
Mercedes-Benz legt ein neues Aktienrückkaufprogramm auf. Der Stuttgarter Autobauer will ab dem 1. September 2026 eigene Aktien über die Börse oder ein multilaterales Handelssystem erwerben. Das Programm soll spätestens am 6. April 2027 abgeschlossen sein. Insgesamt dürfen bis zu 58 Millionen Mercedes-Benz-Aktien zurückgekauft werden. Gleichzeitig ist der Kaufpreis auf höchstens eine Milliarde Euro begrenzt. Die erworbenen Aktien sollen anschließend eingezogen werden.
Die Mercedes-Benz-Aktie reagierte am Montag zunächst nur wenig auf die Ankündigung. Im Xetra-Handel notierte das Papier um 15.52 Uhr bei 46,90 Euro und damit nahezu auf dem Niveau des vorherigen Handelstags. Das bisherige Tageshoch lag zu diesem Zeitpunkt bei 47,11 Euro, das Tagestief bei 46,68 Euro. Quelle der Kursdaten ist finanzen.net mit Xetra-Daten vom 31. August 2026.
Der Vorstand der Mercedes-Benz Group AG beschloss das Programm mit Zustimmung des Aufsichtsrats. Grundlage ist eine Ermächtigung der Hauptversammlung vom 7. Mai 2025. Danach darf der Konzern bis zum 6. Mai 2030 eigene Aktien in einem Umfang von bis zu zehn Prozent des jeweils maßgeblichen Grundkapitals erwerben.
Für das nun angekündigte Programm gelten zwei Obergrenzen gleichzeitig. Mercedes-Benz darf höchstens 58 Millionen Aktien kaufen und dafür zugleich nicht mehr als eine Milliarde Euro ausgeben. Die Zahl von 58 Millionen Aktien bedeutet deshalb nicht, dass tatsächlich so viele Papiere erworben werden.
Bei einem Aktienkurs von rund 47 Euro ließen sich mit einer Milliarde Euro rechnerisch nur gut 21 Millionen Aktien erwerben, Erwerbsnebenkosten nicht berücksichtigt. Damit dürfte bei einem Kursniveau in dieser Größenordnung die finanzielle Obergrenze von einer Milliarde Euro deutlich früher erreicht werden als die maximale Stückzahl.
Die Käufe übernimmt nach Unternehmensangaben ein unabhängiges Kreditinstitut. Dieses soll über den jeweiligen Zeitpunkt der Transaktionen unabhängig von Mercedes-Benz entscheiden. Pro Handelstag gelten zudem regulatorische Grenzen für das Kaufvolumen. Mercedes-Benz kann das Programm unter Beachtung der kapitalmarktrechtlichen Vorschriften auch vorzeitig beenden.
Der Konzern setzt damit seine umfangreichen Kapitalrückführungen fort. Erst am 1. Juni 2026 hatte Mercedes-Benz ein vorheriges Aktienrückkaufprogramm abgeschlossen, das am 3. November 2025 begonnen hatte. Dabei kaufte das Unternehmen insgesamt 37.604.169 eigene Aktien für knapp zwei Milliarden Euro zurück. Der durchschnittliche Kaufpreis lag nach Unternehmensangaben bei 53,1856 Euro je Aktie.
Der Kurs der Mercedes-Benz-Aktie lag am Montagnachmittag mit rund 47 Euro damit deutlich unter diesem durchschnittlichen Preis des vorherigen Programms. Anfang Januar 2026 hatte die Aktie zeitweise noch 62,34 Euro erreicht. Das 52-Wochen-Tief lag Ende Juni bei 42,63 Euro.
Bei einem Aktienrückkauf verwendet ein Unternehmen liquide Mittel, um eigene Anteile am Markt zu erwerben. Werden die Papiere anschließend wie von Mercedes-Benz geplant eingezogen, sinkt die Zahl der ausgegebenen Aktien.
Für die verbleibenden Aktionäre erhöht sich dadurch grundsätzlich ihr rechnerischer Anteil am Unternehmen. Bleiben Unternehmensgewinn und andere Größen unverändert, verteilt sich der Gewinn außerdem auf weniger Aktien. Das kann Kennzahlen wie den Gewinn je Aktie erhöhen.
Ein Rückkauf garantiert allerdings keinen steigenden Börsenkurs. Entscheidend bleiben unter anderem Geschäftsentwicklung, Gewinne, Investitionsbedarf, Konjunktur und die Bewertung des Unternehmens am Kapitalmarkt. Zudem steht das für Aktienkäufe verwendete Geld anschließend nicht mehr für andere Zwecke wie Investitionen, Übernahmen oder den Aufbau zusätzlicher Liquiditätsreserven zur Verfügung.
Das Rückkaufprogramm startet in einem schwierigen Umfeld für die deutsche Autoindustrie. Mercedes-Benz hatte Ende Juli seine Erwartungen für das Gesamtjahr teilweise angepasst. Der Konzern rechnet inzwischen damit, dass der Pkw-Absatz 2026 leicht unter dem Vorjahresniveau liegen wird. Auch beim Konzernumsatz erwartet Mercedes-Benz inzwischen einen leichten Rückgang gegenüber 2025. Als einen wesentlichen Grund nennt das Unternehmen das weiterhin anspruchsvolle Marktumfeld in China.
Im zweiten Quartal verkaufte Mercedes-Benz Cars weltweit 417.765 Fahrzeuge nach 453.674 im entsprechenden Vorjahreszeitraum. In China gingen die Verkäufe um 30 Prozent zurück. Außerhalb Chinas stieg der Pkw-Absatz dagegen um zwei Prozent. Der Konzernumsatz lag im zweiten Quartal bei 32,1 Milliarden Euro nach 33,2 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Das bereinigte operative Ergebnis der Pkw-Sparte lag bei 909 Millionen Euro.
Nicht nur Mercedes-Benz steht unter Anpassungsdruck. Bei Volkswagen wird derzeit intensiv über Kosten, Produktionskapazitäten und die Zukunft deutscher Werke diskutiert. Zugleich kämpfen deutsche Hersteller und Zulieferer mit starkem Wettbewerb aus China, dem technologischen Umbau hin zur Elektromobilität sowie Handels- und Zollrisiken.
Am europäischen Aktienmarkt war die Stimmung am Montag insgesamt schwach. Der Stoxx Europe 600 gab am 31. August um 0,6 Prozent nach, während der DAX etwa 1,2 Prozent verlor. Belastet wurden die Märkte unter anderem von steigenden Ölpreisen, höheren Anleiherenditen und erneut zunehmenden Inflationssorgen.
Vor diesem Hintergrund setzt Mercedes-Benz mit dem neuen Rückkauf erneut auf eine direkte Kapitalrückführung an seine Aktionäre. Wie viele Aktien tatsächlich erworben werden, hängt vor allem von den Börsenkursen während der Laufzeit ab. Fest stehen bislang die Obergrenzen: maximal 58 Millionen Aktien und höchstens eine Milliarde Euro.
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