IAEA kann Irans Nuklearprogramm weiter nicht vollständig kontrollieren

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Die Internationale Atomenergiebehörde kann wesentliche Teile des iranischen Nuklearprogramms weiterhin nicht überprüfen. In ihrem jüngsten Bericht an die Mitgliedstaaten stellt die IAEA nach Angaben vom Dienstag fest, dass bei den offenen Fragen zu Iran erneut kein Fortschritt erzielt worden sei. Besonders schwer wiegt aus Sicht der Behörde, dass sie den Verbleib eines großen Bestands hoch angereicherten Urans nicht verifizieren kann.

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Damit bleibt der Streit um IAEA und Iran in einer Phase ungelöst, in der sich der militärische Konflikt zwischen Teheran und Washington erneut verschärft hat. Die fehlenden Kontrollen bedeuten nicht, dass damit ein iranisches Atomwaffenprogramm nachgewiesen wäre. Iran erklärt weiterhin, keine Nuklearwaffen anzustreben und sein Atomprogramm ausschließlich friedlich zu nutzen.

Rund 440 Kilogramm hoch angereichertes Uran nicht überprüfbar

Nach dem aktuellen IAEA-Bericht hat Iran der Behörde weiterhin keine ausreichenden Informationen über rund 440 Kilogramm Uran geliefert, das auf bis zu 60 Prozent angereichert worden war. Bereits im Juni hatte die IAEA den Bestand mit 440,9 Kilogramm angegeben. Material mit dieser Anreicherung liegt deutlich über dem Niveau, das üblicherweise für zivile Kernenergie benötigt wird, aber noch unter den ungefähr 90 Prozent, die als waffenfähiges Niveau gelten.

IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi hatte zuvor darauf hingewiesen, dass diese Menge bei weiterer Anreicherung theoretisch für mehrere Nuklearwaffen ausreichen könnte. Zugleich betonte er, daraus folge nicht, dass Iran solche Waffen besitzt oder beschlossen hat, sie herzustellen. Entscheidend für die Behörde ist deshalb die Möglichkeit, Materialbestände und Anlagen selbst zu überprüfen.

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Genau diese Möglichkeit fehlt weiterhin an einem großen Teil der relevanten Standorte. Nach den Angaben aus dem aktuellen Bericht haben die Inspektoren derzeit keinen Zugang zu mehr als 20 Einrichtungen des iranischen Nuklearprogramms. Die IAEA bezeichnet die fehlende Möglichkeit zur Verifizierung der Uranbestände als Problem für die internationale Nichtverbreitung von Kernwaffen.

Kontrollen seit Angriffen auf Nuklearanlagen eingeschränkt

Die aktuelle Situation geht wesentlich auf die militärischen Angriffe auf iranische Nuklearanlagen zurück. Im Juni 2025 griffen Israel und später auch die Vereinigten Staaten mehrere Einrichtungen des iranischen Atomprogramms an. Darunter befanden sich Anlagen in Fordow, Natans und Isfahan. Die IAEA stellte ihre Überprüfungsarbeiten vor Ort damals zunächst aus Sicherheitsgründen ein und zog ihre Inspektoren anschließend zeitweise aus Iran ab.

Iran schränkte danach die Zusammenarbeit mit der Organisation deutlich ein. Zwar kam es später wieder zu einzelnen Inspektionen an nicht betroffenen Anlagen. Die Einrichtungen, die durch militärische Angriffe beschädigt worden waren, blieben für die Kontrolleure jedoch weitgehend unzugänglich. Die IAEA konnte deshalb weder den Zustand aller Anlagen noch den vollständigen Verbleib des dort zuvor registrierten Nuklearmaterials verifizieren.

Im Juni 2026 verlangte der 35 Mitglieder umfassende Gouverneursrat der IAEA erneut vollständige Informationen über die Uranbestände und Zugang zu den betroffenen Nuklearstandorten. 21 Staaten unterstützten die Resolution. Russland, China und Niger stimmten dagegen, zehn Staaten enthielten sich.

Iran wies die Kritik damals zurück. Der iranische IAEA-Botschafter Reza Najafi erklärte, sein Land habe der Organisation Zugang zu allen nicht von Angriffen betroffenen Einrichtungen gewährt. Die militärischen Angriffe und die anhaltenden Sicherheitsrisiken hätten nach iranischer Darstellung die Voraussetzungen für eine normale Umsetzung der Kontrollen verändert.

Keine Bestätigung für ein iranisches Atomwaffenprogramm

Die fehlenden Inspektionsmöglichkeiten sind von der Frage zu trennen, ob Iran tatsächlich den Bau einer Nuklearwaffe verfolgt. Dafür liefert der aktuelle Bericht keinen Nachweis. Teheran erklärt seit Jahren, sein Atomprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken. Die IAEA wiederum verlangt Zugang und Informationen, um unabhängig überprüfen zu können, dass nukleares Material nicht anderen Zwecken zugeführt wird.

Iran ist Vertragsstaat des Atomwaffensperrvertrags und unterliegt einem Sicherungsabkommen mit der IAEA. Dieses Abkommen verpflichtet das Land unter anderem dazu, bestimmte Informationen über Kernmaterial und relevante Anlagen bereitzustellen und Kontrollen zu ermöglichen. Das sogenannte Zusatzprotokoll, das der IAEA weitergehende Kontrollmöglichkeiten geben würde, ist von Iran zwar unterzeichnet, aber nicht in Kraft gesetzt worden.

Die Kontrolllücke besitzt deshalb eine Bedeutung, die über den unmittelbaren Konflikt hinausgeht. Das internationale System zur Nichtverbreitung von Atomwaffen beruht wesentlich darauf, dass die IAEA Angaben von Staaten durch eigene Inspektionen verifizieren kann. Fehlt dieser Zugang über einen längeren Zeitraum, nimmt die Möglichkeit der Organisation ab, belastbare Aussagen über Materialbestände und Aktivitäten zu treffen.

Neuer militärischer Konflikt erschwert eine Lösung

Hinzu kommt die erneut angespannte militärische Lage. Am 1. September führten die Vereinigten Staaten weitere Angriffe auf Ziele in Iran aus. Zuvor hatte Iran nach US-Angaben amerikanische Stützpunkte in Jordanien angegriffen. Die direkten militärischen Auseinandersetzungen waren damit nach mehreren ruhigeren Wochen wieder aufgeflammt.

Ein im Juni 2026 vereinbartes Abkommen zwischen Washington und Teheran hatte eigentlich eine Deeskalation und weitere Gespräche ermöglichen sollen. Im Zusammenhang mit der Nuklearfrage war auch eine Reduzierung des hoch angereicherten Uranbestands unter Aufsicht der IAEA vorgesehen. Eine entsprechende Umsetzung konnte die Atomenergiebehörde bislang nicht bestätigen.

Iranischer Präsident Masoud Pezeshkian erklärte am Dienstag, Teheran sei bereit, seine Verpflichtungen aus der Vereinbarung einzuhalten, wenn auch die Vereinigten Staaten ihre Zusagen erfüllten. Washington und Teheran vertreten unterschiedliche Darstellungen darüber, weshalb die Vereinbarung bislang nicht dauerhaft umgesetzt wurde.

Für die IAEA bleibt unabhängig vom politischen und militärischen Streit eine konkrete technische Aufgabe offen: Sie benötigt Informationen über die vorhandenen Uranbestände und Zugang zu den betreffenden Einrichtungen, um den Zustand des iranischen Nuklearprogramms wieder unabhängig überprüfen zu können. Der aktuelle Bericht zeigt, dass dieses Ziel Anfang September 2026 weiterhin nicht erreicht ist.

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