Tegut verschwindet als Kette: Was jetzt mit den Märkten passiert

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Zukunft der Supermarktkette Tegut ist grundsätzlich entschieden, die Zukunft zahlreicher einzelner Standorte dagegen noch nicht. Die Schweizer Eigentümerin Migros Zürich zieht sich aus Deutschland zurück und veräußert die Tegut Gruppe. Damit wird Tegut in seiner bisherigen Form nicht fortgeführt. Die häufig verkürzte Darstellung, sämtliche rund 300 Supermärkte würden deshalb geschlossen, trifft jedoch nicht zu. Für einen großen Teil des Filialnetzes gibt es bereits Käufer oder konkrete Übernahmeverträge.

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Tegut wird verkauft, weil Migros Zürich nach einer strategischen Überprüfung zu dem Ergebnis gekommen ist, das Deutschlandgeschäft nicht fortzuführen. Die Genossenschaft gab diese Entscheidung am 11. März 2026 offiziell bekannt. Nach Angaben von Migros hatten Kostensenkungen die operativen Verluste zwar deutlich reduziert, zugleich seien die Umsätze zurückgegangen. Eine Übernahme der gesamten Kette durch einen einzelnen, bislang nicht in Deutschland tätigen Händler habe sich nicht realisieren lassen.

Migros will Tegut vollständig abgeben

Der Rückzug der Schweizer Eigentümerin ist damit keine unbestätigte Verkaufsüberlegung mehr. Migros hat den Ausstieg aus dem deutschen Markt beschlossen. Bereits im März unterzeichnete das Unternehmen einen Vertrag mit Edeka über die Übernahme eines wesentlichen Teils der Tegut Gruppe.

Zum vereinbarten Paket gehören laut Migros ein großer Teil des Filialnetzes samt Beschäftigten, das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger Bäckerei sowie die Gesellschaft Smart Retail Solutions, die für die Teo Standorte verantwortlich ist. Das Bundeskartellamt bezifferte den Umfang der von Edeka angemeldeten Transaktion später auf mehr als 200 Standorte.

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Damit steht fest, dass der Eigentümer Tegut aufteilt und wesentliche Unternehmensteile veräußert. Nicht daraus folgt jedoch, dass alle bisherigen Supermärkte ersatzlos verschwinden. Das erklärte Ziel der Verkäufe ist vielmehr, möglichst viele Standorte unter anderen Betreibern fortzuführen.

Im Geschäftsbericht der Migros Gruppe für 2025 wurden zum Jahresende 302 Tegut Standorte ausgewiesen. Ein Jahr zuvor waren es 349 gewesen. Die unterschiedliche Zahl in öffentlichen Darstellungen erklärt sich unter anderem daraus, welche Marktformate und Teo Standorte jeweils mitgezählt werden.

Kartellamt hat erhebliche Bedenken beim Edeka Paket

Der größte geplante Verkauf ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Das Bundeskartellamt teilte den Beteiligten Ende Juli eine vorläufige wettbewerbliche Bewertung zur geplanten Edeka Übernahme mit. Die Behörde sieht in der bislang vorgesehenen Form erhebliche wettbewerbliche Bedenken. Auch von Edeka angebotene Zusagen reichten nach der damaligen vorläufigen Einschätzung nicht aus, alle Bedenken auszuräumen.

Eine endgültige Untersagung bedeutete diese Einschätzung ausdrücklich noch nicht. Das Verfahren läuft weiter. Das Kartellamt untersucht dabei unter anderem, wie sich die Übernahme auf regionale Lebensmittelmärkte sowie auf die Stellung der großen Händler gegenüber Lieferanten auswirken würde.

Damit bleibt die Zukunft eines erheblichen Teils des Tegut Filialnetzes zunächst offen. Gerade in Hessen ist das von besonderer Bedeutung. Dort befindet sich der Schwerpunkt der Kette. Nach Angaben der ARD lagen zuletzt rund 160 Tegut Standorte im Bundesland, etwa 40 davon in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern. In einigen kleineren Gemeinden geht es deshalb nicht nur um den Namen des Supermarktes, sondern um die örtliche Nahversorgung.

Rewe will bis zu 40 Tegut Märkte übernehmen

Neben Edeka steht auch Rewe als Käufer fest. Die Rewe Group und Migros Zürich unterzeichneten am 15. April einen Vertrag über die mögliche Übernahme von bis zu 40 Tegut Märkten. Der größere Teil soll nach einer Freigabe in das Rewe Netz integriert werden. Weitere Standorte sind für die Discounttochter Penny vorgesehen.

Auch dieser Verkauf steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts. Welche Märkte tatsächlich zu Rewe oder Penny wechseln können, hängt somit vom Ausgang des Verfahrens ab.

Für Verbraucher bedeutet der Verkauf deshalb nicht zwangsläufig, dass ihr bisheriger Supermarkt verschwindet. Bei erfolgreicher Übernahme könnte am selben Standort künftig lediglich ein anderer Handelsname stehen.

36 Filialen dürfen bereits an Tante Enso gehen

Bei einem weiteren Käufer ist die Lage bereits konkreter. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von 36 Tegut Standorten durch Tante Enso freigegeben. Die Märkte befinden sich überwiegend in ländlichen Regionen Hessens, Thüringens und Nordbayerns.

Tante Enso betreibt ein Konzept aus personell besetzten Öffnungszeiten und automatisiertem Einkauf außerhalb dieser Zeiten. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Beschäftigten der übernommenen Tegut Märkte weiterbeschäftigt und die Standorte schrittweise umgestellt werden. Die kartellrechtliche Freigabe erfolgte am 11. Juni.

Damit ist für diese 36 Märkte gerade keine Schließung als Folge des Tegut Verkaufs vorgesehen. Sie sollen unter einem anderen Konzept weitergeführt werden.

Tegut Zentrale in Fulda schließt im März 2027

Während bei vielen Supermärkten die Hoffnung auf eine Fortführung besteht, ist die Zukunft der Unternehmenszentrale geklärt. Migros Zürich bestätigte im August, dass die Tegut Zentrale in Fulda zum 31. März 2027 geschlossen werden soll. Rund 470 Beschäftigte der zentralen Dienste sind von den Kündigungen betroffen.

Migros stellte dabei einen direkten Zusammenhang mit dem im März angekündigten Verkauf her. Nicht betroffen seien demnach Beschäftigte bereits veräußerter Filialen sowie Mitarbeiter in Bereichen wie Logistik, Smart Retail Solutions und Herzberger Bäckerei.

Der Standort Fulda verliert damit die bisherige zentrale Unternehmensstruktur der traditionsreichen Lebensmittelkette. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros Zürich.

Tegut verschwindet, viele Supermärkte könnten bleiben

Die entscheidende Unterscheidung lautet deshalb: Das Ende von Tegut als eigenständiger Supermarktkette bedeutet nicht automatisch das Ende sämtlicher Standorte. Der Eigentümer zieht sich aus Deutschland zurück und verkauft die Unternehmensbestandteile an mehrere Wettbewerber.

Für 36 Märkte ist eine Übernahme durch Tante Enso bereits freigegeben. Rewe möchte bis zu 40 Märkte übernehmen. Edeka hat die mit Abstand größte Transaktion mit mehr als 200 Standorten angemeldet, stößt dabei aber auf erhebliche kartellrechtliche Bedenken.

Unklar blieb zunächst, wie viele der bisherigen Tegut Standorte am Ende tatsächlich weiterbetrieben werden können und welche Veränderungen das Bundeskartellamt beim Edeka Paket verlangen könnte. Eine endgültige Entscheidung über den größten Teil des Netzes lag zunächst nicht vor.

Fest steht dagegen: Migros wird Tegut nicht selbst weiterführen. Die Zentrale in Fulda wird geschlossen, und die bisherigen Filialen sollen soweit möglich auf neue Betreiber verteilt werden. Das ist eine Auflösung der bisherigen Unternehmensstruktur, aber keine bestätigte flächendeckende Schließung aller rund 300 Supermärkte.

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