
Borussia Dortmund geht zunächst ohne Emre Can in die neue Saison der Champions League. Der 32-Jährige fehlt auf der Meldeliste für die Ligaphase, die der BVB bei der UEFA eingereicht hat. Sky Sport berichtete am Freitag, 4. September 2026, über die Nichtnominierung des langjährigen Dortmunder Führungsspielers. Wenig später veröffentlichte Borussia Dortmund selbst den Champions-League-Kader von Borussia Dortmund. Can ist darin nicht aufgeführt. Auch die offizielle UEFA-Kaderseite bestätigt, dass der Defensivspieler derzeit nicht zum Dortmunder Aufgebot für den Wettbewerb gehört.
Eine ausdrückliche Begründung für die Entscheidung nannte Borussia Dortmund in seiner Kader-Mitteilung nicht. Der sportliche Hintergrund liegt allerdings nahe: Can fällt seit Ende Februar wegen einer schweren Knieverletzung aus und befindet sich weiterhin im Aufbau. Sky Sport stellte die Nichtmeldung ebenfalls in diesen Zusammenhang. Offiziell bestätigt ist jedoch nur die Verletzung selbst und nicht, dass sie vom Verein ausdrücklich als Begründung für die UEFA-Entscheidung genannt wurde.
Der Kreuzbandriss von Emre Can ereignete sich im Bundesligaspiel gegen den FC Bayern München Ende Februar. Einen Tag später bestätigte Borussia Dortmund die Diagnose: Kreuzbandriss im linken Knie. Der Verein kündigte damals eine Ausfallzeit von mehreren Monaten an. Im März wurde Can operiert. Bei der Vertragsverlängerung am 21. März erklärte der BVB, der Defensivspezialist werde erst in der folgenden Saison wieder zum Einsatz kommen.
Diese Saison hat inzwischen begonnen, einen konkreten Termin für die Rückkehr auf den Platz hat Borussia Dortmund bislang aber nicht genannt. Mitte Juli befand sich Can laut Verein im Aufbautraining. Noch unmittelbar vor dem Bundesliga-Spiel gegen Hoffenheim am 5. September führte der BVB ihn gemeinsam mit Giannis Konstantelias als Ausfall nach einem Kreuzbandriss. Eine aktuellere Vereinsprognose mit einem bestimmten Comeback-Monat liegt nicht vor. Aussagen, Can werde definitiv noch 2026 oder erst 2027 zurückkehren, gehen damit über den bisher vom Klub genannten Zeitplan hinaus.
Emre Can bei Borussia Dortmund ist seit Jahren nicht auf eine einzige Position festgelegt. Nach Angaben seines Vereins wurde der frühere deutsche Nationalspieler bereits als Außenverteidiger, Sechser und Achter eingesetzt, zuletzt vor allem in der Innenverteidigung. Can ist 32 Jahre alt und steht seit Januar 2020 beim BVB unter Vertrag. Bis zum Ende der Saison 2025/26 kam er laut Vereinsstatistik auf 220 Pflichtspiele für Dortmund.
Hinzu kommt seine Rolle innerhalb der Mannschaft. Im Sommer 2023 übernahm Can die Kapitänsbinde von Marco Reus. Auch nach seiner Verletzung bezeichnete Borussia Dortmund ihn mehrfach weiterhin als Kapitän. Sportdirektor Sebastian Kehl erklärte nach der Diagnose über Can: Er ist unser Kapitän, stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft und ist ein wichtiger Bestandteil unseres Clubs.
Für die Saison 2026/27 hat der BVB bislang keine öffentlich dokumentierte Mitteilung veröffentlicht, mit der Can dauerhaft als Kapitän abgelöst worden wäre. Bundesliga.com hatte Ende August zugleich darauf hingewiesen, dass Borussia Dortmund zu diesem Zeitpunkt noch keine neue Entscheidung über die Kapitänsfrage für die laufende Spielzeit kommuniziert hatte. Während Cans Ausfall führten deshalb andere Profis die Mannschaft zeitweise aufs Feld. Felix Nmecha trug beispielsweise in der Vorbereitung gegen die AS Rom die Binde. Eine solche Vertretung ist nicht mit einer dauerhaften Änderung der Kapitänshierarchie gleichzusetzen.
Der Vertrag von Emre Can wurde erst nach seiner schweren Verletzung verlängert. Am 21. März gab Borussia Dortmund bekannt, dass das ursprünglich im Sommer 2026 auslaufende Arbeitspapier um ein Jahr bis zum 30. Juni 2027 verlängert worden ist. Geschäftsführer Sport Lars Ricken stellte dabei ausdrücklich Cans Bedeutung als Führungsspieler heraus.
Die Verlängerung zeigt, dass der Verein trotz des Kreuzbandrisses langfristig mit dem erfahrenen Defensivspieler plant. Sportdirektor Kehl verwies damals auf Cans Bedeutung in der Kabine und seine Erfahrung. Zur jetzigen Nichtmeldung für die Champions League äußerten sich Kehl oder Cheftrainer Niko Kovac zunächst nicht mit einer gesonderten öffentlichen Begründung.
