milliarden Euro an. Grundlage ist eine 2026 veröffentlichte Prognos-Untersuchung für das Bundesarbeitsministerium. Danach verursacht ein Tag mit mindestens 30 Grad Tageshöchsttemperatur bundesweit direkte betriebswirtschaftliche Kosten von rund 431 Millionen Euro. Rund 97 Prozent davon entfallen laut Prognos auf niedrigere Produktivität während der Arbeit. Hinzu kommen Arbeitsausfälle und Arbeitsunfälle. Prognos berechnet außerdem etwa 76.500 zusätzliche Fehltage je Hitzetag.

Die Übertragung auf den Sommer 2026 enthält jedoch eine wichtige Annahme. Greenpeace arbeitet mit 25 Hitzetagen für Deutschland. Weil bundesweite Tagesdaten nach Darstellung der Analyse zum Berechnungszeitpunkt nicht entsprechend verfügbar waren, leitete die Organisation diesen Wert aus Temperaturdaten für Hessen ab. Dort wurden bis zum 18. August 46 Hitzetage gezählt. Unter der Annahme, dass Hessen gewöhnlich deutlich mehr Hitzetage als der Bundesdurchschnitt verzeichnet, errechnet Greenpeace für Deutschland eine Spanne von 23 bis 27 Tagen und verwendet 25 Tage als Mittelwert. 25 mal 431 Millionen Euro ergeben rund 10,8 Milliarden Euro.

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Damit ist der Betrag nachvollziehbar berechnet, hängt aber unmittelbar davon ab, ob die angenommene Zahl bundesweiter Hitzetage und die Übertragbarkeit der Prognos-Kosten auf das gesamte Jahr zutreffen.

Gesundheit verursacht Milliardenkosten

Ein weiterer großer Block sind gesundheitliche Folgen. Das Robert Koch-Institut schätzte bis einschließlich 9. August rund 14.000 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland. Solche Zahlen beruhen nicht darauf, dass auf Totenscheinen zwingend Hitze als Todesursache eingetragen wird. Das RKI ermittelt anhand statistischer Modelle, wie stark die Sterblichkeit während Hitzeperioden gegenüber erwartbaren Werten ansteigt. Besonders betroffen waren 2026 ältere Menschen.

Greenpeace übersetzt diese gesundheitlichen Folgen teilweise in Geldwerte. Für die geschätzten Todesfälle nimmt die Analyse einen durchschnittlichen Verlust von 2,5 Lebensjahren an. Daraus ergeben sich etwa 35.000 verlorene Lebensjahre. Diese werden mit einem gesundheitsökonomischen Wert eines statistischen Lebensjahres von 197.000 Euro bewertet. So entsteht ein Betrag von rund 6,9 Milliarden Euro.

Dabei handelt es sich nicht um tatsächliche Zahlungen oder entstandene Rechnungen. Das Konzept bewertet statistisch, wie viel eine Gesellschaft zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken und zum Erhalt von Lebenszeit aufzuwenden bereit ist. Solche Verfahren sind in der Gesundheitsökonomie etabliert, bleiben aber von konkreten Behandlungskosten zu unterscheiden.

Zusätzlich setzt Greenpeace rund 1,54 Milliarden Euro für Belastungen des Gesundheitssystems an. Dieser Wert ist stärker modellabhängig. Die Organisation leitet aus 25 angenommenen Hitzetagen etwa 1,91 Millionen zusätzliche Fehltage ab. Deren Anteil an allen krankheitsbedingten Fehltagen wird anschließend auf die gesamten Gesundheitsausgaben übertragen. Greenpeace weist selbst darauf hin, dass dabei unterschiedliche Effekte zusammenwirken und Teile der regulären Gesundheitsausgaben unabhängig von Hitze entstehen.

Landwirtschaft leidet unter Trockenheit und Hitze

Für die Landwirtschaft errechnet Greenpeace Schäden von rund 3,4 Milliarden Euro. Eine wesentliche Grundlage liefert die Erntebilanz 2026 des Deutschen Bauernverbands. Der Verband erwartete eine Getreideernte von etwa 41,9 Millionen Tonnen, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Der durchschnittliche Ertrag je Hektar lag demnach neun Prozent unter dem Vorjahresniveau. Als Ursachen nannte der Verband unter anderem das trockene Frühjahr und die Hitze während der Kornfüllungsphase.

Greenpeace geht für seine Rechnung darüber hinaus von einem Rückgang des Produktionswerts pflanzlicher Erzeugnisse um zehn Prozent aus. Als Vergleich dient ein durchschnittlicher Produktionswert der vergangenen drei Jahre von 34,4 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich rechnerisch der Schaden von 3,4 Milliarden Euro. Preisveränderungen werden dabei nicht berücksichtigt, da die Analyse den Verlust an produzierter Menge abbilden will.

Gerade hier zeigt sich der Unterschied zwischen beobachteten Daten und Modellannahmen. Der Rückgang der Getreideerträge ist bereits statistisch beziehungsweise durch die Erntebilanz greifbar. Die pauschale Übertragung eines zehnprozentigen Produktionsrückgangs auf sämtliche pflanzlichen Erzeugnisse ist dagegen eine Annahme der Greenpeace-Berechnung.

