Gefälschte Nachrichtenseite nimmt Sven Schulze vor Landtagswahl ins Visier

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Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind im Internet gefälschte Beiträge aufgetaucht, die den Eindruck erwecken sollen, von der Süddeutschen Zeitung zu stammen. Im Mittelpunkt steht Sachsen-Anhalts Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze. Die in seinem Namen verbreiteten schweren Vorwürfe sind nach Angaben der Süddeutschen Zeitung erfunden. Die Redaktion hat inzwischen rechtliche und technische Schritte gegen die Fälschung eingeleitet.

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Die gefälschte SZ-Seite gegen Sven Schulze war dem Internetauftritt der Zeitung detailliert nachempfunden. Verwendet wurden unter anderem Gestaltungselemente, Autorenangaben und Verlinkungen, die den Eindruck eines echten journalistischen Angebots vermitteln sollten. Auch ein Video wurde im Erscheinungsbild der Zeitung verbreitet. Die tatsächliche Internetadresse unterschied sich jedoch von der offiziellen Domain sueddeutsche.de.

Schulze selbst bezeichnete die verbreiteten Inhalte gegenüber der Volksstimme als bewusst gesteuerte Falschmeldungen, die nach seiner Einschätzung darauf zielten, die Wahl zu beeinflussen. Die Süddeutsche Zeitung stellte ebenfalls klar, dass die angebliche Recherche nicht aus ihrer Redaktion stammt und die gegen Schulze erhobenen Behauptungen nicht zutreffen. Damit liegen Stellungnahmen sowohl des Betroffenen als auch des missbrauchten Mediums vor.

Landeskriminalamt: Keine Ermittlungen gegen Schulze

Die gefälschte Veröffentlichung enthielt schwere strafrechtlich relevante Behauptungen über Schulze. Auf eine Wiedergabe der Einzelheiten wird hier verzichtet, weil dies die erfundenen Anschuldigungen unnötig weiterverbreiten würde.

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Nach Berichten unter anderem des Tagesspiegels und weiterer Medien erklärte das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt auf Anfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland, die Vorwürfe seien frei erfunden. Demnach gebe es keine entsprechenden Ermittlungen gegen den Ministerpräsidenten. Eine unabhängige amtliche Veröffentlichung des LKA zu dem Vorgang war zunächst nicht öffentlich auffindbar.

Schulze ist seit dem 28. Januar 2026 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Der CDU-Politiker folgte auf Reiner Haseloff. Die Landtagswahl findet am 6. September 2026 statt. Rund 1,69 Millionen Menschen sind nach Angaben der Landeswahlleitung voraussichtlich wahlberechtigt.

Süddeutsche Zeitung stellt Strafantrag

Die Süddeutsche Zeitung reagierte nach eigenen Angaben mit mehreren Maßnahmen auf die gefälschte Website. Das Medienhaus stellte Strafantrag gegen unbekannt und nennt dabei unter anderem mögliche Markenverletzungen, Verleumdung und üble Nachrede. Zudem meldete die Redaktion Beiträge bei der Plattform X sowie die gefälschte Internetseite bei Google und Microsoft. Auch der zuständige Domainanbieter wurde informiert.

Nach Angaben der Zeitung war die betreffende Domain anschließend nicht mehr erreichbar. Ob die Sperrung unmittelbar auf die Intervention der SZ zurückging oder andere Gründe hatte, blieb nach Darstellung des Medienhauses offen. Die Zeitung weist darauf hin, dass echte Beiträge ausschließlich unter ihrer offiziellen Domain veröffentlicht werden.

Der Fall zeigt zugleich eine bekannte Methode digitaler Desinformation: Statt lediglich einzelne Bilder oder Social-Media-Beiträge zu manipulieren, werden komplette Nachrichtenangebote nachgebaut. Ähnliche Vorgehensweisen beschreibt auch das Auswärtige Amt seit Jahren. Dabei können Logos, Webseiten und audiovisuelle Inhalte so gestaltet werden, dass sie auf den ersten Blick wie Beiträge etablierter Medien wirken.

Hinweise auf bekannte Desinformationsmuster

Mehrere Medien ordnen den Angriff gegen Schulze dem Umfeld der Kampagne „Storm 1516“ zu. Auch die Süddeutsche Zeitung berichtet unter Berufung auf den Verfassungsschutz über entsprechende Vermutungen. Eine öffentlich dokumentierte amtliche Feststellung, wonach gerade die gefälschte Schulze-Seite eindeutig von einer bestimmten russischen Stelle erstellt oder beauftragt worden sei, lag zunächst jedoch nicht vor.

Die grundsätzliche Bedrohung durch „Storm 1516“ ist dagegen behördlich dokumentiert. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beschrieb die Kampagne bereits im Zusammenhang mit der Bundestagswahl 2025. Demnach wurden Artikel und Videos über ein Netzwerk vermeintlicher Nachrichtenseiten verbreitet. Inhalte seien dabei teilweise mit Unterstützung künstlicher Intelligenz produziert worden.

Noch weiter ging die Bundesregierung im Dezember 2025. Das Auswärtige Amt erklärte nach einem nationalen Attribuierungsverfahren, Russland habe durch „Storm 1516“ versucht, die Bundestagswahl und fortlaufend die inneren Angelegenheiten Deutschlands zu beeinflussen und zu destabilisieren. Diese Aussage betrifft die Kampagne als solche, belegt aber nicht automatisch die Urheberschaft hinter jedem späteren Einzelbeitrag.

Bundesregierung warnte bereits vor Wahl-Desinformation

Auch im Vorfeld der Landtagswahlen 2026 beobachten die Sicherheitsbehörden verstärkt manipulierte politische Inhalte. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte am 5. August, die Bundesregierung habe die unter dem Namen „Matrjoschka“ bekannte Kampagne im Blick. In den verbreiteten Videos würden Kandidaten unter anderem mit erfundenen Vorwürfen zu Korruption, Sucht oder anderen persönlichen Verfehlungen in Verbindung gebracht. Die damalige Reichweite bezeichnete das Ministerium als vergleichsweise gering, zugleich aber die Kampagne ausdrücklich als ernst zu nehmen.

Auf die Frage, ob diese konkrete Kampagne aus Russland gesteuert werde, erklärte das Bundesinnenministerium zu diesem Zeitpunkt, dafür lägen keine Informationen vor, die eine eindeutige Aussage ermöglichten. Das Auswärtige Amt verwies zugleich darauf, dass Deutschland andere Desinformationskampagnen zuvor mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Russland zugeschrieben habe.

Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt informiert vor der Landtagswahl ebenfalls über Desinformation und hybride Bedrohungen. Die Landeswahlleitung hat entsprechende Hinweise in ihr Informationsangebot zur Wahl aufgenommen. Die Abstimmung über den neuen Landtag findet am Sonntag, 6. September 2026, statt.

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