
Münster. Aus dem lange geplanten Ersatz für den kleinen Hiltruper Wertstoffhof soll ein deutlich größeres Projekt für den gesamten Süden Münsters werden. Auf einem rund 15.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Hansestraße planen die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) einen Zentralhof für Privatpersonen und Gewerbekunden. Die erste Grobkostenschätzung für den Recyclinghof Münster-Hiltrup liegt bei rund 9,5 Millionen Euro brutto. Gebaut werden könnte ab Anfang 2028, die Inbetriebnahme ist nach dem derzeitigen Zeitplan für das erste Halbjahr 2029 vorgesehen. Zunächst muss jedoch die Politik zustimmen.
Das Vorhaben ist größer als die ursprünglichen Planungen für Hiltrup. Noch im Recyclinghofkonzept 2030 waren zwei getrennte Projekte vorgesehen: ein neuer Haupthof für Hiltrup und zusätzlich ein Zentralhof im Süden Münsters. Weil nach Angaben der Verwaltung kein geeignetes Grundstück für diesen zweiten Standort absehbar ist, sollen beide Funktionen nun auf der Fläche an der Hansestraße gebündelt werden. Der stark frequentierte Recyclinghof an der Eulerstraße soll deshalb entgegen den damaligen Überlegungen als Haupthof erhalten bleiben.
Der Handlungsbedarf in Hiltrup ist nicht neu. Schon im 2023 beschlossenen Recyclinghofkonzept stuften die AWM den Standort als vordringlichstes Problem im städtischen Recyclinghofnetz ein. Der bestehende Hof an der Glasuritstraße verfügt lediglich über rund 1.500 Quadratmeter. Nach damaliger Analyse waren sowohl die Zahl der Anlieferungen als auch die abgegebenen Abfallmengen im Vergleich zu anderen Stadtteilhöfen besonders hoch. Hinzu kommt eine ungünstige Zufahrt in einer Kurve der Glasuritstraße. Bei großem Andrang können sich Fahrzeuge bis auf die Straße zurückstauen.
Das neue Grundstück ist mit rund 15.000 Quadratmetern etwa zehnmal so groß wie die Fläche des bestehenden Recyclinghofs. Es wurde 2025 im Zuge eines Grundstückstauschs mit BASF Coatings erworben. Im Gegenzug erhielt das Unternehmen das Grundstück des bisherigen Recyclinghofs neben seinem Werksgelände. Die planungsrechtliche Eignung des neuen Grundstücks für einen Recyclinghof wurde nach Angaben der Stadt bereits vor dem Tausch geprüft und vom Stadtplanungsamt positiv bewertet.
Die Dimension des Standorts macht die neue Planung möglich. Das Konzept aus dem Jahr 2023 ging für einen normalen „Haupthof“ noch von einer Größe zwischen 3.000 und 5.000 Quadratmetern aus. Ein Zentralhof sollte dagegen mindestens 8.000 bis 10.000 Quadratmeter umfassen und neben Privatpersonen auch Gewerbekunden sowie Anlieferungen mit Anhängern aufnehmen können. Genau diese Funktionen sollen nun in Hiltrup zusammengeführt werden.
Für die Nutzerinnen und Nutzer wäre vor allem der längere Betrieb eine deutliche Veränderung. Der bestehende Recyclinghof Hiltrup an der Glasuritstraße öffnet derzeit montags und freitags jeweils von 12 bis 19 Uhr sowie mittwochs von 8.30 bis 13 Uhr. Der neue Zentralhof soll dagegen montags bis freitags von 8.30 bis 19 Uhr und samstags von 9.30 bis 19 Uhr geöffnet sein.
Auch das Spektrum der möglichen Anlieferungen soll größer werden. Vorgesehen ist der Zugang für Privatpersonen und Gewerbekunden mit Pkw, Transportern und Pkw mit Anhänger. Das ist für Münsters Süden besonders relevant: Fahrzeuge mit Anhänger sowie Fahrzeuge über zwei Meter Höhe können nach den geltenden Regeln bislang grundsätzlich nur am Recycling- und Entsorgungszentrum in Coerde anliefern. Die Einschränkungen wurden 2020 eingeführt, weil die kleineren Recyclinghöfe räumlich an ihre Grenzen stießen.
Damit könnte der Hiltruper Zentralhof zugleich den Standort in Coerde entlasten. Genau diese Funktion hatte das Recyclinghofkonzept bereits für einen zweiten Zentralhof im Süden vorgesehen: Lange Fahrten quer durch das Stadtgebiet sollten für größere private Anlieferungen und Gewerbekunden reduziert werden.
Auch der Aufbau unterscheidet sich deutlich vom heutigen Stadtteilhof. An Ein- und Ausgang ist ein Wiegeplatz mit Fahrzeugwaage vorgesehen. Für kostenfreie Abfallarten soll es eine schnellere Fahrspur geben, daneben ist ausdrücklich eine Fahrradspur eingeplant. Im eigentlichen Anlieferungsbereich sind Parkbuchten, Begrünung, eine teilweise Überdachung sowie eine Verkehrsführung im Einbahnstraßenprinzip vorgesehen. Container- und Kundenbereich sollen voneinander getrennt werden. Dadurch könnten Container nach der Planung auch während der Öffnungszeiten ausgetauscht werden.
Zusätzlich planen die AWM ein digitales Ampelsystem, über das sich die Wartezeit online abrufen lassen soll. Vorgesehen sind außerdem eine Schadstoffannahme, ein überdachter Sortierbereich für Elektrogeräte, Flächen für Kompost und Blumenerde sowie Schüttboxen für Grünabfälle. Auch eine Einrichtung für Wiederverwendung soll entstehen, etwa für eine Tauschbörse oder ein Repair-Café. Damit greift das Projekt einen zentralen Bestandteil des Recyclinghofkonzepts auf: Gegenstände sollen nach Möglichkeit weiter genutzt werden, statt unmittelbar im Abfallstrom zu landen.
Das passt zur langfristigen Ausrichtung der AWM. Die elf Recyclinghöfe im Münsteraner Stadtgebiet verzeichnen nach aktuellen Angaben jährlich mehr als 600.000 Kontakte. Die Stadt gehört damit zu den Kommunen mit einem vergleichsweise dichten Netz von Annahmestellen; die meisten Menschen in Münster haben nach AWM-Angaben höchstens rund drei Kilometer bis zum nächsten Recyclinghof.
Der größere Service hat allerdings Folgekosten. Zusätzlich zu den Baukosten rechnen die AWM mit Ausgaben für Fahrzeuge, Container und Betriebsausstattung. Für den Zentralhof selbst wird derzeit ein Mehrbedarf von mindestens fünf Vollzeitstellen erwartet. Mindestens eine weitere Vollzeitstelle soll im Containerdienst hinzukommen. Einen Teil der zusätzlichen Personalkosten wollen die AWM über Einnahmen von Gewerbekunden auffangen.
Zugleich könnten sich die Folgen des neuen Standorts auf andere Recyclinghöfe erstrecken. Die Verwaltung erwartet Verlagerungen von Anlieferungen insbesondere von der Eulerstraße, aber auch von nahegelegenen Stadtteilhöfen nach Hiltrup. Deshalb sollen im weiteren Planungsverfahren mögliche Anpassungen der dortigen Öffnungszeiten und der Personaleinsatz untersucht werden. Über konkrete Änderungen ist damit noch nicht entschieden.
Die 9,5 Millionen Euro sind bislang eine Grobkostenschätzung und damit noch kein endgültiger Baupreis. Erst mit der Entwurfsplanung sollen eine genauere Kostenschätzung sowie Details zum Betriebsablauf und zur Personalplanung erarbeitet werden. Für diese Planungsphase werden zunächst rund 100.000 Euro angesetzt. Die Mittel dafür sind laut Vorlage im Wirtschaftsplan 2026 der AWM vorhanden; weitere benötigte Gelder sollen in den Wirtschaftsplan 2027 aufgenommen werden.
Politisch beginnt das Verfahren Mitte September. Die Bezirksvertretung Hiltrup soll sich am 17. September mit dem Vorhaben befassen, anschließend ist am 29. September die Vorberatung im Betriebsausschuss der AWM vorgesehen. Hauptausschuss und Rat beschäftigen sich nach dem aktuellen Sitzungsplan am 7. Oktober damit, wobei die endgültige Entscheidung beim Rat liegt.
Stimmt der Rat dem Grundsatz- und Errichtungsbeschluss zu, folgen Ausschreibung und Detailplanung sowie das Genehmigungsverfahren. Die Genehmigung soll nach dem derzeitigen Ablauf über die Bezirksregierung erfolgen. Anfang 2028 könnte der Bau starten, 2029 soll der Zentralhof betriebsbereit sein. Die Stadt weist allerdings darauf hin, dass dieser Terminplan bislang nur einen groben Projektablauf darstellt.
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