Wald und Infrastruktur sind besonders schwer zu beziffern

Für Schäden am Waldbestand veranschlagt Greenpeace fünf bis 7,5 Milliarden Euro. Grundlage sind Erfahrungen aus den Trockenjahren ab 2018. Damals entstanden über mehrere Jahre erhebliche Verluste durch Trockenstress, abgestorbene Bäume und Schadholz. Für 2026 nimmt Greenpeace an, dass die Auswirkungen mindestens eine Größenordnung erreichen könnten, die einem Drittel bis zur Hälfte der früher ermittelten Schäden entspricht.

Diese Position gehört zu den unsichereren Teilen der Gesamtrechnung. Schäden an Wäldern zeigen sich häufig erst Monate oder Jahre später. Wie viele Bäume dauerhaft geschädigt sind und welche wirtschaftlichen Verluste daraus entstehen, lässt sich Ende August noch nicht abschließend bestimmen.

Ähnliches gilt für Straßen und Schienen. Greenpeace nennt eine Spanne von 1,8 bis 3,7 Milliarden Euro. Dafür wird der staatliche Kapitalstock von Straßen, Brücken und Schienen zugrunde gelegt und angenommen, dass die extreme Hitze dessen Nutzungsdauer geringfügig verkürzt. Konkret arbeitet die Organisation mit einer zusätzlichen Abschreibung von 0,15 bis 0,3 Prozent. Diese Annahme entspricht rechnerisch einer um wenige Monate verkürzten Lebensdauer der Infrastruktur. Eine bundesweite Schadensbilanz tatsächlich reparierter Hitzeprobleme liegt dieser Milliardenposition nicht zugrunde.

Niedrigwasser belastet Industrie und Lieferketten

Weitere 3,4 bis 4,5 Milliarden Euro ordnet Greenpeace dem Niedrigwasser des Rheins zu. Dafür greift die Organisation auf Untersuchungen des Instituts für Weltwirtschaft zu den wirtschaftlichen Folgen des extremen Niedrigwassers von 2018 zurück. Damals zeigte sich ein Zusammenhang zwischen langen Phasen mit sehr niedrigen Pegeln am Mittelrhein und sinkender Industrieproduktion.

Für 2026 überträgt Greenpeace diese Zusammenhänge auf die Zahl der Tage, an denen der Pegel in Kaub unter einer zuvor verwendeten kritischen Marke lag. Je nachdem, ob diese Situation 45 oder 60 Tage dauert, ergibt sich die genannte Kostenspanne. Auch dieser Betrag ist daher eine Szenariorechnung und keine bereits festgestellte Schadenssumme.

Warum die 36 Milliarden Euro keine exakte Rechnung sind

Die Greenpeace-Analyse verbindet sehr unterschiedliche ökonomische Größen. Dazu gehören unmittelbar entgangene Produktion, langfristige Schäden an Vermögenswerten, zusätzliche Gesundheitsausgaben und statistisch bewertete verlorene Lebensjahre. Die einzelnen Positionen beruhen zudem auf unterschiedlichen Datensätzen und Zeiträumen.

Das erschwert einen direkten Vergleich der Beträge. Besonders große Unsicherheiten entstehen dort, wo Werte aus dem Dürresommer 2018 auf 2026 übertragen oder bundesweite Größen aus regionalen Daten abgeleitet werden. Auch Annahmen zur künftigen Lebensdauer von Straßen und Schienen können derzeit nicht durch eine vollständige Schadensaufnahme bestätigt werden. Greenpeace macht diese Einschränkungen in der Untersuchung selbst kenntlich und bezeichnet die Berechnung als Abschätzung der Größenordnung.

Dass Hitze und Trockenheit erhebliche wirtschaftliche Kosten verursachen können, ist dagegen durch frühere Untersuchungen gut dokumentiert. Das Umweltbundesamt beziffert die Schäden der Hitze- und Dürrejahre 2018 und 2019 in Deutschland auf rund 9,5 beziehungsweise elf Milliarden Euro. Für sämtliche klimawandelbezogenen Schäden zwischen 2000 und 2021 wurden mindestens 145 Milliarden Euro ermittelt. Die Größen unterscheiden sich allerdings je nach Untersuchungsmethode erheblich und sind deshalb nicht unmittelbar mit der Greenpeace-Rechnung vergleichbar.

Die Summe von 36 bis 42 Milliarden Euro sollte deshalb weder als amtlich bestätigte Endbilanz noch als frei gewählte Zahl verstanden werden. Sie ist eine modellbasierte Schätzung, die mehrere wissenschaftlich belegte Zusammenhänge mit Annahmen über den außergewöhnlichen Sommer 2026 verbindet. Wie hoch der endgültige volkswirtschaftliche Schaden tatsächlich ausfällt, kann erst mit vollständigeren Daten zu Ernten, Produktion, Infrastruktur, Waldschäden und Gesundheitskosten genauer bestimmt werden.

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