
Für die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH zeichnet sich das Ende der Produktion ab. Der Hersteller von Frischfaserkarton hatte bereits Ende Juni Insolvenz angemeldet. Rund 220 Beschäftigte sind betroffen. Nach einem zunächst fortgeführten Geschäftsbetrieb und der Suche nach einem Investor soll das Werk nach Informationen des Südwestrundfunks nach dem 7. September stillgelegt werden.
Die Insolvenz von Baiersbronn Frischfaser Karton trifft ein Werk mit einer rund 75-jährigen Geschichte. Am Standort im Schwarzwald wird seit Anfang der 1950er-Jahre Karton hergestellt. Das Unternehmen produziert vor allem Faltschachtelkarton für Verpackungen in der Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie.
Die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH stellte am 24. Juni 2026 beim Amtsgericht Rottweil einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das Gericht bestellte den Sanierungsexperten Jan Markus Plathner von Brinkmann und Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter.
Der Geschäftsbetrieb wurde zunächst uneingeschränkt fortgeführt. Die Löhne und Gehälter der rund 220 Beschäftigten waren während der ersten Monate durch eine Insolvenzgeldvorfinanzierung abgesichert. Parallel begann ein strukturierter Investorenprozess.
Im Juli erklärte die Insolvenzverwaltung noch, der Betrieb laufe stabil. Produziert wurde im durchgehenden Betrieb, bestehende Kundenaufträge wurden abgearbeitet und nach Angaben der Verfahrensbeteiligten gingen weiterhin neue Bestellungen ein. Mehrere potenzielle Investoren hätten Interesse gezeigt.
Nach Unternehmensangaben lag der Jahresumsatz zuletzt bei rund 80 Millionen Euro. Die Produktionskapazität des Standorts lag nach Angaben der FOLBB-Gruppe bei etwa 95.000 Tonnen Frischfaserkarton pro Jahr.
Am 25. August verschärfte sich die Lage. Die Insolvenzverwaltung teilte mit, dass die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor zwar noch liefen, die zur Umsetzung einer Übernahme erforderliche Finanzierung aber nicht gesichert sei.
Zugleich wurde deutlich, dass eine eigenständige Fortführung des Unternehmens nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wirtschaftlich nicht möglich sein würde. Als Begründung verwies die Insolvenzverwaltung auf die dann wieder vollständig anfallenden Kosten sowie eingeschränkte Möglichkeiten, höhere Kosten über steigende Verkaufspreise an die Kunden weiterzugeben.
Besonders belastend seien massiv gestiegene Energiekosten und Verpflichtungen aus dem europäischen CO2-Emissionshandel. Bereits beim Insolvenzantrag hatte das Unternehmen zudem strukturelle Überkapazitäten innerhalb der europäischen Kartonindustrie und ein schwieriges Marktumfeld genannt.
Nach Angaben des SWR scheiterte die erhoffte Investorenlösung schließlich. Ein potenzieller Investor sei abgesprungen. Der Sender berief sich dabei unter anderem auf Informationen aus der Gemeinde Baiersbronn.
Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Die letzte veröffentlichte Mitteilung der Insolvenzverwaltung vom 25. August hatte lediglich bestätigt, dass die Finanzierung des Interessenten zu diesem Zeitpunkt noch nicht sichergestellt war.
Nach Angaben eines Gemeindesprechers gegenüber dem SWR sollen die vorhandenen Aufträge und Materialbestände noch abgearbeitet werden. Nach dem 7. September soll der Betrieb demnach eingestellt werden. Für die rund 220 Beschäftigten bedeutet das nach aktuellem Stand den Verlust ihrer Arbeitsplätze.
Die industrielle Geschichte des Standorts reicht mehrere Jahrzehnte zurück. Nach Angaben der früheren Unternehmensgruppe begann die Kartonproduktion dort vor rund 75 Jahren. Historische Unterlagen nennen das Jahr 1951 als wichtigen Ausgangspunkt für die Herstellung von Frischfaserkarton.
Die heutige Gesellschaft ist rechtlich deutlich jünger als der Produktionsstandort. Deshalb bezieht sich die Angabe von rund 75 Jahren auf die industrielle Kartonproduktion in Baiersbronn und nicht auf das Alter der heutigen GmbH.
Das Werk war zuletzt Teil der FOLBB-Gruppe. Neben Baiersbronn gehörte dazu ein Kartonwerk im niederländischen Eerbeek. Für das niederländische Unternehmen läuft nach Angaben der Insolvenzverwaltung ein eigenständiges Insolvenzverfahren.
Die Schwierigkeiten in Baiersbronn fallen in eine wirtschaftlich angespannte Phase für die gesamte deutsche Papier- und Zellstoffindustrie. Der Branchenverband DIE PAPIERINDUSTRIE meldete für 2025 erneut sinkende Produktionsmengen und Umsätze.
Die Produktion von Papier, Karton und Pappe in Deutschland lag 2025 bei rund 18,7 Millionen Tonnen. Gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einem Rückgang um 2,5 Prozent. Der Umsatz sank nach Verbandsangaben gleichzeitig um etwa fünf Prozent.
Auch im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die Entwicklung fort. Die Produktionsmenge lag laut Verband bei 9,4 Millionen Tonnen und damit 1,4 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Der Branchenumsatz lag bei 6,9 Milliarden Euro. Das entsprach einem Rückgang um 7,1 Prozent.
Verpackungspapiere erwiesen sich dabei noch als vergleichsweise stabil. Ihre Produktionsmenge lag im ersten Halbjahr bei 6,4 Millionen Tonnen und damit ungefähr auf Vorjahresniveau. Sie stellten mehr als zwei Drittel der gesamten Produktionsmenge der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie.
Der Strukturwandel zeigt sich auch an der Zahl der Produktionsstandorte. Ende 2025 waren nach Angaben des Branchenverbands noch 128 Papierwerke mit 216 Papiermaschinen in Betrieb. Fünf Jahre zuvor waren es 152 Werke und 260 Maschinen gewesen. Innerhalb dieses Zeitraums wurden damit mehr als 15 Prozent der Werke und Papiermaschinen stillgelegt.
Die Zahl der Beschäftigten sank im selben Zeitraum nach Verbandsangaben von rund 45.600 auf etwa 41.000. Als Belastungen nennt die Branche neben der schwachen Nachfrage insbesondere hohe Energie- und Standortkosten sowie den strukturellen Rückgang bei grafischen Papieren.
Der Fall Baiersbronn betrifft zwar einen Hersteller von Verpackungskarton und damit ein vergleichsweise stabiles Marktsegment. Er verdeutlicht jedoch, dass auch Unternehmen in diesem Bereich unter hohen Produktionskosten, europäischen Überkapazitäten und schwachen Margen geraten können. Für die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH konnte unter diesen Bedingungen nach aktuellem Stand keine tragfähige Fortführungslösung gefunden werden.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu