Nach Kleindiensts deutlichen Worten zieht Gladbach eine Grenze

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Bei Borussia Mönchengladbach beschäftigen die öffentlichen Aussagen von Kapitän Tim Kleindienst nach dem 3:4 gegen die SV Elversberg weiter die Verantwortlichen. Sportchef Rouven Schröder und Trainer Eugen Polanski haben inzwischen deutlich gemacht, dass sie den grundsätzlichen Wunsch des Stürmers nach mehr Konzentration nachvollziehen können, seine Wortwahl aber teilweise für zu weitgehend halten. Über ein klärendes Gespräch zwischen Kleindienst und der sportlichen Führung berichtete zuerst die „Bild“. Eine gesonderte Mitteilung des Vereins zu diesem Gespräch wurde bislang nicht veröffentlicht.

Anzeige

Die Kleindienst-Kritik bei Gladbach fällt in eine sportlich schwierige Phase. Borussia verlor zum Bundesliga-Auftakt mit 0:3 bei RB Leipzig und anschließend zu Hause mit 3:4 gegen Aufsteiger Elversberg. Nach zwei Spieltagen steht der Klub damit ohne Punkt und mit 3:7 Toren auf Tabellenplatz 17. In der Vorsaison hatte die Mannschaft Rang zwölf mit 38 Punkten erreicht.

Kleindienst kritisierte den Fokus seiner Mannschaft

Ausgangspunkt waren Kleindiensts Interviews unmittelbar nach dem Elversberg-Spiel. Die besonders viel beachteten Äußerungen fielen am Mikrofon des ZDF. Der Sport-Informations-Dienst verbreitete sie anschließend, unter anderem veröffentlichten Sportschau und WDR die Aussagen am 6. September.

Kleindienst sagte mit Blick auf die Konzentration seiner Mannschaft unter anderem: „Keine Ahnung, woran es liegt. Weniger TikTok gucken, oder was weiß ich. Ist mir eigentlich wurscht, was sie machen.“ Außerdem erklärte er nach der verspielten Führung: „Ich habe keine Worte dafür. Wir haben es verschissen. Es geht definitiv in die falsche Richtung.“

Anzeige

Der Kapitän kritisierte dabei vor allem Fehler in entscheidenden Situationen. Er verlangte, dass seine Mitspieler den Fokus über die gesamte Spielzeit halten und in kritischen Phasen einfachere Entscheidungen treffen. Dabei bezog er sich auch auf jüngere Spieler. Bereits nach der 0:3-Niederlage in Leipzig hatte Kleindienst das Auftreten seiner Mannschaft öffentlich kritisiert.

Schröder bestätigt Distanz zur Wortwahl

Am 9. September berichtete die „Bild“ als erstes Medium über ein klärendes Gespräch zwischen Kleindienst und den Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach. Dem Bericht zufolge seien die Klubverantwortlichen mit der Tonlage des Kapitäns nicht vollständig einverstanden gewesen. Andere Medien wie Sport1, Sky und ntv griffen die Meldung anschließend unter ausdrücklichem Verweis auf „Bild“ auf.

Sportchef Rouven Schröder äußerte sich gegenüber „Bild“ direkt zu dem Vorgang. Die Worte unmittelbar nach dem Spiel seien angesichts des Verlaufs „verständlicherweise emotionsgesteuert“ gewesen. Schröder bezeichnete Kleindienst zugleich als „Mann der deutlichen Worte“ und erklärte, der Kapitän sehe inzwischen selbst ein, „dass er mit einigen seiner Aussagen drüber war“.

Eine eigenständige Veröffentlichung Borussias, in der Ablauf und Inhalt des klärenden Gesprächs detailliert bestätigt werden, lag zunächst nicht vor. Schröders direkte Aussagen belegen allerdings, dass die Äußerungen des Kapitäns innerhalb des Klubs thematisiert wurden. Über konkrete Sanktionen gegen Kleindienst gab es keine bestätigten Angaben.

Polanski teilt Inhalt, aber nicht die Wortwahl

Trainer Eugen Polanski hatte sich bereits am Dienstag nach dem Training vor Medienvertretern zu seinem Kapitän geäußert. Sport1 veröffentlichte seine Stellungnahme am 8. September und damit vor dem Bericht über das Gespräch mit der sportlichen Führung.

Polanski sagte über Kleindienst: „Aus der Emotion heraus war es vielleicht ein Stück weit drüber.“ Inhaltlich stellte sich der Trainer jedoch nicht grundsätzlich gegen seinen Kapitän. Seine Botschaft gehe „schon in die richtige Richtung“, erklärte Polanski. Die Mannschaft müsse über 90 Minuten die notwendige Konzentration aufbringen.

Damit haben sowohl Trainer als auch Sportchef eine ähnliche Linie öffentlich vertreten. Die Forderung nach mehr Fokus wird nicht zurückgewiesen, die Art der öffentlichen Kritik an Mitspielern aber relativiert.

Matthäus kritisiert den öffentlichen Rahmen

Auch Lothar Matthäus schaltete sich in die Debatte ein. Ausgangspunkt seiner Aussagen war eine Kolumne für Sky, die anschließend von mehreren Medien aufgegriffen wurde. Der frühere Gladbacher und deutsche Rekordnationalspieler räumte Kleindienst inhaltlich durchaus einen Punkt ein, kritisierte aber den öffentlichen Umgang mit den Mitspielern.

„Die Kritik an einzelnen Spielern vor der Kamera steht auch den Kapitänen nicht zu“, schrieb Matthäus. Ein Spielführer könne Mannschaftskollegen intern deutlich ansprechen, der öffentliche Rahmen sei dafür aus seiner Sicht jedoch ungeeignet.

Matthäus verband seine Einschätzung zugleich mit der sportlichen Situation des Trainers. Sollten die Ergebnisse ausbleiben, könne Polanski aus seiner Sicht früh unter weiteren Druck geraten. Das ist eine Einschätzung des Sky-Experten und keine Ankündigung oder Entscheidung Borussia Mönchengladbachs.

Tim Kleindienst kam in der Vorsaison kaum zum Einsatz

Kleindienst ist am 31. August 1995 geboren und inzwischen 31 Jahre alt. Der 1,94 Meter große Mittelstürmer spielt seit Sommer 2024 für Borussia Mönchengladbach und besitzt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2029. Er ist Kapitän der Mannschaft.

Seine sportliche Bedeutung lässt sich vor allem an seiner ersten Gladbacher Saison erkennen. 2024/25 erzielte er in 31 Bundesliga-Spielen 16 Tore. Die Saison 2025/26 wurde dagegen von Knieproblemen bestimmt. In der Bundesliga kam Kleindienst lediglich zu zwei Kurzeinsätzen, jeweils als Einwechselspieler, und blieb ohne Tor. Hinzu kam ein Kurzeinsatz im DFB-Pokal.

Nach seiner langen Verletzungspause ist der Mittelstürmer in dieser Saison wieder ein zentraler Bestandteil der Mannschaft. Seine Rolle geht dabei über die Position im Angriff hinaus, weil er als Spielführer auch öffentlich für das Team spricht.

Trainer Polanski bleibt offiziell im Amt

Die Diskussion über Eugen Polanski hat sich durch den Fehlstart verschärft. Der 40-Jährige hatte die Mannschaft im September 2025 übernommen und sie anschließend aus der Abstiegszone geführt. Am Ende der Saison stand Platz zwölf. Polanski besitzt einen Vertrag bis 2028.

Schröder hatte eingeräumt, dass die Weiterbeschäftigung des Trainers im Sommer innerhalb des Klubs kontrovers diskutiert worden sei. Borussia entschied sich anschließend für Polanski, veränderte aber unter anderem dessen Trainerteam und den Spielerkader. Nach den ersten beiden Niederlagen wollte Schröder keine öffentliche Trainerdiskussion eröffnen. Er sagte: „Es ist wichtig, klar zu bleiben und nicht nach zwei Spieltagen alles in Schutt und Asche zu legen.“

Eine bevorstehende Trennung von Polanski ist vom Verein nicht angekündigt worden. Offiziell bestätigt ist lediglich, dass die Verantwortlichen nach dem punktlosen Start Gesprächsbedarf sehen. Aussagen über eine unmittelbar bevorstehende Entlassung gehen darüber hinaus.

Borussia hat den Kader im Sommer deutlich verändert

Die sportliche Ausgangslage ist auch vor dem Hintergrund eines größeren Kaderumbaus zu sehen. Zu den Neuzugängen gehören unter anderem Mittelstürmer Isac Lidberg, Mittelfeldspieler Enzo Leopold, Rechtsverteidiger Yukhym Konoplia, der zurückgeholte Innenverteidiger Ko Itakura und der von Como ausgeliehene Offensivspieler Nicolas Kühn. Hugo Bolin wurde nach seiner Leihe fest verpflichtet. Auf der anderen Seite verließen unter anderem Rocco Reitz Richtung RB Leipzig, Nico Elvedi Richtung Leeds United und Nathan Ngoumou Richtung Nizza den Verein.

Mehrere Neuzugänge stehen derzeit allerdings verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Leopold erlitt einen Kreuzbandriss, Konoplia eine Knieverletzung und Kühn beim Spiel gegen Elversberg einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel. Auch Jens Castrop fehlt nach einer Schulterverletzung. Schröder hatte bereits vor dem Elversberg-Spiel betont, weiterhin Vertrauen in die Breite des Kaders zu haben.

Für Borussia folgt am Samstag das Auswärtsspiel beim SC Freiburg. Nach zwei Niederlagen geht es dort zunächst darum, sportlich auf den Fehlstart zu reagieren. Die öffentliche Auseinandersetzung um Kleindiensts Aussagen hat der Klub inzwischen eingeordnet. Eine weitergehende personelle Konsequenz für Kapitän oder Trainer war bis Donnerstagvormittag nicht offiziell bekannt.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu