Europas Banken schrumpfen: Digitalisierung verändert eine ganze Branche

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Europas Banken beschäftigen heute erheblich weniger Menschen als noch vor 15 Jahren. Eine aktuelle Auswertung von Daten der Europäischen Zentralbank beziffert den Rückgang zwischen 2010 und 2025 auf 921.903 Beschäftigte. Ende 2025 arbeiteten demnach noch rund 2,13 Millionen Menschen bei Kreditinstituten in der Europäischen Union. Hinter der Entwicklung stehen ein jahrelanger Umbau der Branche, weniger Filialen, Fusionen und eine immer stärkere Verlagerung klassischer Bankgeschäfte ins Internet.

Anzeige

Die Zahl von fast einer Million weniger Beschäftigten beschreibt allerdings einen langen Zeitraum, in dem sich auch die Zusammensetzung der Europäischen Union verändert hat. Sie eignet sich deshalb vor allem als Größenordnung für den strukturellen Wandel. Eindeutig ist der langfristige Trend in den einzelnen großen Bankenmärkten: In Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich arbeiten heute deutlich weniger Menschen in Kreditinstituten als 2010.

EZB zählt 2025 noch 2,13 Millionen Bankbeschäftigte

Nach den jüngsten Strukturindikatoren der Europäischen Zentralbank lag die Zahl der Beschäftigten bei Kreditinstituten in der EU Ende 2025 bei 2.130.467. Allein innerhalb des Jahres 2025 ging die Beschäftigung EU-weit um 0,8 Prozent zurück. In 16 der 27 Mitgliedstaaten sank die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Damit setzte sich der langfristige Stellenabbau fort, allerdings nicht mehr in jedem Jahr mit derselben Geschwindigkeit. 2024 hatte die EZB sogar einen leichten Beschäftigungsanstieg festgestellt. Schon damals verwies sie darauf, dass sich der seit der Finanzkrise beobachtete Abwärtstrend zuletzt abgeschwächt hatte. Von einer gleichmäßigen Schrumpfung Jahr für Jahr kann deshalb keine Rede sein.

Anzeige

Die langfristige Veränderung bleibt dennoch erheblich. Eine auf EZB-Daten gestützte Auswertung der italienischen Bankengewerkschaft Fabi kommt für den Zeitraum von 2010 bis 2025 auf 921.903 weniger Beschäftigte und damit auf einen Rückgang von rund 30 Prozent. Die Größenordnung verdeutlicht, wie stark sich das Geschäftsmodell vieler Banken seit der Finanzkrise verändert hat.

Filialnetz in Europa wird immer dünner

Parallel zur Beschäftigung ist auch die Zahl der Bankfilialen deutlich gesunken. Ende 2025 zählte die EZB in der Europäischen Union noch 122.889 Bankstellen. Gegenüber dem Vorjahr waren das 2,62 Prozent weniger. In 23 der 27 EU-Staaten nahm die Zahl der Standorte ab.

Der Filialabbau gehört zu den sichtbarsten Folgen der Digitalisierung. Überweisungen, Daueraufträge, Wertpapiergeschäfte, Kreditanfragen und viele weitere Dienstleistungen lassen sich inzwischen über Apps oder Onlinebanking erledigen. Für standardisierte Vorgänge benötigen Banken deshalb weniger Schalter, weniger Kassenbereiche und weniger flächendeckende Standorte.

Die EZB sieht die zunehmende Nutzung von Online- und Mobile-Banking als einen wesentlichen Faktor hinter dem Rückgang der Bankstellen. Hinzu kommen Kostendruck und Zusammenschlüsse zwischen Instituten. Bei Fusionen werden häufig Verwaltungsbereiche zusammengelegt und Filialnetze überprüft, wenn mehrere Standorte dieselben Regionen bedienen.

Deutschland verliert seit 2010 rund 95.000 Bankstellenjobs

Auch Deutschland folgt diesem europäischen Trend. Nach den Daten der EZB sank die Zahl der Beschäftigten bei Kreditinstituten von 615.616 im Jahr 2010 auf 520.449 im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang um rund 95.000 Personen beziehungsweise etwa 15 Prozent.

Gleichzeitig hat sich das deutsche Filialnetz stark verkleinert. Die Deutsche Bundesbank zählte Ende 2025 noch 16.799 inländische Zweigstellen. Ein Jahr zuvor waren es 17.870. Innerhalb eines Jahres verschwanden damit 1.071 Standorte, ein Rückgang um sechs Prozent.

Die Bundesbank nennt ausdrücklich Digitalisierung, Kostendruck und verändertes Kundenverhalten als Ursachen. Auch die Zahl der Institute nimmt weiter ab. Ende 2025 gab es in Deutschland noch 1.329 Kreditinstitute. Allein im Jahresverlauf verringerte sich ihre Zahl netto um 39, vor allem durch Fusionen.

Spanien stärker betroffen als Deutschland und Frankreich

Zwischen den großen europäischen Bankenmärkten gibt es deutliche Unterschiede. Besonders ausgeprägt war der Rückgang in Spanien. Dort sank die Zahl der Bankbeschäftigten von 261.389 im Jahr 2010 auf 166.231 im Jahr 2025. Das entspricht einem Minus von rund 36 Prozent.

In Italien ging die Beschäftigung im gleichen Zeitraum von etwa 321.000 auf 257.966 zurück, also um rund 20 Prozent. Frankreich verzeichnete einen vergleichsweise moderaten Rückgang von 412.933 auf 378.127 Beschäftigte. Das entspricht etwa acht Prozent.

Die Unterschiede zeigen, dass Digitalisierung allein den Stellenabbau nicht vollständig erklärt. Auch die Struktur der nationalen Bankenmärkte, frühere Finanzkrisen, Fusionen, Sanierungsprogramme und die Geschwindigkeit bei der Konsolidierung spielen eine Rolle.

Für Kunden verschiebt sich Beratung ins Digitale

Für Bankkunden bedeutet der Umbau vor allem weniger persönliche Anlaufstellen. Besonders in ländlichen Regionen können längere Wege zur nächsten Filiale entstehen. Bargeldversorgung, persönliche Beratung und Dienstleistungen für Menschen, die Onlineangebote nur eingeschränkt nutzen, werden damit zu wichtigen Fragen der Versorgung.

Gleichzeitig haben digitale Angebote viele Bankgeschäfte schneller und unabhängig von Öffnungszeiten gemacht. Banken investieren deshalb stärker in Apps, IT-Sicherheit, Datenanalyse und digitale Beratung. Der Beschäftigungsabbau bedeutet nicht, dass sämtliche Tätigkeiten ersatzlos verschwinden. Gefragt sind zunehmend Fachkräfte für Softwareentwicklung, Cybersecurity, Regulierung, Datenanalyse und digitale Produkte.

Arbeitsplätze verändern sich ebenso wie ihre Zahl

Für Beschäftigte liegt die Herausforderung deshalb nicht nur im Abbau von Stellen, sondern auch in einem tiefgreifenden Wandel der Berufsbilder. Klassische Tätigkeiten am Schalter oder in standardisierten Backoffice-Prozessen verlieren an Bedeutung. Technische, regulatorische und beratungsintensive Aufgaben gewinnen dagegen an Gewicht.

Auch künstliche Intelligenz dürfte diesen Strukturwandel beschleunigen, vor allem bei wiederkehrenden Verwaltungs- und Analyseaufgaben. Wie viele zusätzliche Stellen dadurch künftig tatsächlich entfallen, lässt sich aus den bisherigen Statistiken jedoch nicht verlässlich ableiten.

Fest steht: Der europäische Bankensektor ist heute wesentlich schlanker organisiert als zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts. Die Entwicklung der Banken Arbeitsplätze in Europa ist dabei eng mit dem Rückgang der Filialen, der Digitalisierung und einer jahrelangen Konsolidierung verbunden. Für Kunden entsteht eine stärker digitale Bankenlandschaft, für Beschäftigte verschieben sich die Anforderungen zunehmend hin zu Technologie, Beratung und spezialisierten Dienstleistungen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu