RWE-Chef Krebber warnt vor Lücken bei kritischer Infrastruktur

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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RWE-Chef Markus Krebber fordert nach mehreren Vorfällen an der deutschen Energie-Infrastruktur deutlich stärkere Schutzmaßnahmen. Beim Sommerfest des Energiekonzerns in Berlin sagte der Vorstandsvorsitzende am Mittwoch, Deutschland müsse schneller auf die veränderte Sicherheitslage reagieren. Im Mittelpunkt seiner Kritik stehen aus seiner Sicht ungeeignete Regeln für den Umgang mit sensiblen Informationen und begrenzte Möglichkeiten, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen.

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Die Forderungen fallen in eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit für den Schutz der Stromnetze in Deutschland. Erst Anfang September waren Anlagen in mehreren Bundesländern von Sachbeschädigungen betroffen. Die Bundesnetzagentur bestätigte Vorfälle in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Auswirkungen auf einzelne Bereiche der Stromerzeugung habe es gegeben, die allgemeine Stromversorgung sei jedoch nicht beeinträchtigt worden. Auch die Stabilität des Stromsystems blieb nach Angaben der Behörde jederzeit gewährleistet.

Krebber fordert schnellere Konsequenzen

Krebber sieht dennoch Handlungsbedarf. Beim RWE-Sommerfest in Berlin sagte er wörtlich: „Wir müssen aus den Erfahrungen auch die Lehren ziehen, und zwar schnell.“ Nach seiner Einschätzung lasse sich die gegenwärtige Bedrohung kritischer Infrastruktur nicht mehr allein mit Verfahren bewältigen, die für eine andere Sicherheitslage entwickelt worden seien.

Dabei sprach der RWE-Chef ausdrücklich von der Gefahr hybrider Angriffe. Ob die jüngsten Sachbeschädigungen tatsächlich als hybride Angriffe einzustufen sind, ist damit allerdings nicht behördlich festgestellt. Die Bundesnetzagentur erklärte zu den Vorfällen vom 1. September, dass deren Ursache Gegenstand laufender polizeilicher Ermittlungen sei.

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Krebber kritisierte zudem gesetzliche Transparenzvorgaben, wenn dadurch aus seiner Sicht Informationen über besonders schützenswerte Infrastruktur öffentlich werden. Seine Forderung formulierte er deutlich: „Eigentlich muss die Devise sein: Geheimhaltung statt Transparenz.“

Damit berührt der RWE-Chef einen grundsätzlichen Konflikt. Staat und Unternehmen müssen einerseits Informations-, Planungs- und Genehmigungspflichten erfüllen. Andererseits können Angaben zu kritischen Anlagen sicherheitsrelevant sein. Welche bestehenden Transparenzregeln Krebber konkret ändern lassen will, blieb bei seinen öffentlich dokumentierten Aussagen zunächst offen.

Energieunternehmen wollen Gefahren früher erkennen

Ein zweiter Punkt betrifft die Überwachung und Absicherung kritischer Anlagen. Krebber verwies darauf, dass Unternehmen ihr eigenes Betriebsgelände technisch schützen können. Nach seiner Auffassung reicht eine Beschränkung auf das jeweilige Firmengelände angesichts neuer Bedrohungen jedoch nicht in jedem Fall aus.

Er forderte deshalb eine Debatte darüber, wie Gefahren für kritische Infrastruktur früher erkannt werden können. Dabei sprach er auch über eine engere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Sicherheitsbehörden. Konkrete rechtliche Änderungen oder ein bereits abgestimmtes Konzept von Bundesregierung, Behörden und Energiewirtschaft gibt es dazu in den dokumentierten Aussagen nicht.

Auch mit Blick auf Gefahren aus der Luft verlangte Krebber eine grundsätzliche Diskussion über Zuständigkeiten und Reaktionsmöglichkeiten. Für den praktischen Schutz kritischer Anlagen bleiben Sicherheitsbehörden und Betreiber im Rahmen der gesetzlichen Zuständigkeiten verantwortlich.

