
Die Palo Alto Networks Quartalszahlen für das vierte Geschäftsquartal 2026 zeigen ein ungewöhnliches Bild: Der US-Cybersicherheitskonzern steigerte seinen Umsatz deutlich, wies nach US-Rechnungslegung aber zugleich einen Nettoverlust aus. Der Umsatz legte im Quartal bis Ende Juli gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 34 Prozent auf 3,41 Milliarden US-Dollar zu. Unter dem Strich stand ein Verlust von 282 Millionen Dollar oder 35 Cent je Aktie. Ein Jahr zuvor hatte Palo Alto Networks noch 254 Millionen Dollar Gewinn erzielt.
Der Verlust hängt zu einem erheblichen Teil mit Effekten zusammen, die im Zuge der Übernahme von CyberArk in die Bilanz und Ergebnisrechnung gelangten. Palo Alto Networks schloss die Übernahme des israelischen Spezialisten für Identitätssicherheit am 11. Februar 2026 ab. Die Transaktion bestand aus einer Barkomponente von 45 Dollar je CyberArk Aktie sowie 2,2005 Palo Alto Aktien je Anteilsschein. Bei Abschluss zahlte Palo Alto Networks nach eigenen Angaben 2,3 Milliarden Dollar in bar und gab rund 112 Millionen eigene Aktien aus.
In der Quartalsrechnung schlugen mehrere Posten zu Buche. Allein die Veränderung des beizulegenden Zeitwerts von Wandelanleihen und dazugehörigen Absicherungsgeschäften belastete die Überleitung zum bereinigten Ergebnis mit 524 Millionen Dollar. Diese Wandelanleihen stammten aus der CyberArk Transaktion. Hinzu kamen 281 Millionen Dollar Abschreibungen auf erworbene immaterielle Vermögenswerte sowie 68 Millionen Dollar übernahmebezogene Kosten. Außerdem verbuchte das Unternehmen aktienbasierte Vergütungsaufwendungen von 487 Millionen Dollar. Deshalb wäre es zu kurz gegriffen, den gesamten Nettoverlust ausschließlich als unmittelbare Kosten der CyberArk Übernahme zu bezeichnen.
Auf bereinigter Basis blieb Palo Alto Networks klar profitabel. Das Non GAAP Nettoergebnis stieg im vierten Geschäftsquartal auf 853 Millionen Dollar nach 673 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich auf 1,02 Dollar und lag damit über der durchschnittlichen Analystenerwartung von 98 Cent. Auch beim Umsatz übertraf das Unternehmen den von LSEG ermittelten Konsens von rund 3,35 Milliarden Dollar.
Besonders kräftig entwickelte sich das von Palo Alto Networks hervorgehobene Geschäft mit Next Generation Security. Der annualisierte wiederkehrende Umsatz in diesem Bereich stieg binnen eines Jahres um 63 Prozent auf 9,10 Milliarden Dollar. Die noch ausstehenden vertraglichen Leistungsverpflichtungen erhöhten sich um 34 Prozent auf 21,2 Milliarden Dollar. Gleichzeitig sank der nach GAAP ausgewiesene operative Gewinn auf 172 Millionen Dollar, nach 497 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Bereinigt stieg der operative Gewinn dagegen von 768 Millionen auf gut eine Milliarde Dollar.
Auch für das gesamte Geschäftsjahr 2026 meldete Palo Alto Networks deutlich höhere Erlöse. Der Umsatz stieg von 9,22 Milliarden auf 11,48 Milliarden Dollar. Der GAAP Nettogewinn fiel jedoch von 1,13 Milliarden auf 307 Millionen Dollar. Beim bereinigten Nettogewinn zeigte sich das umgekehrte Bild: Er erhöhte sich von 2,35 Milliarden auf 2,93 Milliarden Dollar.
Die Entwicklung verdeutlicht, wie stark die jüngsten Zukäufe inzwischen die Zahlen des Konzerns beeinflussen. CyberArk erweitert Palo Alto Networks um Identitätssicherheit, während weitere Übernahmen das Angebot bei Observability und künstlicher Intelligenz ausbauen. Parallel wächst das Geschäft mit Sicherheitsplattformen weiter. Dadurch entsteht derzeit ein erheblicher Abstand zwischen dem Ergebnis nach US Rechnungslegung und den vom Unternehmen verwendeten bereinigten Kennzahlen.
Für das neue Geschäftsjahr 2027 stellt der Konzern einen Umsatz von 14,10 Milliarden bis 14,20 Milliarden Dollar in Aussicht. Das entspräche einem Wachstum von 23 bis 24 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 4,16 und 4,19 Dollar liegen. Für den annualisierten Umsatz mit Next Generation Security erwartet das Unternehmen zum Ende des Geschäftsjahres 11,075 Milliarden bis 11,175 Milliarden Dollar. Die bereinigte Free Cashflow Marge soll 38 Prozent erreichen.
Für das erste Geschäftsquartal 2027 rechnet Palo Alto Networks mit Erlösen zwischen 3,30 Milliarden und 3,31 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 96 bis 98 Cent betragen. Damit setzt der Konzern trotz der hohen bilanziellen Belastungen aus den Übernahmen weiter auf zweistellige Wachstumsraten.
An der Börse überzeugten die Zahlen zunächst nicht dauerhaft. Die Aktie von Palo Alto Networks stieg im nachbörslichen Handel nach Veröffentlichung der Ergebnisse zunächst deutlich, gab die Gewinne anschließend jedoch wieder ab und beendete die erweiterte Sitzung rund 1,9 Prozent im Minus. Bereits im regulären Handel am Dienstag war der Kurs vor Vorlage der Quartalszahlen deutlich gefallen, während steigende Anleiherenditen und eine schwächere Stimmung bei Technologiewerten den US Markt belasteten.
Die Kursreaktion steht damit im Kontrast zu den operativen Wachstumszahlen und den übertroffenen Analystenerwartungen. Gleichzeitig zeigen der GAAP Verlust, die umfangreichen Bewertungs und Übernahmeposten sowie die hohe Bedeutung bereinigter Kennzahlen, wie stark die Integration von CyberArk und weiteren Zukäufen die Finanzberichte von Palo Alto Networks derzeit verändert.
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