
Die Gaspreise für Haushalte in Deutschland ziehen wieder deutlich an. Besonders sichtbar ist die Entwicklung bei Neuverträgen. Nach Daten des Geldratgebers Finanztip kosteten die günstigsten von ihm empfohlenen Gastarife mit zwölf Monaten Preisgarantie am 8. September 2026 durchschnittlich 12,62 Cent je Kilowattstunde. Im Februar, vor Beginn des Iran-Kriegs, waren es rund 9,4 Cent. Damit sind diese Neukundentarife innerhalb von gut einem halben Jahr um etwas mehr als ein Drittel teurer geworden.
Andere Erhebungen kommen wegen unterschiedlicher Auswahlkriterien auf niedrigere absolute Preise, bestätigen aber die Richtung. Verivox gab für den 11. September 2026 einen bundesweiten Neukundenpreis von rund 11 Cent je Kilowattstunde an. Das Portal berücksichtigt bei seiner Berechnung einen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden, jeweils den günstigsten verfügbaren Tarif je Postleitzahl mit zwölfmonatiger Preisgarantie und bezieht Boni ein. Im Februar hatte Verivox für diese Tarifgruppe rund 8,2 Cent je Kilowattstunde ermittelt.
Der wichtigste kurzfristige Grund für den Anstieg liegt im Großhandel. Vor Beginn des Iran-Kriegs bewegten sich die Preise am europäischen Referenzmarkt TTF nach Angaben von Verivox bei etwa 30 bis 34 Euro je Megawattstunde. Im weiteren Jahresverlauf stiegen sie zeitweise deutlich an. Finanztip verwies Anfang September darauf, dass sich die Großhandelskosten gegenüber Februar erheblich erhöht hätten.
Die Entwicklung hängt vor allem mit den Verwerfungen auf dem internationalen Gasmarkt zusammen. Lieferungen von Flüssigerdgas aus dem Nahen Osten sind beeinträchtigt, zugleich wirken sich die geopolitischen Risiken auf die europäischen Handelsplätze aus. Die Bundesnetzagentur betont, dass höhere Weltmarktpreise auf den europäischen Großhandel durchschlagen. Ob und wie schnell sie bei Haushalten ankommen, hängt jedoch unter anderem von der Beschaffungsstrategie des jeweiligen Versorgers und den Vertragsbedingungen ab. Die Behörde bewertet die Gasversorgung in Deutschland aktuell weiterhin als stabil.
Die Größenordnung zeigt sich an Modellhaushalten. Bei den Finanztip-Werten steigt der rechnerische Jahrespreis für 15.000 Kilowattstunden von rund 1.410 Euro bei 9,4 Cent je Kilowattstunde auf etwa 1.893 Euro bei 12,62 Cent. Das entspricht rund 483 Euro Unterschied pro Jahr. Grundpreise sind in der Finanztip-Erhebung bereits eingerechnet, Neukundenboni dagegen nicht. Finanztip erhebt dafür Preise an mehr als 100 Orten und bildet den Mittelwert aus jeweils drei günstigen empfohlenen Tarifen.
Bei Verivox ergibt sich für einen Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden ebenfalls eine deutliche Veränderung. Rund 8,2 Cent im Februar entsprachen rechnerisch etwa 1.640 Euro im Jahr. Ein Preis von rund 11 Cent entspricht etwa 2.200 Euro. Der Unterschied liegt damit bei rund 560 Euro. Diese Rechnung beschreibt jedoch die Entwicklung der jeweiligen Neukundenangebote und nicht automatisch die tatsächliche Rechnung aller Gashaushalte.
Der BDEW bezifferte den durchschnittlichen Gaspreis eines Haushalts mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden für August 2026 auf rund 11,93 Cent je Kilowattstunde. Das entspricht nach dieser Erhebung etwa 2.386 Euro im Jahr. Dieser Wert umfasst auch laufende Tarife und ist deshalb nicht direkt mit den Neukundenbarometern vergleichbar.
Bei den staatlich beeinflussten Preisbestandteilen wirken unterschiedliche Faktoren gegeneinander. Die Gasspeicherumlage gehört 2026 ausdrücklich nicht zu den Preistreibern. Sie wurde zum 1. Januar abgeschafft. Zuletzt lag sie bei 0,289 Cent je Kilowattstunde netto. Die Bundesnetzagentur beziffert die dadurch entstehende Entlastung bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden auf knapp 58 Euro pro Jahr. Die Finanzierung der entsprechenden Kosten übernimmt nun der Bund.
Gleichzeitig sind die Gasnetzentgelte vielerorts gestiegen. Verivox hatte auf Grundlage der vorläufigen Entgelte für 2026 im Herbst 2025 einen durchschnittlichen Anstieg um rund elf Prozent errechnet. Für einen Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden ergaben sich dadurch rechnerische Mehrkosten von etwa 61 Euro pro Jahr. Als Gründe gelten unter anderem der sinkende Gasverbrauch und damit eine Verteilung der Netzkosten auf weniger Kilowattstunden. Hinzu kommen regulatorische Änderungen bei der Abschreibung der Gasnetze.
Auch die CO2-Bepreisung gehört zum Gaspreis. 2025 galt ein Festpreis von 55 Euro je Tonne Kohlendioxid. Seit Anfang 2026 wird der Preis innerhalb eines gesetzlich festgelegten Korridors zwischen 55 und 65 Euro ermittelt. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums kann der Unterschied zwischen 55 und 65 Euro den Erdgaspreis gegenüber 2025 um bis zu 0,22 Cent je Kilowattstunde erhöhen.
Finanztip beziffert den gesamten CO2-Kostenanteil beim Erdgas 2026 auf bis zu rund 1,4 Cent je Kilowattstunde brutto. Für die längerfristige Entwicklung erwartet der Geldratgeber zusätzlichen Preisdruck durch CO2-Bepreisung und Gasnetzentgelte. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Einschätzung und nicht um einen feststehenden künftigen Endkundenpreis.
Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet mit weiteren Auswirkungen auf die Verbraucherpreise. In seiner aktuellen Konjunkturprognose mit Stichtag 27. August 2026 erwartet das DIW deutlich höhere Gaspreise. Nach Einschätzung des Instituts dürften die niedrigen Speicherstände zusammen mit der zeitverzögerten Weitergabe gestiegener Beschaffungskosten ab dem Jahreswechsel stärker spürbar werden.
DIW-Konjunkturökonomin Geraldine Dany-Knedlik begründete die Erwartung steigender Gaspreise zum Jahreswechsel unter anderem mit dem im Sommer vergleichsweise niedrigen Füllstand der deutschen Speicher. Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungssicherheit trotz der angespannten Preislage derzeit als gewährleistet. Damit stehen gegenwärtig weniger Befürchtungen über einen unmittelbaren Versorgungsengpass als vielmehr die hohen und volatilen Beschaffungskosten im Mittelpunkt.
Wie hoch die Gaspreise für einzelne Haushalte im Winter 2026/27 tatsächlich ausfallen, lässt sich daraus nicht allgemein ableiten. Bestandsverträge reagieren häufig zeitverzögert auf Veränderungen am Großhandel, während neu kalkulierte Tarife Preisbewegungen schneller abbilden. Auch die endgültige Entwicklung von Beschaffungskosten, regionalen Netzentgelten und CO2-Kosten entscheidet darüber, welchen Preis einzelne Versorger verlangen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu