
Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Halbjahr 2026 wieder zugelegt, doch von einem kräftigen Aufschwung kann noch keine Rede sein. Gleichzeitig steigen die staatlichen Ausgaben erheblich. Mehr Geld für Verteidigung, Infrastruktur und Sozialleistungen soll die Wirtschaft teilweise stützen, führt aber zusammen mit Steuerentlastungen und höheren Zinskosten zu einem deutlich größeren Staatsdefizit. Die Deutsche Konjunktur und Staatsfinanzen entwickeln sich damit im August 2026 in unterschiedliche Richtungen: Die Wirtschaftsleistung wächst moderat, während die öffentlichen Haushalte expansiver ausgerichtet sind.
Nach der Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes vom 30. Juli 2026 erhöhte sich das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Zugleich wurde das Wachstum für das erste Quartal von zuvor 0,3 auf 0,4 Prozent nach oben revidiert. Im ersten Halbjahr lag die Wirtschaftsleistung damit nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums knapp ein Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
Im zweiten Quartal kamen positive Impulse vor allem aus dem Außenhandel. Auch die Außenhandelszahlen für Juni zeigen eine vergleichsweise robuste Nachfrage. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die kalender- und saisonbereinigten Exporte im Juni gegenüber Mai um 0,9 Prozent auf 139,3 Milliarden Euro. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 lagen die Warenausfuhren 3,7 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert.
Die Bundesbank wertete die Entwicklung in ihrem Monatsbericht vom 20. August als Zeichen einer festeren wirtschaftlichen Grundtendenz. Sie verweist zugleich auf weiterhin niedrige Kapazitätsauslastungen in der Industrie, eine schwache Wohnungsnachfrage sowie Belastungen des privaten Konsums durch höhere Energiepreise und die Lage am Arbeitsmarkt. Für das dritte Quartal erwartet die Bundesbank deshalb lediglich eine verhaltene Entwicklung. Zusätzliche Belastungen könnten von niedrigen Wasserständen wichtiger Binnenwasserstraßen und daraus resultierenden höheren Transportkosten ausgehen.
Die Prognosen für das Gesamtjahr liegen deutlich unter den Wachstumsraten, die für einen kräftigen Aufschwung typisch wären. Die Bundesregierung erwartet in ihrer Frühjahrsprojektion vom 22. April 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Im Januar hatte sie noch mit 1,0 Prozent gerechnet. Für 2027 sieht die Frühjahrsprojektion einen Zuwachs von 0,9 Prozent vor.
Die Bundesbank prognostizierte im Juni für 2026 ein reales BIP-Wachstum von 0,7 Prozent. Diese Prognose beruhte allerdings auf einem Datenstand vor der späteren Aufwärtsrevision des ersten Quartals. Im August stellte die Bundesbank deshalb fest, dass sich die Wirtschaft bislang robuster entwickelt habe als in ihrer Juni-Prognose unterstellt. Eine neue vollständige Jahresprognose legte sie im August jedoch nicht vor.
Auch die Wirtschaftsforschungsinstitute liegen mit ihren Prognosen in einer ähnlichen Größenordnung. Das ifo Institut rechnete in seiner Sommerprognose mit einem Wachstum von 0,8 Prozent im Jahr 2026. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartete im Juni dagegen lediglich 0,5 Prozent. Das DIW verwies insbesondere auf Belastungen durch höhere Energiepreise, während die expansive Finanzpolitik die Konjunktur stütze. Die Unterschiede zeigen, dass die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf mit beträchtlichen Unsicherheiten verbunden bleibt.
Deutlich stärker als die Wirtschaftsleistung wachsen derzeit die staatlichen Ausgaben. Nach Angaben der Bundesbank lag das gesamtstaatliche Defizit 2025 bei 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für 2026 erwartet die Notenbank eine Defizitquote von rund 4 Prozent. Bis 2028 könnte die Quote nach ihrer Juni-Prognose auf etwa 5 Prozent steigen. Dabei handelt es sich um Prognosen und nicht um bereits feststehende Defizitwerte.
Auch das DIW erwartet für 2026 eine deutliche Ausweitung des Finanzierungssaldos. In seiner Sommerprognose veranschlagt das Institut das gesamtstaatliche Defizit auf rund 179 Milliarden Euro beziehungsweise 3,9 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts. Für 2027 prognostiziert das DIW 203,3 Milliarden Euro beziehungsweise 4,3 Prozent. Die Größenordnung für 2026 liegt damit nahe an der Einschätzung der Bundesbank.