Bereits in der Saison 2025/26 war Can deutlich seltener zum Einsatz gekommen als im Jahr zuvor. In der Bundesliga absolvierte er neun Spiele und erzielte dabei drei Tore. Hinzu kamen sechs Einsätze in der Champions League und eine Partie im DFB-Pokal. Damit stehen für die drei großen Wettbewerbe insgesamt 16 Einsätze in der vergangenen Spielzeit zu Buche.
Zum Vergleich: In der Bundesliga-Saison 2024/25 hatte Can noch 31 Partien bestritten. Der massive Rückgang erklärt sich vor allem durch seine Ausfallzeiten und schließlich den Kreuzbandriss Ende Februar. Für Dortmund bedeutet seine anhaltende Abwesenheit deshalb nicht erst seit Beginn der neuen Spielzeit eine personelle Veränderung in Defensive und Mittelfeld.
Für die Champions League gelten feste Meldefristen. Nach dem UEFA-Reglement musste die sogenannte Liste A für die Ligaphase bis zum 2. September 2026 um 23.59 Uhr MEZ eingereicht werden. Auf Liste A können grundsätzlich höchstens 25 Spieler stehen. Mindestens acht Plätze sind für lokal ausgebildete Profis vorgesehen. Erfüllt ein Verein diese Vorgaben nicht vollständig, kann sich die tatsächlich nutzbare Zahl der Plätze entsprechend verringern. Daneben existiert die Liste B für entsprechend junge, bereits längere Zeit beim Verein ausgebildete Spieler. Sie kann während der Saison erweitert werden.
Die UEFA-Kaderliste des BVB führt derzeit unter anderem Waldemar Anton, Nico Schlotterbeck, Ramy Bensebaini, Felix Nmecha, Jobe Bellingham, Marcel Sabitzer, Joey Veerman und Ethan Nwaneri. Mehrere Nachwuchsspieler sind als Spieler der Liste B gekennzeichnet. Emre Can erscheint weder in der Dortmunder Veröffentlichung noch auf der UEFA-Seite.
Bemerkenswert ist, dass Dortmund Nico Schlotterbeck trotz dessen eigener Verletzung für die Champions League registriert hat. Der Innenverteidiger war Anfang September allerdings bereits wieder auf den Trainingsplatz zurückgekehrt und soll schrittweise an das Mannschaftstraining herangeführt werden. Can wurde dagegen unmittelbar vor dem ersten Champions-League-Spiel weiterhin als Langzeitausfall geführt.
Die Nichtmeldung bedeutet nicht zwingend, dass Can während der gesamten Champions-League-Saison ausgeschlossen bleibt. Eine frei verfügbare, reguläre Nachmeldung eines älteren Spielers während der laufenden Ligaphase sieht das UEFA-Reglement nach Ablauf der Meldefrist jedoch nicht vor.
Eine Ausnahme gibt es bei langfristigen Verletzungen oder Erkrankungen eines bereits auf Liste A registrierten Feldspielers. Bis einschließlich des sechsten Spieltags darf ein Klub höchstens einen solchen Feldspieler vorübergehend ersetzen, wenn dessen Ausfall mindestens 60 Tage beträgt. Der neu registrierte Spieler muss bereits vor Ablauf der ursprünglichen Meldefrist beim Klub registriert gewesen sein. Diese Vorschrift eröffnet allerdings nicht automatisch wegen Cans eigener Verletzung einen zusätzlichen Platz. Sie betrifft die Ersetzung eines bereits gemeldeten Spielers.
Der reguläre Weg eröffnet sich nach Abschluss der Ligaphase. Vereine, die anschließend noch im Wettbewerb vertreten sind, dürfen für die K.-o.-Phase maximal drei neue spielberechtigte Profis melden. Die Frist dafür endet am 4. Februar 2027 um 23.59 Uhr MEZ. Dortmund bestreitet sein achtes und letztes Spiel der Ligaphase am 27. Januar. Can könnte deshalb bei entsprechendem Genesungsverlauf für die anschließende Wettbewerbsphase wieder in das UEFA-Aufgebot aufgenommen werden.
Für die unmittelbare Kaderplanung muss Trainer Niko Kovac zunächst ohne einen der erfahrensten Spieler seiner Mannschaft auskommen. Zugleich verfügt der BVB mit Anton, Schlotterbeck, Bensebaini, Gadou und Mane über mehrere Optionen für die Innenverteidigung sowie mit Bellingham, Nmecha, Sabitzer, Veerman und Chukwuemeka über zahlreiche zentrale Mittelfeldspieler. Cans Kombination aus defensiver Vielseitigkeit, internationaler Erfahrung und Führungsrolle lässt sich dennoch nicht positionsgetreu durch einen einzelnen Spieler ersetzen. Ob und wann er in dieser Saison wieder Teil des Champions-League-Kaders wird, hängt zunächst von seinem weiteren Genesungsverlauf und anschließend von den UEFA-Möglichkeiten zur Registrierung ab.
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