
Mit einer neuen Ausgabe von „stern Investigativ“ setzt RTL am Mittwochabend auf eine umfangreiche Undercover-Reportage. „Putins Wegwerfagenten – Die billigen Vollstrecker“ läuft am heutigen 2. September 2026 ab 20.15 Uhr. Nach Darstellung des Senders gehe es um die Frage, wie mutmaßlich russische Akteure Menschen in Deutschland für Ausspähung und andere Aufträge anwerben könnten.
Die Reportage sei das Ergebnis einer rund einjährigen Recherche. Mitglieder des RTL-Investigativteams hätten sich dafür nach Darstellung der Autoren unter falscher Identität in ein mutmaßliches Rekrutierungsnetzwerk begeben. Über den Messengerdienst Telegram hätten sie demnach Kontakt zu Personen aufgenommen, die sie gegen eine Bezahlung in Bitcoin mit verschiedenen Aufgaben beauftragt hätten.
RTL ordnet die Sendung als neue Ausgabe seines Reportageformats „stern Investigativ“ ein. Im linearen Fernsehen handelt es sich um eine Erstausstrahlung. Eine zunächst rund 70 Minuten lange Fassung sei allerdings bereits seit dem 19. August bei RTL+ verfügbar. Für die Ausstrahlung im Hauptprogramm kündigte RTL ausdrücklich eine erweiterte Version an.
Eine Stellungnahme der russischen Seite lag zunächst nicht vor. Auch aus der Programmankündigung gehe nicht hervor, ob und in welcher Form sämtliche Personen, denen in der Reportage eine Beteiligung an mutmaßlichen geheimdienstlichen Aktivitäten zugeschrieben werde, mit den jeweiligen Vorwürfen konfrontiert worden seien oder sich dazu geäußert hätten.
RTL hat für „Putins Wegwerfagenten – Die billigen Vollstrecker“ am Mittwoch den Sendeplatz ab 20.15 Uhr vorgesehen. Die datierte Programmübersicht des Senders führe anschließend um 22.15 Uhr „stern TV“. Eine aktuell abrufbare direkte Programmübersicht nenne dagegen 22.10 Uhr als Beginn von „stern TV“.
Andere aktuelle Programmdaten führen die Reportage von 20.15 bis 22.15 Uhr. Damit liege der vorgesehene Bruttosendeplatz einschließlich Werbung bei 120 Minuten. Für den eigentlichen redaktionellen Inhalt werde eine Länge von rund 90 Minuten angegeben. Die bereits auf RTL+ veröffentlichte Streamingfassung habe dagegen eine Laufzeit von etwa einer Stunde und zehn Minuten.
RTL+ führt die neue Veröffentlichung als Staffel 6, Folge 1. Betrachtet man die seit 2023 ausgestrahlten eigenständigen TV-Ausgaben fortlaufend, handele es sich zugleich um die siebte Ausgabe von „stern Investigativ“.
Ein klassischer Seriencast oder Gastdarsteller existiere bei dem journalistischen Format nicht. Im Mittelpunkt stünden die Reporter sowie Gesprächspartner und Fachleute.
Nach Darstellung von RTL hätten sich Reporter des Investigativteams rund ein Jahr lang als potenzielle sogenannte Wegwerfagenten ausgegeben. Dabei hätten sie über Telegram Aufträge von mutmaßlich russischen Akteuren erhalten.
Den Rechercheuren zufolge hätten diese Aufträge unter anderem darin bestanden, Informationen über einen CDU-Mitarbeiter, eine Menschenrechtsorganisation und deutsche Unternehmen aus dem Rüstungsbereich zu beschaffen. Außerdem habe es den Auftrag gegeben, Kontakte zu politischen Strukturen aufzubauen. Die Reporter hätten nach eigener Darstellung keine für die Auftraggeber verwertbaren Informationen weitergegeben und sich während ihrer Arbeit mit juristischen Beratern und zuständigen Behörden abgestimmt.
Nach Darstellung der Autoren könnten zunächst unscheinbar wirkende Tätigkeiten wie das Fotografieren bestimmter Orte, das Abholen eines Pakets oder die Beschaffung einer SIM-Karte Bestandteil umfangreicherer Operationen sein. Die Rechercheure gingen davon aus, dass für solche Aufgaben gezielt Menschen angesprochen würden, die sich beispielsweise in finanziell schwierigen Situationen befänden.
Diese Darstellung werde in einem grundsätzlichen Punkt von deutschen Sicherheitsbehörden gestützt. Der Verfassungsschutz beschreibt seit längerem das Phänomen sogenannter Low-Level-Agenten. Darunter würden Personen verstanden, die von ausländischen Nachrichtendiensten kurzfristig über soziale Medien oder Messenger angeworben werden könnten, ohne selbst reguläre Geheimdienstmitarbeiter zu sein. Daraus folge jedoch keine behördliche Bestätigung sämtlicher konkreter Zuordnungen und Vorwürfe der RTL-Reportage.
Das Team habe nach Darstellung von RTL außerdem mögliche Zusammenhänge mit bereits bekannten Fällen mutmaßlicher Sabotage untersucht. Dabei werde unter anderem ein Vorgang rund um präparierte Pakete und den Luftfrachtverkehr am Flughafen Leipzig/Halle aufgegriffen.
Die Reporter hätten zudem in Litauen mit einem Mann gesprochen, gegen den wegen mutmaßlicher Aktivitäten als sogenannter Wegwerfagent vorgegangen worden sei. Welche Verantwortung einzelne Personen tatsächlich getragen hätten und in welchem Umfang konkrete Vorgänge staatlichen russischen Stellen zugerechnet werden könnten, richte sich nach den jeweiligen Ermittlungs- und Gerichtsverfahren.
Ein weiterer Teil der Reportage befasse sich mit einem deutschen Rüstungsmanager. Nach Darstellung der Rechercheure hätten Sicherheitsbehörden ihn vor einer möglichen Gefahr gewarnt. Mindestens zwei Personen sollen ihn den Recherchen zufolge zuvor beobachtet beziehungsweise Informationen über ihn gesammelt haben. Die genauen Hintergründe und eine mögliche Auftraggeberstruktur seien Gegenstand der dargestellten Ermittlungen.
RTL zufolge seien Teile dieses Interviews aus Sicherheitsgründen an einem nicht näher bezeichneten Ort entstanden.
Eine klassische Studio-Moderation habe RTL für die Reportage nicht angekündigt. Stattdessen werde die Geschichte von Mitgliedern des Investigativteams erzählt und begleitet. Als zentrale Reporter nennt beziehungsweise zeigt der Sender Angelique, Sergej und Markus.
Die Recherche sei im journalistischen Verbund von RTL und stern entstanden. Weitere Mitglieder der Investigativredaktion, Rechercheure, Factchecker und ein Berliner Editing-Team seien an der Umsetzung beteiligt gewesen. Einen externen Recherchepartner außerhalb des RTL- und stern-Umfelds nennt der Sender in seiner offiziellen Ankündigung nicht.
Auch klassische Angaben zu Regie und Drehbuch, wie sie bei fiktionalen Produktionen üblich seien, hat RTL für diese Ausgabe nicht veröffentlicht. Die Sendung werde als journalistische Reportage beziehungsweise Reportagemagazin geführt und sei innerhalb des RTL-News- und stern-Investigativ-Umfelds entstanden.
Zu den erkennbaren Schauplätzen der Recherche gehörten Deutschland und Litauen. Außerdem werde der Flughafen Leipzig/Halle im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Sabotagefall thematisiert. Weitere konkrete Drehorte seien teilweise aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich bezeichnet worden.
„stern Investigativ“ startete 2023 bei RTL. In den vergangenen Jahren beschäftigte sich das Format unter anderem mit Tesla, der Reichsbürger-Szene, der Berliner Charité, rechtsextremen Jugendlichen, Sicherheitsfragen beim Tauchtourismus am Roten Meer und rechten Frauenorganisationen.
Die vorherige lineare TV-Erstausstrahlung lief am 30. Oktober 2025. RTL weist in seiner aktuellen Ankündigung zur neuen Ausgabe keine Zuschauerzahl und keinen Marktanteil dieser Sendung aus.
Besonderheiten wie ein Jubiläum, ein personeller Ausstieg oder ein Neuzugang in einem festen Cast gibt es bei der aktuellen Ausgabe nicht. Das Format arbeitet abhängig vom jeweiligen Recherchethema mit unterschiedlichen Journalistinnen und Journalisten.
Wer die heutige Ausstrahlung verpasst, findet „Putins Wegwerfagenten – Die billigen Vollstrecker“ grundsätzlich auch bei RTL+. Dort sei die Reportage bereits am 19. August um 18.45 Uhr veröffentlicht worden. RTL+ führt sie als Staffel 6, Folge 1 und nennt für die dort verfügbare Version rund 70 Minuten Laufzeit.
Ein konkretes Enddatum für die Abrufbarkeit nennt RTL+ derzeit nicht. RTL hat zugleich angekündigt, heute im Fernsehen eine erweiterte Fassung auszustrahlen. Ob anschließend exakt diese längere TV-Fassung zusätzlich beziehungsweise anstelle der bisher angebotenen Streamingversion verfügbar sein werde, wird in der Senderankündigung nicht ausdrücklich ausgewiesen.
Für die Fernsehausstrahlung bleibt damit der wichtigste Termin Mittwoch, 2. September 2026, um 20.15 Uhr bei RTL. Nach der datierten RTL-Programmplanung endet der Sendeplatz um 22.15 Uhr.
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