Bundesnetzagentur bestätigt Sachbeschädigungen

Hintergrund der Debatte sind unter anderem Ereignisse vom 1. September. Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurde an mehreren Leitungen in der Nähe einer Umspannanlage in Brandenburg Sachbeschädigung festgestellt. Ein weiterer Vorfall ereignete sich im Umfeld einer Umspannanlage in Nordrhein-Westfalen.

Die Ereignisse hatten nach Angaben der Behörde Auswirkungen auf die Stromerzeugung. Zu einem allgemeinen Versorgungsproblem kam es jedoch nicht. Die Bundesnetzagentur erklärte ausdrücklich, die Stromversorgung sei zu keinem Zeitpunkt betroffen gewesen und die Systemstabilität sei immer gewährleistet geblieben.

Damit ist zwischen Schäden an einzelnen Teilen der Energie-Infrastruktur und der Sicherheit des gesamten Stromsystems zu unterscheiden. Eine Beschädigung einer Anlage führt nicht automatisch zu einem großflächigen Stromausfall. Das deutsche Stromnetz verfügt über verschiedene Sicherungsmechanismen und Reserven. Dennoch können gezielte Störungen an kritischer Infrastruktur erhebliche Folgen haben, weshalb Betreiber und Behörden Schutzmaßnahmen fortlaufend anpassen.

KRITIS-Dachgesetz gilt seit März 2026

Der Gesetzgeber hat die Vorgaben zum Schutz besonders wichtiger Infrastruktur bereits verschärft. Seit dem 17. März 2026 ist das sogenannte KRITIS-Dachgesetz in Kraft. Es schafft erstmals sektorübergreifende bundesweite Vorgaben für die Widerstandsfähigkeit kritischer Anlagen.

Erfasst werden unter anderem die Bereiche Energie, Verkehr, Gesundheit, Trinkwasser, Informationstechnik und Telekommunikation sowie weitere für die Versorgung wichtige Sektoren. Betreiber müssen Risiken bewerten und geeignete Maßnahmen treffen, um Störungen möglichst zu verhindern, Folgen zu begrenzen und wichtige Dienstleistungen nach einem Vorfall schnell wiederherzustellen.

Das Gesetz ergänzt Vorschriften zur Cybersicherheit um Anforderungen an die physische Widerstandsfähigkeit. Damit reagiert Deutschland zugleich auf europäische Vorgaben für den Schutz kritischer Einrichtungen.

Die Umsetzung ist allerdings noch nicht in allen Punkten abgeschlossen. Einzelne Pflichten hängen von weiteren Regelungen und der Identifizierung der betroffenen Anlagen ab. Die Bundesregierung arbeitet nach eigenen Angaben an den dafür notwendigen Vorgaben.

Krebbers Forderung geht über bestehende Regeln hinaus

Krebbers Aussagen zeigen deshalb weniger ein völliges Fehlen von Schutzvorschriften als eine Debatte über deren Reichweite und Geschwindigkeit. Deutschland hat seine gesetzlichen Grundlagen zum Schutz kritischer Infrastruktur in den vergangenen Monaten ausgebaut. Auch Betreiber und Bundesnetzagentur arbeiten nach Angaben der Regulierungsbehörde an der Identifikation und Absicherung möglicher Schwachstellen sowie an gemeinsamen Abläufen für Krisenfälle.

Der RWE-Chef verlangt nun zusätzliche Möglichkeiten und eine schnellere Anpassung an neue Gefahren. Ob seine Forderungen nach weniger öffentlich zugänglichen Informationen und erweiterten Überwachungsmöglichkeiten politisch aufgegriffen werden, ist offen. Fest steht zugleich, dass die jüngsten bestätigten Sachbeschädigungen keine allgemeine Störung der deutschen Stromversorgung ausgelöst haben.

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