
Das Deutschlandticket könnte 2027 erneut teurer werden. Nach einer aktuellen Berechnung des WDR auf Grundlage des neuen Preisindex würde der monatliche Preis von derzeit 63 Euro auf rund 66,80 Euro steigen. Das entspräche einer Erhöhung um etwa 3,80 Euro im Monat. Fest beschlossen ist dieser konkrete Betrag bislang allerdings nicht. Der endgültige Preis für das Deutschlandticket 2027 soll nach dem erstmals angewendeten Indexverfahren noch im September festgelegt werden.
Damit beginnt für das bundesweit gültige Nahverkehrsticket eine neue Phase. Während die Preise in den vergangenen Jahren durch politische Beschlüsse bestimmt wurden, soll die jährliche Anpassung künftig stärker an messbare Kostenentwicklungen gekoppelt werden. Rund 14,5 Millionen Menschen nutzen das Deutschlandticket derzeit nach Angaben der Bundesregierung. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen nennt aktuell sogar rund 14,6 Millionen Nutzerinnen und Nutzer.
Seit Januar 2026 kostet das Deutschlandticket 63 Euro pro Monat. Zuvor waren 58 Euro fällig. Für 2027 existiert Anfang September noch kein endgültig veröffentlichter neuer Tarif. Die derzeit diskutierten rund 66,80 Euro beruhen auf einer Berechnung anhand der inzwischen festgelegten Indexregeln.
Entscheidend ist deshalb die Unterscheidung zwischen einer rechnerischen Prognose und dem verbindlichen Fahrpreis. Die Länder haben bereits im März 2026 beschlossen, wie die Preisentwicklung künftig ermittelt werden soll. Die D-Tix GmbH & Co. KG wurde anschließend damit beauftragt, den Preisindex und den daraus folgenden Ticketpreis zu berechnen. Der Koordinierungsrat für das Deutschlandticket soll die notwendige Anpassung der Tarifbestimmungen vor dem 30. September beschließen.
Damit steht das Verfahren bereits fest, der konkrete Endpreis aber noch nicht. Die Berechnung muss spätestens bis Ende September veröffentlicht werden. Für Fahrgäste bedeutet das, dass erst dann verbindlich feststeht, welchen regulären Monatspreis sie ab dem 1. Januar 2027 zahlen müssen.
Der Preis soll künftig nicht mehr jedes Jahr frei politisch ausgehandelt werden. Grundlage ist ein von der Verkehrsministerkonferenz beschlossener Index. Er setzt sich aus drei Kostenblöcken zusammen. Personalkosten werden mit 55 Prozent gewichtet, Energiekosten mit 20 Prozent und allgemeine Kostenentwicklungen mit 25 Prozent.
Daneben fließt ein sogenannter Wertfaktor in die Berechnung ein. Er berücksichtigt unter anderem die staatliche Finanzierung des Tickets. Bund und Länder stellen dafür jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bereit. Ab 2028 kommt zusätzlich ein Dämpfungsmechanismus hinzu, durch den steigende Verkaufszahlen einen Teil eines rechnerischen Preisanstiegs auffangen können. Für die erstmalige Berechnung des Jahres 2027 greift dieser zusätzliche Dämpfungsfaktor noch nicht.
Die Systematik soll verhindern, dass der Ticketpreis jedes Jahr Gegenstand neuer Grundsatzverhandlungen zwischen Bund und Ländern wird. Steigen beispielsweise Löhne, Kraftstoffpreise oder andere Betriebskosten, schlägt sich das künftig nach festgelegten Regeln im Preisindex nieder.
Die finanzielle Grundlage des Deutschlandtickets ist inzwischen gesetzlich über das Jahr 2026 hinaus geregelt. Bundestag und Bundesrat beschlossen 2025 eine Änderung des Regionalisierungsgesetzes. Danach stellt der Bund den Ländern für die Jahre bis einschließlich 2030 jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für das Deutschlandticket zur Verfügung. Die Länder müssen sich mindestens in gleicher Höhe beteiligen.