Nach Analyse der Bundesbank geht der Anstieg vor allem auf höhere Ausgaben zurück. Besonders stark wachsen die Aufwendungen für Verteidigung. Hinzu kommen höhere Investitionen in die Infrastruktur sowie steigende Ausgaben für Renten, Gesundheit und Pflege. Auch staatliche Transfers, steuerliche Entlastungen und zunehmende Zinsausgaben belasten den Finanzierungssaldo.
Die Finanzpolitik soll zugleich einen Teil der konjunkturellen Schwäche ausgleichen und das Wachstumspotenzial erhöhen. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums sind für 2026 im Kernhaushalt, im Klima- und Transformationsfonds und über das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zusammen rund 128,7 Milliarden Euro an investiven beziehungsweise für das Sondervermögen vorgesehenen Ausgaben eingeplant. Im Bundeshaushalt selbst sind Investitionen von 58,4 Milliarden Euro veranschlagt.
Für das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sind 2026 nach den Haushaltsangaben 48,1 Milliarden Euro vorgesehen, wenn die Zuweisung an den Klima- und Transformationsfonds herausgerechnet wird. Der Klima- und Transformationsfonds umfasst weitere investive Ausgaben von 22,3 Milliarden Euro. Gegenüber dem Soll für 2025 steigt das entsprechende Investitionsvolumen nach Angaben des Bundesfinanzministeriums um rund 13,1 Milliarden Euro.
Ob die bereitgestellten Mittel kurzfristig vollständig als zusätzliche Nachfrage in der Wirtschaft ankommen, hängt auch von ihrer tatsächlichen Umsetzung ab. Das Bundesfinanzministerium verweist selbst auf schnellere Genehmigungsverfahren und Bürokratieabbau als Voraussetzungen für einen zügigen Mittelabfluss. Mittel- und langfristig sollen Investitionen in Verkehrswege, Energieinfrastruktur, Digitalisierung und weitere öffentliche Infrastruktur zugleich die Produktionsmöglichkeiten der Wirtschaft verbessern.
In den aktuellen Prognosen nimmt der Staat damit eine ungewöhnlich wichtige Rolle für die konjunkturelle Entwicklung ein. Die Bundesregierung erwartet für 2026 einen nominalen Anstieg der staatlichen Konsumausgaben um 5,2 Prozent und der gesamten Bruttoanlageinvestitionen um 4,7 Prozent. Das ifo Institut prognostiziert real einen Anstieg des Staatskonsums um 2,4 Prozent. Auch die Bundesbank sieht höhere Ausgaben für Verteidigung und Bauprojekte als stützenden Faktor.
Die zusätzliche Nachfrage trifft allerdings auf eine Wirtschaft, deren strukturelle Probleme nicht allein durch höhere Staatsausgaben verschwinden. Niedrige private Investitionen, schwache Kapazitätsauslastung in Teilen der Industrie, demografische Belastungen und eine geringe Dynamik des Produktionspotenzials begrenzen das längerfristige Wachstum. Die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognose für 2026 deshalb bereits im April von 1,0 auf 0,5 Prozent halbiert.
Für die deutsche Volkswirtschaft ergibt sich im August 2026 somit ein gemischtes Bild. Nach zwei Quartalen mit positiver Entwicklung hat sich die unmittelbare Konjunkturlage gegenüber den vorherigen Erwartungen verbessert. Mit 0,4 Prozent Wachstum im ersten und 0,2 Prozent im zweiten Quartal ist die Erholung bislang jedoch moderat. Für das Gesamtjahr reichen die aktuellen Prognosen von 0,5 Prozent beim DIW und bei der Bundesregierung über 0,7 Prozent bei der Bundesbank bis zu 0,8 Prozent beim ifo Institut.
Parallel dazu verschiebt sich die Rolle der Finanzpolitik. Zusätzliche Investitionen und Verteidigungsausgaben erhöhen kurzfristig die staatliche Nachfrage und können die Konjunktur stützen. Gleichzeitig wächst das gesamtstaatliche Defizit nach den Prognosen deutlich schneller als die Wirtschaftsleistung. Die Bundesbank erwartet für 2026 eine Defizitquote von rund 4 Prozent nach 2,8 Prozent im Jahr 2025. Damit wird der wirtschaftliche Erholungskurs zunehmend von einer expansiven Finanzpolitik begleitet, deren langfristige Wirkung wesentlich davon abhängt, wie stark die zusätzlichen Ausgaben tatsächlich Investitionen, Produktivität und Wachstumspotenzial erhöhen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu