Neue Windparks vor Rügen treffen auf verschärfte Sicherheitslage

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Der Ausbau der Offshore-Windenergie in der deutschen Ostsee erreicht 2026 eine neue Stufe. Nordöstlich von Rügen steht der Windpark Windanker kurz vor der vollständigen Inbetriebnahme. Gleichzeitig reagieren Deutschland, die NATO und weitere Ostseeanrainer auf eine veränderte Sicherheitslage rund um Unterseekabel, Energieanlagen und andere kritische Infrastruktur.

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Windanker des spanischen Energiekonzerns Iberdrola soll nach Unternehmensangaben im letzten Quartal 2026 vollständig in Betrieb gehen. Der Windpark verfügt über eine installierte Leistung von 315 Megawatt und besteht aus 21 Turbinen mit jeweils bis zu 15 Megawatt Leistung. Die Anlage liegt rund 40 Kilometer nordöstlich von Rügen.

Nach Angaben des NDR waren Ende August bereits 18 der vorgesehenen 21 Anlagen errichtet und speisten im Testbetrieb Strom in das deutsche Netz ein. Die vollständige reguläre Inbetriebnahme ist weiterhin für Ende 2026 vorgesehen.

Vor Rügen entsteht ein immer größerer Energiekomplex

Windanker ist nicht das erste große Offshore-Projekt in diesem Teil der Ostsee. Iberdrola betreibt dort bereits Wikinger und gemeinsam mit Masdar den Windpark Baltic Eagle. Zusammen sollen die drei Anlagen des sogenannten Baltic Hub auf mehr als 1,1 Gigawatt Leistung kommen. Iberdrola beziffert die Investitionen in die drei Projekte auf insgesamt rund 3,7 Milliarden Euro.

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Daneben befinden sich weitere Windparks in der deutschen Ostsee im Betrieb oder in Planung. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz arbeitet 2026 unter anderem am Netzanschluss Ostwind 3 für Windanker sowie am Anschluss des deutlich größeren Projekts Gennaker nördlich der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Gennaker soll nach derzeitiger Planung bis 2028 ans Netz gehen und eine Leistung von bis zu rund 976 Megawatt erreichen.

Noch weiter reicht das Projekt Ostwind 4. Es soll einen von TotalEnergies geplanten Windpark nordöstlich von Rügen anbinden. Für diesen Windpark ist zunächst eine Leistung von rund einem Gigawatt vorgesehen. Die Netzanbindung soll nach aktuellem Planungsstand 2031 fertig werden.

Damit wächst nicht nur die Stromproduktion auf See. Auch die Bedeutung der Seekabel, Umspannplattformen und Netzanschlüsse nimmt zu. Ein Ausfall solcher Anlagen kann größere Teile der Energieerzeugung oder deren Übertragung betreffen.

Schutz von Kabeln und Windparks bekommt höhere Priorität

Parallel zum Ausbau hat die NATO ihre Präsenz in der Ostsee verstärkt. Seit Januar 2025 läuft die Aktivität Baltic Sentry. Sie wurde nach mehreren Vorfällen mit Unterwasserinfrastruktur eingerichtet und soll die Überwachung und den Schutz von Pipelines und Kabeln verbessern. Zum Einsatz kommen unter anderem Kriegsschiffe, maritime Aufklärungsflugzeuge und unbemannte Systeme.

Die Bundeswehr zählt ausdrücklich auch Windparks zur schützenswerten maritimen Infrastruktur. Neben Unterseekabeln und Pipelines werden Offshore-Anlagen bei der Überwachung der Ostsee berücksichtigt. Die Marine setzt dabei auf Sensorik, Aufklärung und die Zusammenarbeit mit anderen Behörden und NATO-Partnern.

2026 wurde die technische Zusammenarbeit weiter ausgebaut. Deutschland, Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen und Schweden verständigten sich im Februar darauf, neue maritime Überwachungs- und Aufklärungssysteme schneller gemeinsam zu beschaffen und einzusetzen. Grundlage sind unter anderem Erfahrungen mit der NATO-Initiative Task Force X-Baltic, bei der 2025 insgesamt 70 Luft- und maritime Drohnensysteme erprobt wurden.

Auch die Bundeswehr testet neue Verfahren. Bei SeaSEC Data2Sea 2026 vor Warnemünde wurden unbemannte Systeme zur Überwachung kritischer Unterwasserinfrastruktur erprobt. Beteiligt waren neben Deutschland auch Dänemark, Schweden und die Niederlande.

Ostsee-Staaten planen zusätzliche Sicherheits-Taskforce

Unmittelbar vor Ende August verschärften die Ostseeanrainer ihre Zusammenarbeit nochmals. Bei einem Sicherheitstreffen in Flensburg am 28. August vereinbarten die beteiligten Staaten die Einrichtung einer gemeinsamen Taskforce gegen hybride Bedrohungen. Sie soll einen schnelleren Informationsaustausch ermöglichen und Staaten bei konkreten Abwehrmaßnahmen unterstützen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand insbesondere die Drohnenabwehr.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verwies dabei auf eine nach Einschätzung der Bundesregierung gestiegene Qualität und Intensität hybrider Bedrohungen. Als mögliche Szenarien werden unter anderem Drohnen, Sabotage an Infrastruktur, Cyberangriffe und Destabilisierungsversuche betrachtet. Eine pauschale Zuordnung solcher Vorfälle zu einem bestimmten Staat ist damit jedoch nicht verbunden.

Zusätzlich gilt seit März 2026 das deutsche KRITIS-Dachgesetz. Es schafft erstmals sektorübergreifende Mindestanforderungen für die physische Widerstandsfähigkeit kritischer Anlagen. Betreiber müssen unter anderem Risiken berücksichtigen, geeignete Schutzmaßnahmen treffen und relevante Vorfälle melden. Maritime Anlagen im deutschen Küstenmeer und in der ausschließlichen Wirtschaftszone werden vom Gesetz ausdrücklich erfasst. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie und die Bundesnetzagentur sollen dabei Informationen austauschen und zusammenarbeiten.

Bericht über russisches Kriegsschiff nicht amtlich bestätigt

Der NDR berichtete am Montag, eine russische Korvette habe während der Bauarbeiten für die Stromverbindung von Windanker die Kabelverlegung beobachtet. Der Sender berief sich dabei auf eigene Informationen. 50Hertz äußerte sich dem Bericht zufolge nicht zu dem Vorgang. Eine unabhängige oder behördliche Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.

Gesichert ist dagegen, dass Betreiber ihre technischen Schutzmaßnahmen an die veränderte Lage anpassen. Beim Netzanschluss von Windanker werden die Seekabel nach Angaben von 50Hertz im Meeresboden verlegt. Konkrete Details zu zusätzlichen Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen veröffentlichen Betreiber aus Sicherheitsgründen nur eingeschränkt.

Offshore-Ausbau erhöht Bedeutung der Ostsee für Deutschland

Mit jedem zusätzlichen Windpark wächst der Anteil der Energieinfrastruktur, der sich auf See befindet. Deutschland verfolgt zugleich das gesetzliche Ziel, die installierte Offshore-Windleistung deutlich auszubauen. Dadurch gewinnen sowohl die Erzeugungsanlagen als auch ihre Stromkabel und Umspannplattformen strategisch an Bedeutung.

Die Entwicklung vor Rügen zeigt deshalb zwei parallele Veränderungen: Die Ostsee wird zu einem größeren Standort der deutschen Stromerzeugung und zugleich zu einem Schwerpunkt beim Schutz maritimer Infrastruktur. Einen vollständigen physischen Schutz weitläufiger Offshore-Anlagen kann es auf See kaum geben. Der derzeitige Ansatz kombiniert deshalb technische Sicherung, widerstandsfähigere Netze, Überwachung sowie eine stärkere Zusammenarbeit von Betreibern, Sicherheitsbehörden und NATO-Staaten.

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