Damit stehen mindestens drei Milliarden Euro jährlich zur Verfügung, um finanzielle Nachteile bei Verkehrsunternehmen und Aufgabenträgern auszugleichen. Die Bundesmittel werden an die Länder verteilt, die ihrerseits für die Weiterleitung und den Ausgleich innerhalb ihrer Nahverkehrssysteme zuständig sind.
Eine wichtige Änderung betrifft außerdem den Zeitraum von 2026 bis 2030. Die dafür vorgesehenen Bundesmittel können innerhalb dieses mehrjährigen Zeitraums für den Ausgleich der entstandenen finanziellen Nachteile eingesetzt werden. Nicht oder nicht zweckentsprechend verwendete Gelder müssen dagegen an den Bund zurückgezahlt werden. Die Verwendung wird von den Ländern gegenüber dem Bund nachgewiesen.
Für die Preisgestaltung des Deutschlandtickets ist nicht die Bundesregierung allein zuständig. Der öffentliche Personennahverkehr fällt grundsätzlich in die Verantwortung der Länder. Die Verkehrsministerkonferenz hat deshalb die Regeln für die Preisfortschreibung beschlossen.
Der technische Ablauf ist inzwischen konkretisiert. D-Tix berechnet den Index anhand der festgelegten Vorgaben und übermittelt das Ergebnis an das Vorsitzland der Verkehrsministerkonferenz. Anschließend soll der Koordinierungsrat die entsprechende Änderung der bundesweit geltenden Tarifbestimmungen beschließen. Sollten einzelne benötigte Indexwerte nicht rechtzeitig vorliegen, darf für die Berechnung auf die jüngsten verfügbaren Werte zurückgegriffen werden.
Die Rolle des Bundes liegt vor allem in der Finanzierung. Die Bundesregierung stellt über das Regionalisierungsgesetz ihren jährlichen Anteil von 1,5 Milliarden Euro bereit. Eine unmittelbare Festsetzung des monatlichen Verkaufspreises durch den Bund ist dagegen nicht vorgesehen.
Sollte sich die aktuelle Berechnung bestätigen, würde das Deutschlandticket ab Januar 2027 rund 66,80 Euro monatlich kosten. Gegenüber den derzeitigen 63 Euro wären das 3,80 Euro mehr pro Monat und 45,60 Euro zusätzlich im Jahr.
Seit der Einführung im Mai 2023 hätte sich der reguläre Monatspreis damit deutlich verändert. Gestartet war das Ticket mit 49 Euro. Anfang 2025 stieg der Preis auf 58 Euro, seit Anfang 2026 werden 63 Euro verlangt. Ein Preis von 66,80 Euro im Jahr 2027 würde damit knapp 18 Euro über dem ursprünglichen Einführungspreis liegen.
Das grundsätzliche Angebot bleibt davon unberührt. Das Deutschlandticket ist als persönliches, grundsätzlich monatlich kündbares Abonnement für den bundesweiten öffentlichen Personennahverkehr konzipiert. Es gilt insbesondere in Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen sowie im Regionalverkehr der Eisenbahn. Reguläre Fernverkehrszüge sind grundsätzlich nicht eingeschlossen, wobei es regional einzelne Ausnahmen aufgrund besonderer Vereinbarungen gibt.
Für die derzeit mehr als 14 Millionen Nutzerinnen und Nutzer ist deshalb vor allem der September entscheidend. Die Finanzierung des Angebots bis 2030 ist gesetzlich deutlich langfristiger abgesichert als noch in den ersten Jahren des Deutschlandtickets. Der Preis selbst kann sich dagegen künftig jährlich verändern.
Eine erneute Erhöhung zum Jahreswechsel zeichnet sich nach den derzeit verfügbaren Indexdaten ab. Die Marke von 66,80 Euro ist aber noch keine verbindliche Tarifangabe. Erst mit der vorgesehenen Berechnung und der anschließenden Anpassung der Tarifbestimmungen steht fest, wie viel Fahrgäste tatsächlich ab Januar 2027 zahlen müssen.
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